Bundestrainer lässt System gegen Italien offen

Dreierkette? Viererkette? Löw: "Nicht entscheidend"

Joachim Löw und Thomas Schneider

Dreier- oder Viererkette? Bundestrainer Joachim Löw und Assistent Thomas Schneider ließ sich in Sachen System nicht in die Karten gucken. picture alliance

Aus Bordeaux berichtet David Bernreuther

Eine Viererkette wie in den bisherigen vier EM-Spielen, in denen die deutsche Mannschaft ohne Gegentor blieb? Oder doch eine Dreierkette wie etwa beim 4:1-Sieg im Testspiel gegen Italien im März? Löw ließ diese taktische Frage einen Tag vor dem Viertelfinale offen. "Das spielt nicht die entscheidende Rolle", sagte der 56-Jährige am Freitagabend nach der Ankunft des DFB-Trosses in Bordeaux. "Wichtig ist, dass das Gleichgewicht zwischen Offensive und Defensive stimmt."

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In Sachen Personal hatte Löw zuvor einen Einblick gewährt und im Interview mit dem ZDF die Frage, ob gegen Italien dieselbe Startelf auflaufe wie im Achtelfinale gegen die Slowakei (3:0) mit "Nein" beantwortet. In Sachen System ließ sich er sich hingegen nicht in die Karten schauen. Eine Umstellung auf Dreierkette wäre denkbar, da Löw diese Variante in den vergangenen eineinhalb Jahren gerade in Tests gegen stärkere Gegner ausprobiert hatte.

Wichtig ist, dass das Gleichgewicht zwischen Offensive und Defensive stimmt.

Joachim Löw

"Wir werden das im März nicht aus Spaß getestet haben", meinte Mittelfeldspieler Toni Kroos mit Blick auf den Sieg gegen Italien in München. Abwehrchef Jerome Boateng hingegen sagte: "Bis jetzt hat die Viererkette ganz gut geklappt." Beide Argumente sind nicht von der Hand zu weisen.

Unabhängig von der Formation begegnet Löw dem Viertelfinalgegner mit Respekt. "Italien hat nicht nur defensive Qualitäten, sondern auch in der Offensive extrem gute Fähigkeiten, Abläufe und Lösungen." Man dürfe gegen diese Mannschaft "nicht allzu viele Fehler machen und auch nicht allzu viele Chancen auslassen", mahnte der Bundestrainer.

Löw: "Was vor drei Monaten war, spielt keine Rolle mehr"

Vom 4:1-Sieg im März gegen eine ersatzgeschwächte italienische Elf will er sich nicht blenden lassen. "Dass die Italiener stark sind, war immer klar", sagte er. "Sie lassen sich von so einer Niederlage im Testspiel nicht beeindrucken. Was vor drei Monaten war, spielt jetzt keine große Rolle mehr. Entscheidend ist, was beim Turnier ist." Und da sieht Löw seine Auswahl gerüstet: "Die Mannschaft weiß, was auf sie zukommt. Umso stärker der Gegner ist, desto mehr muss man darauf hinweisen, was ihn auszeichnet. Aber wir haben auch unsere eigenen Ideen, was Defensive und Offensive betrifft." Die Spekulationen, ob der am Oberschenkel verletzte Daniele de Rossi nun ausfalle oder nicht, sind für Löw mit Vorsicht zu genießen. "Die Italiener machen immer ein bisschen Geheimniskrämerei. Man muss davon ausgehen, dass sie den Gegner überraschen wollen", meinte er.

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Vor vier Jahren hatte Löw seine Mannschaft im EM-Halbfinale gegen Italien stark auf den Gegner ausgerichtet, die 1:2-Niederlage in Warschau war seine schwärzeste Stunde als Bundestrainer. Im Nachhinein habe ihm diese Erfahrung "sehr geholfen" für die WM 2014, meint Löw. Wie sie sich auf das EM-Viertelfinale 2016 auswirkt, ist nun die spannende Frage.

In den bislang acht Duellen der beiden viermaligen Weltmeister bei großen Turnieren gelang Deutschland noch kein Sieg (vier Niederlagen, vier Remis). In Bordeaux soll diese Serie enden. Wer dieses Viertelfinale gewinne "zählt natürlich zu den Favoriten" auf den EM-Sieg, sagte Löw, betonte aber auch: "Der Titel ist noch in weiter Ferne".

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