Bundesliga

Nouri: "Ich will in die Herzen der Spieler"

Bremens Interimstrainer präsentiert sich als Impulsgeber

Nouri: "Ich will in die Herzen der Spieler"

Alexander Nouri

Voll motiviert: Bremens Interimscoach Alexander Nouri. picture alliance

"Raus auf den Platz", sagte Alexander Nouri, möchte er so schnell wie möglich. Für die Dauer einer Halbzeit stellte er sich bei seiner Vorstellungsrunde am Montag den Fragen zu seiner Person und seiner Philosophie. Dabei umschrieb der redegewandte Trainer, der binnen drei Tagen und zwei Trainingseinheiten die Mannschaft bis zum Mittwoch-Spiel gegen Mainz auf Vordermann bringen soll, seine Vorgehensweise so: Viele Einzelgespräche will er führen, so ein Gefühl entwickeln für seine Spieler. Wichtig sei, "dass die Spieler die Köpfe freibekommen, sich gegenseitig inspirieren und unterstützen."

Nouris Ansinnen mit seinen Worten: "Ich will in die Herzen der Spieler." Zwölf Teams hatten sich im Medienraum des Weserstadions ihre Kameras aufgebaut, um die Premiere des Neuen zu verfolgen. Nouri, der sich selbst als Bauchmensch einstuft, geht nach eigenen Angaben seinen neuen Job mit Demut und Bescheidenheit an. "Es geht um das Jetzt", erklärte der 37-Jährige, der positive Gedanken vermitteln und sich ganz in den Dienst der Werder-Sache stellen möchte, "es geht um den Verein und nicht um mich." So lebt er im Moment, genießt diesen Augenblick.

Trainersteckbrief Nouri
Nouri

Nouri Alexander

Werder Bremen - Vereinsdaten

Gründungsdatum

04.02.1899

Vereinsfarben

Grün-Weiß

Alles wie ein Traum

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Natürlich sei es für ihn wie ein Traum, diese Berufung zum Chefcoach des Erstligisten. Wie lange er dieses Amt ausüben darf, ist weiter unklar. Explizit wurde nur auf das nächste Spiel gegen die Rheinhessen verwiesen. Eine Garantie, dass er auch im nächsten Heimspiel gegen Wolfsburg auf der Bank als Verantwortlicher sitzen werde, gab ihm Geschäftsführer Frank Baumann nicht. Nouri stört es nicht. Über die Zukunft macht er sich keine Gedanken, will dafür "mit voller Energie" die Arbeit in der Gegenwart anpacken. Zumal auch Baumann nicht ausgeschlossen hat, dass es den Schubert-Effekt auch an der Weser geben könnte. Sollte Nouri sich bewähren und vor allem Erfolg haben, so darf er auf eine Beförderung hoffen, wie sie der Kollege in Gladbach erfahren hat.

"Eine gute und schnelle Lösung", stufte Manager Baumann das Engagement des U-23-Trainers ein, dessen Aufgaben nun ebenfalls übergangsmäßig die Thomas Wolter, der Sportliche Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, und Frank Bender übernehmen. Was sich Baumann erhofft hat, ist bereits eingetreten: Nouri hat sich als Impulsgeber präsentiert, hat mit seinem ausgestrahlten Optimismus für neue Stimulans bei dem Tabellenletzten gesorgt. Konkret geworden ist der Interimscoach dabei nicht, was seine Strategie anbelangt.

Inzwischen hat er sich bei den beurlaubten Vorgängern informiert, sowohl mit Viktor Skripnik als auch mit Florian Kohfeldt, dem Co-Trainer, telefoniert. Wie er das Vakuum im Sturm, wo nun auch noch der gesperrte Aron Johannsson ausfällt, zu kompensieren gedenkt, bleibt offen. Wie er in der heiklen Torwartfrage entscheiden wird, ist ebenfalls noch nicht entschieden. Rückkehr von Felix Wiedwald oder Festhalten an Jaroslav Drobny? "Eine spezielle Sache, ich werde meine Eindrücke sammeln und im Austausch mit Tor-warttrainer Vander entscheiden." Als Sofortmaßnahme ist dies angedacht: Aus der bislang von ihm betreuten U 23 rücken Niklas Schmidt und Ousman Manneh auf, um den von Verletzungssorgen geplagten Profikader aufzufüllen.

Gnabry angeschlagen

Die Verletzungsmisere setzt sich unterdessen fort: Am Dienstag konnte Serge Gnabry nicht trainieren. Eine Oberschenkelblessur macht ihm Kummer. Sein Einsatz gegen Mainz ist keinesfalls gesichert. Baumann erwartet in der englischen Woche "ein anderes Auftreten der Mannschaft", die sehr bedrückt und selbstkritisch die Beurlaubung des Skripnik-Teams aufgenommen habe. Dass die Trennung fair und anständig vollzogen worden sei, darauf legte der Geschäftsführer Sport noch einmal ausdrücklich Wert: "Ich kann nicht verstehen, dass in diesem Zusammenhang von einer würdelosen Aktion berichtet wird."

Bei der Suche eines neuen Cheftrainers schloss Baumann auch nicht aus, dass Kandidaten angesprochen werden, die woanders noch unter Vertrag stehen. Womit der Kreis der Aspiranten sich vergrößert hat. Auf die konkrete Nachfrage, ob Thomas Schaaf dazu zähle, verwies er auf seine Devise: "Ich kommentiere keine Namen und schließe somit auch keine aus."

Hans-Günter Klemm