Schotte wird schon mit Bale verglichen

Leipzig-Neuzugang Burke: "Er ist ein wenig anders"

Oliver Burke am Samstag im Training der schottischen Nationalmannschaft

Von "Wer ist das?" bis "einer wie Bale" in wenigen Monaten: RB Leipzigs Zwölf-Millionen-Neuzugang Oliver Burke. picture alliance

Wenn die Ablösesumme nach Millionen in etwa so hoch ist wie die Anzahl der bisherigen Startelfeinsätze, ist entweder der Transfermarkt verrückt geworden oder der Spieler eine Ausnahmeerscheinung. Bei Oliver Burke stimmt wohl beides. Wobei, eine Ausnahmeerscheinung ist der gelockte Schotte eigentlich nicht. Überdurchschnittlich ist höchstens seine Körperlänge (1,89 Meter), sonst sieht er aus wie ein normaler 19-Jähriger. Bis ein Ball ins Spiel kommt.

"Als ich ihn das erste Mal auf dem Trainingsplatz sah, habe ich mir die Finger geleckt", sagt Schottlands Co-Trainer Mark McGhee, der von Juli 1985 bis Oktober 1986 mal für den Hamburger SV spielte. "Er hatte etwas Besonderes an sich - seine Bewegungen, seine Größe, seine Ballbehandlung!"

Eine Szene genügt schon, um davon eine Vorstellung zu bekommen. Am 29. Dezember 2015, Burke war nach seiner einjährigen Leihe zu Bradford City auf dem Weg zum Stammspieler bei seinem Jugendklub Nottingham Forest, erhielt er im Spiel gegen Cardiff bei einem Konter auf der rechten Seite den Ball, drang mit ihm am Fuß in den Strafraum ein und schickte ihn dann mit dem rechten Außenrist ins linke obere Eck. Es war sein erstes Tor für den englischen Zweitligisten.

Leipzig? "Ich wusste davon erst ungefähr eine Woche"

30 Minuten von Nottingham entfernt wuchs Burke auf, schloss sich, noch bevor er zehn Jahre alt wurde, dem ehemaligen Europapokalsieger an. "Als ich zehn war, habe ich schon mit den 18-Jährigen rumgehangen und gespielt. Ich glaube, das hat mir definitiv geholfen", sagte er unlängst der schottischen "Sun". Genauso rasant wurde er jedenfalls auch auf sportlicher Ebene erwachsen: Profidebüt mit 17, Nationalelfdebüt mit 18, Zwölf-Millionen-Euro-Wechsel mit 19.

Die Summe war in einem Transfersommer, in dem John Stones (22) für 56 Millionen Euro zu Manchester City wechselt, schon nicht mehr verblüffend, das Ziel aber sehr wohl: RB Leipzig bekam Burkes "Yes", nicht einer der interessierten englischen Topklubs, die panisch reagierten, als sie von seiner Entscheidung erfuhren . Dabei hatte sich auch der solvente Bundesliga-Aufsteiger erst spät gerührt: "Ich wusste davon erst ungefähr eine Woche", verriet Burke am Dienstag. Und so tat er etwas, wofür britische Talente nicht bekannt sind und deswegen oft kritisiert werden: Er wechselte ins Ausland.

Er hat ständig seine Kopfhörer auf und keinen verrückten Haarschnitt. Er zeigt sich lieber auf dem Platz.

Schottlands Nationaltrainer Gordon Strachan

"Er hat bewiesen, dass er ein wenig anders ist", hatte schon Nationaltrainer Gordon Strachan berichtet: "Er ist außerhalb des Platzes ruhig, hat ständig seine Kopfhörer auf, und er hat keinen verrückten Haarschnitt. Er zeigt sich lieber auf dem Platz - das ist das Zeichen eines guten Spielers." Am Sonntag in der WM-Qualifikation auf Malta durfte er bereits sein drittes Länderspiel verzeichnen, sein erstes Pflichtspiel. "Als ich Oliver nominiert habe", so Strachan mit Genugtuung, "hat sich jeder in Schottland am Kopf gekratzt und gefragt: Wer ist das? Wir haben doch bessere Spieler in Schottland!" Das glauben inzwischen immer weniger.

In Leipzig, so hofft Burke, kann er schon früher auf Topniveau spielen, als es bei einem Wechsel zu Arsenal oder Tottenham möglich gewesen wäre. Und fürwahr: Seine Anlagen regen schon jetzt zu großen Vergleichen an. "Er ist ein ähnlicher Spielertyp wie Gareth Bale", schwärmt nicht die schottische "Yellow Press", sondern Thomas Lam, sein bisheriger Mitspieler in Nottingham. "Ich will nicht sagen, dass er definitiv so gut werden wird wie er. Aber man kann schon Ähnlichkeiten feststellen. Er hat auf jeden Fall das Potenzial, so gut zu werden wie er." Für dieses Urteil haben 13 Startelfeinsätze ausgereicht.

Was Burke im Juli sagte, klingt wie ein Motivationsschreiben für RB

Burke, dieser pfeilschnelle Rechtsaußen, der jetzt der teuerste Schotte aller Zeiten ist, begegnet all dem Hype reif, bodenständig, lernwillig. "Ich würde sagen, ich war ein anständiger Junge", sagte er im Juli. "Es ist das alte Klischee, den eigenen Körper wie ein Heiligtum zu behandeln, aber es stimmt. Du musst die richtigen Dinge essen und zur Regeneration die richtigen Dinge tun. Seit ich jung bin, haben mir die Leute gesagt, wozu ich fähig bin. Aber es liegt nur an mir, es auch wahr werden zu lassen." Hätte RB ein Motivationsschreiben gefordert, hätte er es ungefähr so formulieren können.

"Sie haben wirklich großes Interesse gezeigt und mochten mich als Spieler", berichtet Burke vom Leipziger Werben. "Ich habe nach einem Klub und einem Trainer gesucht, der mich genau dafür mag, wie ich bin und was ich auf dem Platz mache. Sie haben mir ein paar Clips gezeigt, wie sie spielen. Und ihr Stil passt perfekt zu meinem." Auch die Gegebenheiten hätten ihn beeindruckt ("fünf Sterne!"), Ralf Rangnick & Co. erst recht: "Sie waren alle sehr nett zu mir, haben mich wie ein echtes Juwel behandelt. Das ist ein Privileg. Ich konnte das nicht ablehnen." Co-Trainer McGhee hat schon einen Deutsch-Crashkurs angeboten.

jpe

Überraschender Spitzenreiter: Das kosten Dauerkarten in der Liga