EM

Conte: "Blut, Schweiß und Tränen"

Italiens Nationaltrainer lobt den "großen Geist"

Conte: "Blut, Schweiß und Tränen"

Jubeltraube: Die Squadra Azzurra feiert Italiens Sieg gegen Belgien.

Jubeltraube: Die Squadra Azzurra feiert Italiens Sieg gegen Belgien. picture alliance

Aus Lyon berichtet Thomas Hennecke

Der fast 32-jährige Daniele de Rossi (AS Rom) hat in seiner Karriere viele Trainer kommen und gehen sehen, aber einen wie Conte in den beiden vergangenen Jahren hatte er noch nie. Der von Altmeister Giovanni Trapattoni einst als "intelligente Naturgewalt" beschriebene Conte sei ein "sehr detailversessener Trainer", der "mehr Stunden mit Video-Analyse verbringt als jeder andere". Dabei fand Italiens Trainer heraus, wie man die hoch vorgewetteten Belgier schlagen kann: "mit guter Organisation, Athletik und Kondition" (de Rossi).

Spielersteckbrief de Rossi

de Rossi Daniele

Spielersteckbrief Pelle

Pelle Graziano

Spielersteckbrief Giaccherini

Giaccherini Emanuele

Trainersteckbrief Conte

Conte Antonio

Europameisterschaft - Vorrunde, 1. Spieltag

Eine "fantastische Defensive", der Führungstorschütze Emanuele Giaccherini (FC Bologna) gleich den Stempel der "besten Verteidigung im Wettbewerb" aufdrückte, demoralisierte und entzauberte ein belgisches Team, das mehr Torschüsse (18:11) abgab, mehr Ballbesitz (55:45 Prozent) besaß und die bessere Passquote (76:73 Prozent) vorwies. Italien kompensierte diese Werte mit extremem Aufwand und einer cleveren, nie destruktiven taktischen Ausrichtung, die nach Balleroberung blitzschnelles Umschaltspiel vorsah. Am Ende standen für Italiens bienenfleißige Mannschaft zwölf Kilometer mehr auf dem Tacho als beim Gegner.

Pelle widerlegt das Vorurteil

Der omnipräsente Leonardo Bonucci (Juventus Turin) im Abwehrzentrum oder Antonio Candreva (Lazio Rom) in seiner dualen Rolle als unermüdlicher Antreiber und Abwehr-Verstärker auf der rechten Seite lieferten italienische Wertarbeit ab. Und zumindest für diesen einen Abend widerlegte auch Graziano Pelle (FC Southampton) das Vorurteil, dem Europameister von 1968 fehle ein Stürmer von internationalem Format. Pelle, der in der ersten Hälfte noch einmal vergeben hatte, setzte in der Nachspielzeit den Schlusspunkt.

Conte würdigt den "großen Geist"

Schon in der Entstehung dieser vom ehemaligen Dortmunder Ciro Immobile wunderbar eingeleiteten Szene hielt Ersatzspieler und Funktionsträger nichts mehr auf der Bank der Italiener. Sekunden später verschwand Pelle in einem Knäuel glücklicher Kollegen, die offenbar neben allem fußballerischen Format auch ein bemerkenswerter Zusammenhalt eint. Ausdrücklich hat Conte jedenfalls den "großen Geist" in seinem Kader gewürdigt.

Dieser Teamspirit soll nun helfen, die "offene Wunde" (Conte) von 2014 zu schließen. Auch bei der Weltmeisterschaft von Brasilien hatte Italien einen Auftakt nach Maß erwischt (2:1 gegen England) - und musste nach Niederlagen gegen Costa Rica und Uruguay (jeweils 0:1) doch nach der Vorrunde die Koffer packen. "Das sollte uns eine Warnung sein", sagt Conte. Um im Turnier den nächsten Schritt zu gehen und die Tifosi in der Heimat glücklich zu machen, mahnt der Trainer weiter "außergewöhnliche Leistungen" an. Normal, sagt er, reiche nicht.

Was den italienischen Fans (und wohl auch ihm) gefällt, hat Conte dann in Anlehnung an Winston Churchill und seine berühmte Unterhaus-Rede im Kriegsjahr 1940 so formuliert: "Blut, Schweiß und Tränen."