Frankreich: Lloris zollt dem DFB-Team Respekt

Deschamps: "Was bisher war, ist egal"

Didier Deschamps

Macht sich über die Aufstellung nun keine Gedanken mehr: Didier Deschamps. Getty Images

Aus Marseille berichtet Hardy Hasselbruch

"Das wichtigste ist jetzt, im Halbfinale zu sein", stellte Deschamps klar. Einen Schritt nach dem nächsten. "Natürlich werden die Emotionen jetzt intensiver. Aber wir hatten von Anfang an den Wunsch, hierherzukommen. Und wir hatten das Vertrauen in unsere Mannschaft. Die Spieler haben alles dafür getan, hierherzukommen."

Deschamps spricht von einem ausgeglichen Kräfteverhältnis der Halbfinal-Gegner. Auch wenn der Welt- und Europameister von 1998 und 2000 weiß, dass Deutschland seine Gegner "immer dominiert, weil sie typischerweise mehr Ballbesitz haben. Aber wir werden nicht einfach nur defensiv auflaufen", verspricht Deschamps. Das wäre bei den Offensiv-Qualitäten der Franzosen auch Perlen vor die Säue geworfen. Schließlich verfügt der Gastgeber über sechs überragende Stürmer mit den bisher so eindrucksvollen Antoine Griezmann (4 Tore), Olivier Giroud (3 Tore) und den verkappten Spielmacher Dimitri Payet (3 Tore). Und dahinter lauert mit dem Bayern-Youngster Kingsley Coman, André-Pierre Gignac und Anthony Martial eine zweite Reihe, die jede Defensive wund spielen kann.

Wir können die Geschichte nicht verändern, aber wir können ein neues Kapitel Geschichte schreiben.

Didier Deschamps

"Wir haben unsere Möglichkeiten", weiß auch Deschamps um die Qualität seines Kaders. "Wir können die Geschichte nicht verändern, aber wir können ein neues Kapitel Geschichte schreiben. Was bisher war, ist egal. Wichtig ist, was Donnerstag geschieht", sagte Deschamps vor dem Duell mit der DFB-Elf. Natürlich gibt's den gebührenden Respekt vor dem Weltmeister. "Yogi Löw ist ein kompetenter Trainer, der schon lange im Amt ist, er kennt seine Spieler und er hat seine Erfahrung mit Halbfinalspielen und Finals bei großen Turnieren. Ich kenne ihn recht gut. Er ist ein sehr höflicher Mensch und hat immer Zeit für einen. Ich mag ihn sehr."

"Ich weiß nicht, ob Deutschland wirklich besser ist"

Dass die Equipe Tricolore den Weltmeister in jenem ominösen, denkwürdigen Spiel am 13. November des Vorjahres mit 2:0 geschlagen hat, ist auch für Kapitän Hugo Lloris nachrangig. "Das war ein Freundschafts- und kein K.-o.-Spiel", verweist der eloquente, aber auch sehr diplomatische Kapitän auf einen wesentlichen Unterschied. "Da haben wir den Deutschen einige Probleme bereitet, jetzt aber sind sie wieder stark", zollt auch Lloris dem Weltmeister viel Respekt.

Lloris baut auf die Fans

Aber der Keeper der Tottenham Hotspurs spürt auch die gewachsene eigene Stärke seiner Mannschaft. "Ich weiß nicht, ob Deutschland wirklich besser ist. Natürlich hat der Weltmeister einen gewissen Status, aber es ist unklar, wer der Favorit ist. Wir wollen eine große Leistung bringen", erklärt der reaktionsschnelle Keeper. Und baut auch auf die heißblütigen Fans in Marseille. "Wir spielen in Frankreich und fühlen den Enthusiasmus der Fans. Es gibt eine tolle Atmosphäre und ich hoffe, dass uns das sehr pushen wird", hofft Lloris, "die Fans werden uns helfen, die letzten Prozente herauszuholen."

nik

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