Vier Teams, die die vermeintlich Großen ärgern wollen

Vier Underdogs im kicker-Check: Neuling chancenlos?

Scott Timmins

Neuer Center mit Defensiv-Qualitäten: Scott Timmins. imago

Straubing Tigers: Solide Defensive als Erfolgsbasis

Nach dem überraschenden Viertelfinaleinzug im Frühjahr hat die Mannschaft der Niederbayern über den Sommer ihr Gesicht deutlich verändert. Mit Blaine Down (Iserlohn), Mannheim-Leihgabe Mirko Höfflin, Connor James (unbekannt), Sean O'Connor, Ryan Bayda (beide Karriereende) sowie den Abwehrspielern Alexander Dotzler (Wolfsburg), Florian Ondruschka, der in seine Heimstadt Selb (Oberliga) zurückkehrte, und Sebastian Osterloh (Kaufbeuren/DEL2) verließen zum Teil langjährige Identifikationsfiguren und Leistungsträger die Tigers.

Bei den Neuzugängen setzte Trainer Larry Mitchell auf eine Mixtur aus Erfahrung, Physis und Scoring-Potenzial. Alexander Oblinger (Nürnberg), der obendrein über einen guten Schuss verfügt, und Tim Miller (Bremerhaven) verstärken die Abteilung Härte, Scott Timmins (San Jose Barracuda/AHL), Derek Whitmore (Wien), vor allem aber Jeremy Williams (Västeräs/SHL) können bereits auf NHL-Erfahrung zurückblicken. In der Abwehr lockte Mitchell mit James Bettauer einen ihm bereits aus gemeinsamen Zeiten in Augsburg vertrauten Deutsch-Kanadier an den Pulverturm.

Ausblick und Fazit: Prunkstück ist weiterhin die ordentlich besetzte und recht lauf- und offensivstarke Defensive um den Deutsch-Kanadier Austin Madaisky. Auch die Torhüterposition ist neben Matt Climie - zumindest auf dem Papier - mit dem Quasi-Tausch von Dustin Strahlmeier, der für Dimitri Pätzold nach Schwenningen wechselte, noch einmal aufgewertet worden und muss selbst den Vergleich mit großen DEL-Klubs nicht scheuen. Die große Achillesferse, das deutete bereits die Vorbereitung an, dürfte derweil erneut der Mangel an offensiver Durchschlagskraft, insbesondere im Powerplay, darstellen. Nur wenn es Coach Mitchell und seinen Schützlingen daher gelingt, mit ähnlicher Leidenschaft und Energie enge Spieler häufiger zu ihren Gunsten zu entscheiden, ist eine ähnliche Überraschung wie 2015/16 zumindest denkbar.

Augsburger Panther: Über mehr Kadertiefe zum Erfolg?

Mark Cundari & Brady Lamb

Soll in Augsburg für defensive Stabilität sorgen: Mark Cundari (l., mit Brady Lamb). imago

Mit fünf neuen Importspielern versuchen die Panther den nächsten Angriff auf die ersten zehn Plätze. Der NHL-erfahrene Abwehrspieler Mark Cundari, der wie Stürmer Trevor Parkes 2015/16 vor allem für das San-Jose-Sharks-Farmteam Barracuda (AHL) aktiv gewesen war, und Scott Valentine (Krefeld) sollen der im vergangenen Jahr anfälligsten Defensive der DEL Defensive Spielwitz und Stabilität geben. Im Angriff kommt auf Center Evan Trupp (zuletzt Chicago/AHL) und Parkes die undankbaren Aufgaben zu, die Abgänge von vor allen Dingen Mittelstürmer Jon Matsumoto (München), aber auch Mark Mancari (Krefeld) zu ersetzen. Mit Michael Davies (Hamburg) verpflichtete Augsburg einen quirligen Außenstürmer, dessen Stern 2014/15 im Trikot der Düsseldorfer EG bis zu einer Dopingsperre kurzzeitig aufleuchtete.

Von DEL-Neueinsteiger Bremerhaven kamen Verteidiger Gabe Guentzel und Stürmer David Stieler, die beide über einen deutschen Pass verfügen und die Trainer Michael Stewart bereits aus seiner erfolgreichen Zeit als Coach der Norddeutschen (2013-15) kennt. Gleiches gilt für Jaroslav Hafenrichter, der als ehemaliger Bremerhavener über den Umweg Hamburg den Weg nach Augsburg nahm. Der Austro-Kanadier geht in ein zweites Jahr als Coach der Schwaben, der mit dem ehemaligen Nürnberger Chefcoach Tray Tuomie einen neuen Co-Trainer an seiner Seite hat.

Ausblick und Fazit: Das Torhütergespann mit Neuzugang Jonathan Boutin (Freiburg) und Ben Meisner (ebenfalls ehemals Bremerhaven) kann in Europa lediglich Erfahrung in unterklassigen Ligen vorweisen und ist damit im Vergleich zur solide bis gut besetzten DEL-Konkurrenz auf dem Papier ein großes Fragezeichen. Insgesamt hofft man beim AEV durch die Sommertransfers auf mehr Kadertiefe. Ob dies für den Sprung unter die ersten Zehn ausreicht, erscheint indes äußerst fraglich.

