Mainz erst phänomenal, dann fatal

Schmidt: "Das gibt ein Brett in der Analyse"

Martin Schmidt

Der Mainzer Coach Martin Schmidt hatte schon während der Partie alle Hände voll zu tun. Getty Images

"Das war ein bisschen der Knackpunkt", fand Stefan Bell. Was war passiert? Schiri Markus Schmidt hatte Gaetan Bussmann mit Rot vom Platz gestellt, nachdem der Franzose Andrej Kramaric zu Fall gebracht hatte (57.). Notbremse? Eine Fehlentscheidung, denn Giulio Donati hätte noch eingreifen können. Ohne Kritik am Unparteiischen üben zu wollen, sah das auch der FSV-Kapitän so: "Wenn es keine klare Rote Karte ist, würde Gelb reichen. Aber das ist schwer zu beurteilen. Mich stört es mehr, dass es überhaupt zu der Situation kommt: ohne Not, aus stehendem Spiel."

Ohne Not – so schenkten die Rheinhessen vier Tage vor dem Europa-League-Auftakt gegen AS Saint-Etienne (Do., 19 Uhr, LIVE! bei kicker.de) dann auch in Unterzahl den ersten Dreier der Saison her. Wer sich Sandro Wagners 1:3 und den Doppelschlag von Mark Uth zum 2:4 und 3:4 ansieht, der wird feststellen: Die Probleme lagen nicht in der Innenverteidigung, sondern davor. In der Szene beim 1:3 klärte zunächst Leon Balogun. Normalerweise sollte dann beim zweiten Ball der Zugriff erfolgen – was nicht geschah.

Spielersteckbrief Bussmann
24

Bussmann Gaetan

1. FSV Mainz 05

Frankreich

Spielerprofil
Bundesliga - 2. Spieltag
2. Spieltag
Bundesliga Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Bayern München
6
2
Hertha BSC
6
3
1. FC Köln
4
VfL Wolfsburg
4
5
RB Leipzig
4
6
SC Freiburg
3
Bayer 04 Leverkusen
3
8
Borussia Dortmund
3
9
Eintracht Frankfurt
3
Tabelle Bundesliga

Vor dem 2:4? Kommt Pirmin Schwegler ohne Gegnerdruck zum Kopfball 20 Meter vor dem Mainzer Strafraum. Erst so entsteht die Eins-gegen-eins-Szene zwischen Donati und Kramaric, der die Vorlage gab. Vor dem 3:4? Darf sich Torschütze Uth völlig frei im Deckungsschatten der Doppelsechs aufhalten, weil die Mittelfeldkette – zu diesem Zeitpunkt bestehend aus Yunus Malli, Jean-Philippe Gbamin, Fabian Frei und Levin Öztunali – zu sehr wie an der Schnur aufgereiht agiert, anstatt sich am Mann zu orientieren. Wohlgemerkt bei beiden letztgenannten Treffern mit einem Mann weniger auf dem Platz.

Schmidt: Spiel ist auf die mentale Ebene geschwappt

"Wir haben es nicht mehr in den Griff bekommen und hatten viele, wacklige Situationen mit der Krönung zum 4:4", analysierte Sportdirektor Rouven Schröder, der aber auch viele positive Aspekte anmerkte, genau wie Trainer Schmidt. "Es war eine Stunde lang von uns so, wie wir uns das vorstellen", lobte der Schweizer. In der Tat agierten seine Schützlinge 60 Minuten lang phänomenal, dann fatal. "Das Spiel ist dann auf die mentale Ebene geschwappt." Nach dem Motto: Mainz hat nun etwas zu verlieren, Hoffenheim nichts mehr. Und andersherum nach dem 4:4, als plötzlich die Kraichgauer, den nicht mehr für möglich gehaltenen Punkt vor Augen, noch zwei Konter verteidigen mussten, selbst aber auch aufs 5:4 zu drücken suchten.

Vier Gegentore. Da wird sich Schmidt Lösungen einfallen lassen müssen. "Das gibt ein hartes Brett in der Analyse", wusste der 49-Jährige schon am Sonntagabend. Gebohrt haben muss er es bis zum Donnerstag. Wenn die Nullfünfer ihr Debüt in der Gruppenphase der Europa League geben, müssen sie eben auch Herbergers berühmte Aussage berücksichtigen, um den Franzosen den Zahn zu ziehen. Drei Tage später gastiert der 1. FSV dann am 3. Spieltag sonntags in Augsburg. Ohne Gatean Bussmann, der am Montag vom DFB-Sportgericht für eine Partie gesperrt wurde.

Benni Hofmann