EM

Statistikern und Ronaldo getrotzt: Island lacht

Keeper Halldorsson stark - Sigurdsson grinst

Statistikern und Ronaldo getrotzt: Island lacht

Schon jetzt Helden in der Heimat: Die Isländer luchsten Portugal tatsächlich einen Punkt ab.

Schon jetzt Helden in der Heimat: Die Isländer luchsten Portugal tatsächlich einen Punkt ab. Getty Images

Die Premiere der Isländer begann mit einem Paukenschlag: Ex-Hoffenheimer Gylfi Sigurdsson kam aus kurzer Distanz völlig frei zum Schuss - doch Rui Patricio entschärfte in höchster Not (3.). Anschließend drängte Portugal den Underdog tief in die eigene Hälfte zurück und zog sein Kombinationsspiel auf. Keeper Hannes Halldorsson hatte ordentlich zu tun, in der ersten Halbzeit auch die meisten Ballkontakte der Isländer (30). In der 31. Minute war's dann passiert, Nani schob aus kurzer Distanz ein und steuerte das 600. Tor bei einer EM-Endrunde bei.

Freuen konnte sich darüber freilich nur der Favorit, der auch nach dem Seitenwechsel bereits wie der sichere Sieger aussah. Island, das bis zur 30. Minute 65 Prozent der Zweikämpfe gewann, aber gab nicht auf - und kam aus dem Nichts zum Ausgleich. Johann Gudmundsson hob die Kugel vom rechten Flügel in die Mitte, wo Birkir Bjarnason vom FC Basel völlig vergessen wurde und volley vollstreckte (50.). Es war der erste Schuss nach dem Hochkaräter von Sigurdsson kurz nach Beginn und Bjarnasons erste Ballberührung im Strafraum überhaupt. Am Ende standen für Island nur 27,9 Prozent Ballbesitz zu Buche - aber eben auch ein 1:1 gegen einen der Geheimfavoriten des Turniers.

Spielersteckbrief Cristiano Ronaldo

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Halldorsson macht's wie Hart

Islands Keeper Hannes Halldorsson ließ sich nach dem Schlusspfiff zurecht feiern.

Islands Keeper Hannes Halldorsson ließ sich nach dem Schlusspfiff zurecht feiern. Getty Images

"Portugal hat die besseren Einzelspieler in der Mannschaft und hatte viel mehr Ballbesitz. Aber wir haben als Einheit verteidigt. Der eine Punkt gibt uns etwas Ruhe", so Coach Heimir Hallgrimsson. Gefallen hatte auch ihm die große Unterstützung in Saint Étienne: "Jeder im Stadion, egal ob Portugiese, Isländer oder Franzose, war heute von der großen Zahl isländischer Fans überrascht. Ich glaube, dass es noch nie einen besseren Auftritt von isländischen Fans gab."

Wir haben gegen den besten Spieler der Welt gespielt, die letzten 35 Minuten waren echt lang.

Islands starker Keeper Hannes Halldorsson

Das dürfte auch für die Leistung von Schlussmann Halldorsson gelten. Der 32-Jährige zeigte acht Paraden, so viele hatte vor ihm zuletzt Joe Hart gegen Italien 2012 verbuchen können. Hinterher gestand er ehrlich ein: "Wir haben gegen den besten Spieler der Welt gespielt, die letzten 35 Minuten waren echt lang. Wir haben großen Charakter gezeigt - und es geschafft. Jetzt ist alles möglich." So weit wollte Trainer Hallgrimsson nicht gehen, sondern unterstrich erstmal die Wichtigkeit des nächsten Vergleichs: "Die Begegnung gegen Ungarn wird für beide Teams zum Schlüsselspiel", prophezeite der 49-Jährige für den Direktvergleich am Samstag (18 Uhr, LIVE! bei kicker.de).

Für den Lacher des Abends sorgte noch Dagur Sigurdsson. Der deutsche Handball-Nationaltrainer ist großer Fußballfan - und wollte natürlich bei der EM-Premiere seiner Isländer nicht fehlen. Nach Schlusspfiff postete der 43-Jährige ein kurzes Video bei Twitter, in dem er grinsend sich und einen bedienten Cristiano Ronaldo beim Gang in die Kabinen filmte. Eines weiteren Kommentars enthielt er sich: Das letzte Wort gehörte ohnehin der Mannschaft, die sich frenetisch von den vielen mitgereisten Fans feiern ließ.

msc