Werder Bremen stellt Stürmer vor

Kruse kontert Kritik: "Für mich ist das kein Karriereknick"

Max Kruse am Mittwoch bei seiner Vorstellung in Bremen

"Weglaufen ist nicht das Richtige für mich": Max Kruse am Mittwoch bei seiner Vorstellung in Bremen. imago

Am Dienstag verkündete Werder Bremen die Verpflichtung von Max Kruse und, siehe da, auch einen Tag später hat es noch niemand bereut. "Wir nicht und Max, glaube ich, auch nicht", lächelte Manager Frank Baumann bei der offiziellen Vorstellung des neuen Stürmers am Mittwoch. "Wir freuen uns, dass er als Fußballer hier ist und dass er als Mensch hier ist."

Für rund sieben Millionen Euro kehrt Kruse dorthin zurück, wo er schon zwischen 2006 und 2009 Fußball spielte und 2007 - als Einwechselspieler beim 8:1 gegen Arminia Bielefeld - seine Bundesliga-Premiere feierte, erste Torvorlage inklusive. Nun, sieben Jahre nach seinem nicht ganz freiwilligen Abschied ("Wäre gerne geblieben"), wolle er dazu beitragen, den Verein "vielleicht dahin zu bringen, wo er mal war".

Kruse zu Werder? Baumann hatte erst "nicht damit gerechnet"

Formuliert Werder jetzt sogar seine Saisonziele neu? "Es ist ein wichtiger Transfer, um die Aufbruchsstimmung im Umfeld und in der Mannschaft zu erzeugen, um daran zu glauben, dass wir mehr erreichen können", sagt Baumann zwar. Aber: "Die Ziele haben sich allein durch Max nicht verändert. Es geht darum, zuversichtlich in die Saison zu gehen."

Kruses Verpflichtung hatte Baumann zunächst ohnehin nicht für möglich gehalten. Als sich der Abschied von Anthony Ujah (für elf Millionen Euro nach China) abzeichnete, habe er bei der ersten Kontaktaufnahme mit Kruses Berater "nicht damit gerechnet, dass es vorstellbar wäre, trotzdem wollte ich mir nicht vorwerfen lassen, dass ich es nicht versucht habe". Ein paar Wochen Überzeugungsarbeit später saß Kruse plötzlich neben ihm im Bremer Presseraum.

Er ist ein Typ, der auch sonst Spaß am Leben hat. Das ist nichts Schlimmes.

Frank Baumann über Max Kruse

Warum? "Es gibt natürlich verschiedene Faktoren", sagt der Rückkehrer. "Am wichtigsten ist, dass ich nach dem letzten Jahr, das vielleicht nicht optimal gelaufen ist, den Spaß am Fußball wieder finde." Die Taxi-, Video- und Handy-Eskapaden, der Vorwurf mangelnder Trainingsleistungen in Wolfsburg und schließlich die Verbannung aus der Nationalelf - Kruse will darüber nicht mehr sprechen. "Die Vergangenheit lasse ich einfach hinter mir."

Wie viele Ecken und Kanten darf er in Bremen zeigen? "Er kann alles zeigen", zuckt Baumann mit den Schultern. "Er ist ein Typ, der auch sonst Spaß am Leben hat. Das ist nichts Schlimmes. Ich habe keine Bedenken, dass in irgendeiner Form etwas passieren wird, was uns als Arbeitgeber auch nur annähernd belastet. Wir kennen ihn ja sehr, sehr gut."

Kruse: "Ich habe auch nicht totalen Bullshit gespielt"

Auch Kruse, gewohnt locker und selbstbewusst im Auftreten, bittet um eine seriöse Einschätzung seiner Person. Dass er nach Gladbach (2015/16: 4.) und Wolfsburg (8.) jetzt wieder in Bremen (13.) gelandet ist? "Das kann jeder beurteilen wie er möchte. Für mich ist das kein Karriereknick." Dass er sich in Wolfsburg am Ende regelrecht hängen ließ ? "Ich habe immer alles für den Verein getan und mir nichts zuschulden kommen lassen."

Dass seine Leistungen beim VfL nachließen? "Ich war trotz der schwierigen Phase noch Topscorer in Wolfsburg (13 Scorerpunkte, André Schürrle hatte 14, d.Red.). Klar war es nicht meine beste Saison, aber ich habe auch nicht totalen Bullshit gespielt, würde ich sagen." Und schließlich: dass er nach den Unruhen um ihn nicht ins Ausland gegangen ist? "Natürlich hat man am Anfang mit dem Gedanken gespielt. Aber warum soll ich mich verstecken, warum soll ich weglaufen? Weglaufen ist nicht das Richtige für mich."

Werder fühlt sich auch durch die Rückmeldung aus Wolfsburg darin bestätigt, keine Bedenken zu haben. "Die war sehr positiv", verriet Baumann. "Max hat sich in der Vorbereitung sehr eingebracht. Er ist ein Vollprofi, der den Fußball liebt."

Wo ist für Kruse taktisch Platz? Werder sieht "ganz, ganz viele Möglichkeiten"

Wo er diese Liebe ausleben darf, bleibt abzuwarten. In Viktor Skripniks 4-1-4-1-System stünde er im Sturm mit Claudio Pizarro in Konkurrenz, doch der Trainer übt laut Baumann auch Systeme mit zwei Spitzen ein. "Wir haben ganz, ganz viele Möglichkeiten." Kruse selbst hält sich für "flexibel einsetzbar", mehr wollte er zu den taktischen Gedankenspielen nicht verraten. Nicht einmal, ob ihn Skripnik eher im Angriff oder Mittelfeld sieht? "Nee."

Ähnlich geheimnisumwittert bleibt Kruses Vertragslaufzeit. Nach kicker-Informationen beträgt sie drei oder vier Jahre. "Für mich ist es Vertragsbestandteil, und über die wollen wir nicht sprechen, ganz einfach", blockt Baumann ab. Seine einzige Enthüllung: "Max hat nicht für ein Jahr unterschrieben." Kruse - lebenslang Grün-Weiß also? "Es spricht einiges dafür", lacht er. "Die Zeit damals war schon sehr schön." Doch sie begann erst 2006. Als Kind schlief Kruse noch in HSV-Bettwäsche.

jpe

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