EM

Tymoshchuk: "Die Ukraine ist heute stärker als 2012"

Fomenko: "2014 ist Geschichte"

Tymoshchuk: "Die Ukraine ist heute stärker als 2012"

Anatoliy Tymoshchuk

Trifft auf einige Ex-Kollegen: Der ehemalige Münchner Anatoliy Tymoshchuk. Getty Images

Aus Lille berichtet Jörg Wolfrum

Sie waren sich nicht ganz einig am Tag vor dem Start in die Gruppe C in Lille, der Trainer der Ukraine und sein ältester Spieler im Kader, der ehemalige Bayern-Spieler, der mittlerweile 37 Jahre alt ist. Was aber alles nicht falsch verstanden werden sollte: Grundsätzlich sind sie sich bei der Ukraine natürlich einer Meinung. Nämlich: Entwickelt, positiv natürlich, haben sich in den vergangenen Jahren beide Mannschaften, also die von Joachim Löw wie auch die des Co-Ausrichters der vergangenen Europameisterschaft. "Deutschland ist psychisch und physisch in hervorragender Verfassung", betont Tymoshchuk. Um die Fans in der Heimat aber nicht allzu sehr zu verschrecken, schickt er hinterher: "Wir auch."

Spielersteckbrief Tymoshchuk
Tymoshchuk

Tymoshchuk Anatoliy

Ukraine - Vereinsdaten
Ukraine

Gründungsdatum

13.12.1991

Trainersteckbrief Fomenko
Fomenko

Fomenko Mykhaylo

Europameisterschaft - Tabelle - Gruppe C
Pl. Verein Punkte
1
Deutschland Deutschland
3
2
Polen Polen
3
3
Nordirland Nordirland
0
Europameisterschaft - Vorrunde, 1. Spieltag

Der Profi, der von 2009 bis 2013 für die Münchner aktiv war, ist sich sicher: "Die Ukraine ist heute stärker als 2012. Wir haben damals beim Turnier in der Heimat Erfahrung gesammelt. Und mit dieser Erfahrung ist das Selbstvertrauen gewachsen." Er und die Kollegen seien daher "sehr gut vorbereitet" auf das Duell mit dem Weltmeister, auch wenn der Mann mit der blonden Mähne zugibt: "Es wird sehr schwer, ein gutes Resultat zu erzielen."

Das "Ziel Titel"

Warum? "Weil Deutschland hier gewinnen will", ist sich Trainer Fomenko sicher. Und er meint nicht nur das Spiel in Lille, sondern das gesamte Turnier. Mit 20 Jahren liege der letzte Triumph des aktuellen Weltmeisters für dessen Verhältnisse in Europa zu lange zurück, als dass sich Fomenko bei der deutschen Delegation etwas anderes als das "Ziel Titel" vorstellen kann.

Zuversicht im direkten Duell zieht der seit Dezember 2012 amtierende Coach jedoch aus der Tatsache, dass es sich um das erste Gruppenspiel handelt: "Das ist gut für uns." Soll heißen: Vielleicht habe sich der Favorit ja noch nicht richtig gefunden. Ein Schluss, den so mancher Testspieleindruck zuletzt ja durchaus zuließ. Er selbst habe seine "Startelf vielleicht zu 90 Prozent sicher". Tymoshchuk dürfte vermutlich nicht dazu gehören. Was der Trainer am Sonntag ab 21 Uhr (LIVE! bei kicker.de) und generell für das Turnier aber von allen im Team erwarte: "Sie sollen unseren Fans Freude bereiten" - angesichts er "Gesamtsituation des Landes".

Es stehen mehr als drei Punkte auf dem Spiel

Eine, die seine Mannschaft natürlich "beeinflusst". 2012, bei der EM im eigenen Land war die Ukraine noch ein anderes, die politischen Umwälzungen strahlten seither ja auch auf den Fußball ab mit Teams, die wie Schachtar Donezk, das sogar landesintern im Exil spielen muss, in Lwiw. Angesichts der Gemengelage in der Heimat steht daher fast ein wenig mehr auf dem Spiel als nur drei Punkte, das war herauszuhören aus den Worten des so leise und zurückhaltend sprechenden Trainers.

"Wir sind eine Einheit", sagt auch sein Routinier im Kader. Doch für Tymoshchuk hat zumindest das Auftaktmatch noch einen weiteren besonderen Aspekt parat: Das Wiedersehen mit den ehemaligen Kollegen. "Ich habe weiter ein gutes Verhältnis zu Thomas Müller, Manuel Neuer und den anderen Bayern-Spielern", so der ehemalige Münchner. Vorbereiten aber, so der Mittelfeldspieler, werde er sich "wie jeder andere im Team auch", das im Übrigen sämtlich aus Führungsspielern bestehe.

Kein Team ist unbesiegbar. Nicht mal Deutschland.

Anatoliy Tymoshchuk

"Alle" seien das, meint der Profi, der mittlerweile bei Qairat Almaty in Kasachstan spielt. Und weil dem so sei, traue er der Ukraine auch glatt eine Überraschung zu: "Kein Team ist unbesiegbar. Nicht mal Deutschland. In unserer Gruppe gibt es nur Topmannschaften." Also auch die eigene. "Wir sind bereit, zu kämpfen." Na also.

Ach ja, einig waren sich Trainer und Spieler auch noch: "Deutschland ist einer der Topfavoriten."