Im Schatten der Stars: Portugals Flügelstürmer blüht auf

Quaresma - Die einstige Goldene Mülltonne

Ricardo Quaresma

Exzentrischer Rüpel oder Fußball-Feingeist? An Ricardo Quaresma scheiden sich die Geister. picture alliance

In seiner Vita stehen eine Kindheit in einer Roma-Familie im Lissabonner Hafenviertel Alcantara und ein Überfall von drei maskierten Gestalten, dem er in dem verrufenen Stadtteil Chelas zum Opfer gefallen ist. Ricardo Quaresma hat schon einiges erlebt. Und sich einiges geleistet. So manche Geschichte hat ihm den zweifelhaften Ruf als rüpelhaften Kerl eingebracht. Etwa die mit dem Zerwürfnis mit Barcelonas damaligem Trainer Frank Rijkaard oder die mit der geworfenen Wasserflasche. Doch all das ist nur die eine Seite seiner Biographie.

Dass es noch eine andere gibt, liegt an Quaresmas Mutter. Sohn Ricardo will Hockeyspieler werden, so wie die anderen Jungen aus den Nachbarhäusern und der Schule. Doch sie legt ihr Veto ein und schickt ihn auf den Fußballplatz. Mit elf geht er in die Jugendakademie von Sporting Lissabon. Später verpasst ihm sein erster Profitrainer bei Sporting, Laszlo Bölöni, den Spitznamen Mustang - weil er wie ein Wildpferd ungestüm über das Grün galoppiert.

Für wen hältst du dich? Wäre ich nicht hier, wärst du auch nicht hier. Du bist ein Nichts!

Ricardo Quaresma zu seinem früheren Besiktas-Coach Carlos Carvalhal

Quaresma wechselt nach Barcelona, scheitert und begehrt auf - der Ausgangspunkt einer Odyssee durch den Weltfußball. Da er in Katalonien auf der Bank schmort, droht er mit einem Streik, sollte Trainer Frank Rijkaard bleiben und er Barça nicht verlassen dürfen. Später findet er auch bei Inter, Chelsea, Besiktas und Dubai sein Glück nicht.

Der Blick in die Läufe dreier Pistolen

Ricardo Quaresma

Der Außenrist: Ricardo Quaresma und sein Markenzeichen. imago

Eine schwarze Episode stammt gar aus Portugal, wo er zu Beginn seiner Laufbahn bei Sporting, später bei Porto aufblüht. Doch dieses Mal war Quaresma das Opfer. Er will einen Freund in Lissabon besuchen, als er auf einmal in seiner Luxuskarosse vor den Läufen dreier Pistolen erstarrt. Die Bösewichte rauben den betuchten Profi aus. Und auch wenn ihn dieses Mal keinerlei Schuld trifft, ist er längst in Verruf geraten. Das liegt an diversen Verfehlungen.

In Istanbul wirft er laut türkischen Medien nach einer Auswechslung in der Kabine eine Wasserflasche nach seinem Trainer Carlos Carvalhal - mit den Worten: "Für wen hältst du dich? Wäre ich nicht hier, wärst du auch nicht hier. Du kannst mich gar nicht aus dem Spiel nehmen, du bist ein Nichts!" In Mailand verleihen ihm die Hörer einer Radiosendung den spöttischen Titel "Bidone d'Oro" - Goldene Mülltonne, eine Auszeichnung für den schlechtesten Spieler der Serie A.

Er bleibt der "verdammte Zigeuner" - trotz der Trivela

Dabei hat der Flügelstürmer durchaus seine Vorzüge. Er ist pfeilschnell, trickreich und technisch beschlagen. Sein Markenzeichen: Flanken mit dem Außenrist, die er selbst "Trivela" nennt. Auch bei der EM deutet er sein Können immer wieder an, gegen Kroatien trifft er in der 117. Minute zum 1:0 und bringt Portugal ins Viertelfinale.

In seiner Heimat hat er trotzdem den Stempel des "puto lelito", des "verdammten Zigeuners", der zu selten den Ball ins Tor, sondern seine Begabung mit Füßen getreten hat.

lei

kicker.tv Hintergrund

CR7 gegen RL9: Duell der Superstürmer

alle Videos in der Übersicht