Schwenninger Wild Wings: Mit jugendlichem Elan und drei Meisterspielern

Will Acton

Shootingstar im Schwarzwald: Schwenningens Stürmer Will Acton. imago

Trotz dem erneuten Platz 14 wollte man im Schwarzwald eigentlich auf Kontinuität setzen. Auf der Trainerposition, aber auch auf einigen Schlüsselpositionen im Kader. Doch gegen lukrativere Konkurrenz war man angesichts der finanziell begrenzten Mittel der Wild Wings weitgehend machtlos. Und so verabschiedete sich nicht nur Trainer Helmut de Raaf, der Direktor für Spielerentwicklung in der Salzburger Red-Bull-Nachwuchsakademie wurde, sondern auch Schlüsselspieler wie Torjäger Damien Fleury (25 Treffer), der zum neuen chinesischen KHL-Team Kunlun Red Star wechselte, Verteidiger Hannu Pikkarainen, der wuchtige Stürmer Ashton Rome (beide Iserlohn) oder Urgestein Philipp Schlager (Kassel/DEL2), der sechs Jahre für Schwenningen spielte, verließen den Klub.

Immerhin: Die letztjährige Nachverpflichtung Will Acton, der sich mit 55 Scorerpunkten aus 46 Spielen zu einem echten Transfercoup entwickelte, verlängerte früh bis 2019 und auch die deutsche Entdeckung Marcel Kurth und der grundsolide schwedische Mittelstürmer Andreé Hult zählen weiter zum Kader. Mit den drei Angreifern Jerome Samson, Ulrich Maurer und dem gebürtigen Schwenninger Kai Herpich kamen zudem gleich drei Akteure zum SERC, die mit München 2016 deutscher Meister wurden. In der Abwehr gelang mit KHL-Spieler Simon Gybers und dem in Finnland lange in der ersten Liga aktiven Kalle Kaijomaa respektable Verpflichtungen.

Ausblick und Fazit: Der Star bei den Wild Wings ist der Trainer. Auch wenn Pat Cortina in Deutschland auf ewig die verpasste Olympia-Qualifikation für die Spiele von Sotschi nachhängen dürfte - bei den anschließenden WM-Turnieren konnte der Ex-Bundestrainer auf ordentliches Abschneiden des DEB-Teams verweisen. Nun trifft der 52-Jährige auf eine ähnliche schwierige Ausgangsbasis wie bereits als Coach des EHC München vor dem Einstieg des österreichischen Brauseherstellers. Damals holte er aus seinen Teams oft das Maximum heraus, etwas das ihm mit dem jungen Schwenninger Kader, nebst einigen durchaus gutklassigen erfahrenen Akteuren, durchaus gelingen könnte. Ein bis zum Hauptrundenende andauernder Kampf um Platz zehn ist daher nicht ausgeschlossen.

Fischtown Pinguins: Nach Totalumbruch ins erste DEL-Jahr

Jeremy Welsh

Gestern NHL, heute Bremerhaven: Jeremy Welsh. imago

(Fast) alles neu macht die Höherklassigkeit in Bremerhaven. Insgesamt 19 Neuzugänge sind neu bei den Pinguins; auch, weil man bei den Norddeutschen durch das sich erst im Mai abzeichnende Aus der Hamburg Freezers einige Stammkräfte vor Bekanntwerden des Aufstiegs in die DEL verlor. So sicherten sich die Klubs der deutschen Eliteliga bereits zuvor die Dienste von "DEL2-Verteidiger des Jahres" Gabe Guentzel und David Stieler (beide Augsburg) sowie Patrick Klöpper und Kevin Orendorz (beide Krefeld).

Als neue Galionsfigur der Defensive, aber auch des gesamten Teams, verpflichtete Manager Alfred Prey den ehemaligen NHL-Verteidiger Mike Moore (San Jose), der auch gleich das Kapitänsamt übernahm. Im Tor soll der erfahrene Finne Jani Nieminen für manch unerwarteten Punktgewinn sorgen. Erst spät akquirierte Bremerhaven den vielseitig verwendbaren Stürmer Jeremy Welsh, der als Ersatz für den verletzten Sami Venäläinen (Kreuzbandriss) kam. Der 28-jährige Welsh war noch 2015/16 zweimal in der NHL für Play-off-Teilnehmer St. Louis Blues zum Einsatz gekommen. Besonderheit: Gleich acht Spieler im Kader mit deutschem Pass wurden nicht in Deutschland geboren.

Ausblick und Fazit: Trotz ein paar für deutsche Verhältnisse relativ namhafter Zugänge - gerade einmal vier Spieler des Aufsteigers (Marian Dejdar, Andrew McPherson, Dominik Tiffels, Kevin Lavallée) verfügen über DEL-Erfahrung. Zwar kann Thomas Popiesch zumindest in der Breite angesichts von drei Torhüten, zehn Abwehrspielern und 15 Stürmern aus dem Vollen schöpfen. Doch angesichts der fehlenden Eingespieltheit und auf höherem Eishockey-Level zu größten Teilen unbekannten Spielermaterials müsste der Coach schon ein kleines Wunder vollbringen, um mit Bremerhaven besser abzuschneiden als auf dem - womöglich abgeschlagenen - letzten Rang.

jom

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Von Kolarik bis Kozek - Die Neuzugänge der DEL-Teams