Brexit beschäftigt auch den italienischen Abwehrchef

Deutsche Teilschuld: Chiellini bangt vor Angstgegner

Für die Italiener wohl die größte Waffe, um Spanien den Zahn zu ziehen: Die Dreierkette um Giorgio Chiellini, Leonardo Bonucci und Andrea Barzagli (v.li.).

Für die Italiener wohl die größte Waffe, um Spanien den Zahn zu ziehen: Die Dreierkette um Giorgio Chiellini, Leonardo Bonucci und Andrea Barzagli (v.li.). Getty Images

Mit 0:4 wurden die Italiener im EM-Finale 2012 von den Spaniern gedemütigt. Das Zittern vor "La Roja" hält aber schon länger an: "Spanien ist seit 2008 unser Angstgegner", gab Chiellini am Freitag ganz offen zu. In Österreich räumten die Iberer auf dem Weg zum Titel Italien im Viertelfinale aus dem Weg - 4:2 im Elfmeterschießen. "Der Sieg über uns in Wien 2008 war der Beginn ihrer goldenen Generation", leisteten Chiellini & Co. erfolgreich Entwicklungshilfe. 2013 ging's beim Confederations Cup erneut in die Elferlotterie, wieder mit dem besseren Ende für die Spanier.

"Wir konnten uns nicht mehr vom Deutschland-Spiel erholen"

Fast immer schnupperten die Italiener an einem Sieg, nur 2012 waren nach dem Halbfinale die Körner aufgebraucht. "Lediglich in Kiew waren wir nicht mehr in der Lage, ihnen einen Kampf anzubieten. Wir konnten uns nicht mehr vom Deutschland-Spiel erholen", blickte Chiellini zurück. Weil aber die sonstigen Aufeinandertreffen stets eng verliefen, rechnet der italienische Abwehrchef auch im Achtelfinale damit. "So wird das Match auch am Montag laufen. Es dürfte relativ eng zugehen, wobei Details den Unterschied machen werden", gab der 31-Jährige eine erste Prognose ab.

Wir machen nicht nur unseren Job gut, sondern geben den Spielern um uns herum auch ein Gefühl der Sicherheit.

Giorgio Chiellini über die italienische Dreierkette

Mit dem Zeitpunkt des Direktvergleichs allerdings ist Chiellini so gar nicht zufrieden. "Es ist eine Schande, dass wir bereits im Achtelfinale aufeinandertreffen", so der beinharte Verteidiger. So schwer die Aufgabe werden dürfte, Chiellini und seine "Bodyguards" sind bereit: "Wir spielen schon so viele Jahre zusammen, wir machen nicht nur unseren Job gut, sondern geben den Spielern um uns herum auch ein Gefühl der Sicherheit."

Unterstützung braucht es für ein Weiterkommen auch aus der Angriffszentrale. "Wir treffen jetzt auf ein Team mit großer Qualität, das auf dem Papier nahezu unschlagbar ist. Wenn wir allerdings unsere Stärken abrufen, kann es durchaus klappen."

"Ein Referendum in Italien?"

Auch abseits des Platzes macht sich Chiellini so seine Gedanken, gerade das brisante Thema Brexit rief ihn am Freitag auf den Plan. Der 1,87 Meter große Innenverteidiger fasste seine Gefühlslage auf Nachfrage so zusammen: "Gestern sind wir alle ins Bett gegangen und haben gedacht, die Briten würden in der EU bleiben. Leider ist es anders gelaufen, und ich denke die größte Sorge dürfte es sein, was für ein Domino-Effekt aus dieser Wahl resultiert." Chiellini, der ein Wirtschaftsstudium an der Universität Turin abgeschlossen hat, macht sich um seine Heimat derweil keine Sorgen.

"Ein Referendum in Italien? Ich bin nicht davon überzeugt, dass Italien es unterstützen würde, aus der EU auszutreten. Wenn es Unzufriedenheit gibt, entscheidest du dich für eine Veränderung, selbst wenn es noch gar keine konkreten Pläne gibt. Das ist, denke ich, das, was in Großbritannien passiert ist." Anschließend verließ Chiellini das Podium, Antworten gibt er ohnehin viel lieber auf dem Rasen - möglichst bereits am Montag wieder.

msc

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