kicker.tv - Der Talk: Folge 12

Rangnick zur RB-Debatte: "Leipzig ist kein Projekt"

Jan-Henrik Gruszecki, Katja Kraus und Ralf Rangnick (v.l.)

Diskutierten zum Thema RB Leipzig: Jan-Henrik Gruszecki, Katja Kraus und Ralf Rangnick (v.l.). kicker

Mit einer üppigen finanziellen Basis ist RB Leipzig in sieben Jahren aus der Oberliga in die Bundesliga marschiert. Der Erstliga-Neuling polarisiert. Und schon alleine das empfindet Katja Kraus, Ex-Bundesliga-Torfrau und später beim Hamburger SV als erste Frau im Vorstand eines Bundesligaklubs, als positiv: "Ich finde es ganz schön, dass ein neues Thema da ist", erklärte sie in der Diskussion bei "kicker.tv - Der Talk". Generell gelte: "Die Bundesliga tut gut daran, sich mit einem neuen Mitbewerber zu messen."

Rangnick: "Art Monopoly" bei Embolo

Doch ist das ein fairer Wettbewerb, wenn der Emporkömmling mit millionenschwerer Unterstützung von Red Bull nach oben drängt? "Wir hatten Startvoraussetzungen, die andere waren", gestand auch Ralf Rangnick, seit 2012 bei RB und aktuell Sportdirektor, ein. Bedroht von einem spontanen Ende des Engagements durch Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz sei man nicht, Mateschitz sei "nicht einmal im Ansatz" ins operative Geschäft involviert. "Es ist ein Konzern, der dahinter steht, der den Verein sponsert." Eine Benennung missfiel Rangnick: "Leipzig ist kein Projekt", stellte er heraus, "ein Projekt ist etwas zeitlich Begrenztes." Als Eckpfeiler der eigenen Planungen stellte er die Nachhaltigkeit heraus. So mache RB auf dem Transfermarkt auch nicht alles, was finanziell möglich wäre. "Wir sind jetzt auch aus Transferverhandlungen ausgestiegen, weil wir da nicht mitmachen wollten, nicht weil wir nicht konnten", erklärte Rangnick und nannte beispielhaft die Bemühungen um Kevin Volland (ging letztlich zu Bayer Leverkusen) und um Breel Embolo (zu Schalke 04), von dessen Verpflichtung man abgesehen hätte, "als es zu einer Art Monopoly wurde".

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Rangnick: "Leipzig ist kein Projekt"

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Dass wir einen Spieler mit 28 Jahren, oder wie Mario Gomez mit 31 Jahren, holen, der dann noch sechs oder sieben Millionen Ablöse kostet, schließe ich aus, so lange ich Verantwortung habe.

Ralf Rangnick

Auch beim Thema Ablöse baue man auf Nachhaltigkeit. "Wenn wir eine Ablösesumme für einen Spieler ausgeben, machen wir das nur, wenn der Spieler über die Entwicklung bei uns weiter an Marktwert gewinnt." Entsprechend setze man auf junge Spieler. "Dass wir einen Spieler mit 28 Jahren, oder wie Mario Gomez mit 31 Jahren, holen, der dann noch sechs oder sieben Millionen Ablöse kostet, schließe ich aus, so lange ich Verantwortung habe."

"Die Frage ist", stellte Jan-Henrik Gruszecki, Filmemacher und Sprecher von Fan-Initiativen, in den Raum: "Wie lange bleibt das so?" In sportlich schwierigen Situationen drohe die Abkehr von solchen Absichten: "Ich bin mir sehr sicher, das RB mittelfristig einen Spieler verpflichtet, der älter als 25 Jahre ist."

Sie machen sich messbar, indem sie klare Ziele vorgegeben haben.

Katja Kraus über RB Leipzig

Kraus sieht in den Vorgaben bei RB Leipzig klare Vorteile. "Sie machen sich messbar, indem sie klare Ziele vorgegeben haben", erklärte die 45-Jährige: "Wir werden sehen, ob das glaubwürdig bleibt." Erfolgversprechend sei der Weg des Aufsteigers: "Ich glaube durchaus, dass die Strategie, die RB Leipzig hat, eine Gute ist. Wenn sie den Weg konsequent so weitergehen, kann ich aktuell nicht die Grenze sehen." Die Faszination des Fußballs sieht Kraus durch den Aufstieg von Klubs wie RB Leipzig nicht gefährdet. "Die ganze Welt jubelt über die Meisterschaft von Leicester", warf sie einen Blick in die Premier League, "und keiner spricht darüber, dass es ein thailändischer Investor ist, der in diesen Verein investiert."

Auch kicker-Chefreporter Oliver Hartmann erkennt nicht, "dass Tradition und Romantik auf der Strecke bleiben", vielmehr erweitere sich die Brandbreite. Doch er sagte auch klar: "Die Chancengleichheit im Profifußball gibt es schon lange nicht mehr." Mit Red Bull trete diese Ungleichheit nun in eine neue Dimension. Dabei attestierte Hartmann dem Vorgehen der Leipziger allerdings auch "eine gewisse Nachhaltigkeit". Explizit verwies er zudem auf die Kontrollfunktion des Verbandes bei Sponsoren und Investoren: "Wichtig ist, dass die DFL die Zügel in der Hand hält, dass sie kontrolliert, wie die Einflussnahme aussieht."

50+1 auf der Kippe?

Doch bei den Möglichkeiten des Verbandes herrschte in der Runde Skepsis. Kraus hält die "50+1-Regelung", die die Mehrheitsübernahme eines Klubs durch einen Investor verhindert, nicht auf Dauer haltbar. Und auch Rangnick meinte: "Wenn zum ersten Mal ein Investor juristisch Ernst macht, habe ich Zweifel, ob diese Regelung so Bestand hat." Ein Kippen dieser Begrenzung sei aber nicht in seinem Sinne: "Wir können alle miteinander hoffen, dass das noch lange so Bestand hat."

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Rangnicks Reißbrett-Vergleich mit dem BVB

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