Bundesliga

Modeste nach Vertragspoker: "Das war Politik"

Köln: Der Torjäger spricht offen über das Business Fußball

Modeste nach Vertragspoker: "Das war Politik"

"Ich habe immer gesagt, ich bleibe in Köln. Und wo spiele ich jetzt?" FC-Mittelstürmer Anthony Modeste.

"Ich habe immer gesagt, ich bleibe in Köln. Und wo spiele ich jetzt?" FC-Mittelstürmer Anthony Modeste. picture alliance

Aus Kölns Trainingslager in Bad Tatzmannsdorf berichtet Stephan von Nocks

Wie war das nun Mitte Juni? Als die Kölner Fangemeinde durch die Meldung aufgeschreckt wurde, dass die Berateragentur von FC-Torjäger Anthony Modeste versucht habe, die Ausstiegsklausel des Mittelstürmers zu ziehen. Für etwa acht Millionen Euro hätte der Franzose Köln verlassen dürfen. Ein Formfehler verhinderte dies.

Im Kölner Trainingslager sprach nun Modeste erstmals öffentlich über die Situation und gewährte bemerkenswerte Einblicke ins Business Profifußball. Warum er aus Köln weg wollte und seine Berater versuchten, die Ausstiegsklausel zu ziehen, wurde der 28-Jährige gefragt. Dessen selbstbewusste Antwort: "Das hat mein Berater gemacht. Und was habe ich gesagt? Ich bin der Spieler, ich mache, was ich will. Ich habe immer gesagt, ich bleibe in Köln. Und wo spiele ich jetzt?"

Dann folgte eine Aussage, die die Abläufe im Geschäft sehr transparent wiedergibt. Warum trotzdem die Klausel gezogen wurde, obwohl Modeste nach eigenen Worten gar nicht Köln verlassen wollte? Die ehrliche Antwort des Torjägers: "Das ist Politik. Ich habe immer gesagt, ich bleibe in Köln. Und ich bin da und bin zufrieden." Es war also kein Thema Köln zu verlassen? "Nein."

Modestes Berater nutzte die verbesserte Ausgangsposition im Vertragspoker

Der Hintergrund: Schon nach dem letzten Spieltag hatte der FC versucht, den damals bis 2019 laufenden Vertrag von Modeste zu verlängern und ihm dabei die Ausstiegsklausel abzukaufen. Damals wurden sich die Parteien nicht einig. Nach dem später auftauchenden millionenschweren Angebot aus China nutzte Modestes Berater die verbesserte Ausgangsposition im Vertragspoker. Diesmal kam es zur Einigung. Mit einer entsprechenden Gehaltserhöhung für Modeste.

Modeste bleibt auch seinem Sohn zuliebe

Ein Wechsel nach China stand für diesen aber nie zur Disposition: "Es war ein richtig gutes Angebot aus China. Mega! Aber Geld ist jetzt vielleicht nicht wichtig. Meine Familie ist wichtig. Ich brauche sie, auch zum Fußballspielen. Nach dem letzten Spiel habe ich gesagt, ich möchte bleiben, weil wir alle zufrieden sind", erklärte Modeste und fügte ein entscheidendes Argument dafür an, in Köln zu bleiben. "Mein Sohn (der einjährige Brooklyn, Anm. d. Red.) hat eine Allergie. Er kann nur Kartoffeln, Karotten essen. Keine Milchprodukte. In Deutschland finden wir alles. In Frankreich ist das schwierig, in China kannst du das vergessen. Hier ist meine Familie richtig zufrieden und ich auch. Das ist das Wichtigste. Für mich war klar: Ich bleibe hier." Dass ein anderer Eindruck entstand, ist Modeste bewusst. "Ich verstehe das, aber ich habe immer gesagt, ich bleibe in Köln. Mein Berater hat im kicker auch gesagt, dass Tony in Köln bleiben will."

Insgesamt ein bemerkenswert offenes Statement. Manche mögen Modestes Verhalten kritisieren, andere seine Aussagen schlicht als außergewöhnlich ehrlich beurteilen. Modeste stellt ganz entspannt fest: "Schmadtke (Kölns Manager, Anm. d. Red.) hat mich gefragt, bist du zufrieden? Wir wollen verlängern. Und ich habe verlängert. Fußball ist einfach." Nur manchmal eben doch nicht.

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