Ungarns Keeper hält sich Zukunft offen

Kiraly: "Es war sensationell. Eine Riesenerfahrung"

Gabor Kiraly

"Ich habe jede Minute genossen": Gabor Kiraly und seine Landsmänner hatten ihren Spaß bei der EM. Getty Images

Aus Toulouse berichtet Hardy Hasselbruch

Wer hätte schon geglaubt, dass die Mannschaft um den deutschen Trainer Bernd Storck und seine Assistenten Andreas Möller und Holger Gehrke die Vorrundengruppe F gewinnen würde? Wer hätte schon daran gedacht, nach 44-jähriger EM-Abstinenz ein Achtelfinale gegen den Geheimfavoriten Belgien bestreiten zu dürfen?

Ungarn betrat in Frankreich Neuland und spielte sich in die Herzen der Anhänger. Der Abschied nach dem 0:4 in Toulouse wurde zelebriert: Während die Spieler sich im Strafraum mit der Hand auf dem Herz aufgelegt vor die Fans stellten, sangen die Fans inbrünstig die Nationalhymne. Ein bewegender Moment.

Im hohen Alter von 40 Jahren war Gabor Kiraly (der älteste Spieler des Turniers) einer der Helden der Magyaren. Mit zahlreichen Glanzparaden hatte der ehemalige Keeper von Hertha BSC und 1860 München trotz des frühen Rückstandes durch Alderweireld (10. Minute) lange im Spiel gehalten. Trotz einer schmerhaften Handverletzung wurde er zum Turm einer ungleichen Schlacht, konnte am Ende aber die Niederlage nicht verhindern, weil die Ungarn die Offensive suchten und Belgien die Magyaren schließlich auskonterten. Mit Weltstars wie Kapitän Eden Hazard (FC Chelsea) oder Kevin de Bruyne (Manchester City) und nachrückenden Talenten wie Michel Batshuayi (Olympique Marseille) und Yannick Ferreira-Carrasco (Atletico Madrid).

"Wir waren am Ende ziemlich müde, auch im Kopf", konstatierte der Zerberus mit der kultigen grauen Schlabberhose, "wir haben hier im Turnier eine ganz neue Erfahrung gemacht. Wir mussten drei gute Spiele in der Gruppenphase absolvieren und wir haben uns als Sieger durchgesetzt. Wir mussten immer weiter. Das war richtig toll! Unsere Mannschaft hat am Ende einfach die hohe Belastung gespürt."

Dennoch schied Kiraly mit Zufriedenheit und Stolz aus. "Das war ein tolles Erlebnis für uns. Ich habe jede Minute genossen. Es war sensationell, hier dabei gewesen zu sein. Es war eine Riesenerfahrung für das ungarische Volk, für den ungarischen Fußball", meinte der Routinier stellvertretend für seine jungen Kollegen. "Wir haben ehrlich gespielt, haben alles versucht und uns nicht versteckt. Der Gegner hat's am Ende bestraft - aber das ist Fußball!"

Kiraly hält sich Zukunft offen

Toulouse als das Ende für den Nationaltorhüter der Ungarn? "Ich gehe jetzt bald bei Szombathely Haladas in meine 24. Saison als Profi", meinte Kiraly eher ausweichend, "mal schauen, ich versuche immer, mich fitzuhalten, ich schaue immer nach vorne!" Mit der der WM-Quali für Russland 2018 im Visier? "Mal schauen…" Eine Entscheidung, die Gabor Kiraly ganz allein für sich trifft.