Nürnberg: Schäfer und seine Serie

Relegationsexperte Stieber außen vor

Raphael Schäfer

Den Ball genau im Blick: FCN-Keeper Raphael Schäfer will ich in seiner dritten Relegation die Null halten. imago

2012 hatte er als Trainer des Schweizer Zweitligisten FC Aarau seine erste absolviert. Dass er sie gegen den FC Sion mit 0:3 und 1:0 verlor, ist für ihn alles andere als ein schlechtes Omen. "Sion wäre damals in der 1. Liga eigentlich Dritter gewesen, bekam aber wegen Verstöße gegen FIFA-Statuten 36 Punkte abgezogen. Dennoch zogen wir uns gut aus der Affäre. Und wer weiß, was passiert wäre, wenn wir im Rückspiel die Chance zum 2:0 genutzt hätten."

Doch zurück in die Gegenwart, die für den FCN-Coach im Gegensatz zu seiner ersten Relegation bessere Aussichten bereit hält. "Es wird sehr schwer, wir sind klarer Außenseiter, aber wir alle sind überzeugt davon, eine Chance zu haben."

Spielersteckbrief R. Schäfer

Schäfer Raphael

Spielersteckbrief Stieber

Stieber Zoltan

Trainersteckbrief Weiler

Weiler René

1. FC Nürnberg - Vereinsdaten

Gründungsdatum

04.05.1900

Vereinsfarben

Rot-Weiß

Und so ist die komplette Nürnberger Delegation am Mittwoch um 10 Uhr frohen Mutes in den Bus gestiegen, der sie zum ersten Duell ins Hessenland chauffierte. Dass es dort stiller als sonst gewesen sein dürfte, davon ist auszugehen. Torhüter-Routinier Raphael Schäfer jedenfalls hatte dies vor der Abfahrt prophezeit: "Da wird dann doch die Anspannung zu spüren sein. Die meisten werden deswegen wenig bis nichts sagen, nur ein, zwei dürften mehr reden als sonst, jeder verarbeitet so eine Situation anders."

Der 37-Jährige selbst ist in Sachen Relegation in gewissem Maße abgebrüht, es ist nach 2009 gegen Cottbus (3:0 und 1:0) und 2010 gegen den FCA (1:0 und 2:0) seine dritte, die er für den FCN bestreitet. "Ich hoffe, meine bisherige Bilanz ausbauen zu können. Bleibe ich weiterhin gegentorfrei, haben wir ganz gute Chancen aufzusteigen", fügte er scherzhaft an.

Stieber in Frankfurt nicht dabei

Dem anderen Relegationsexperten in Reihen des FCN hingegen wird es nicht zum Scherzen zumute sein: Zoltan Stieber, die HSV-Leihgabe, wird nicht im Kader stehen. Der 27-Jährige, der vor zwei Jahren mit Fürth gegen den HSV (0:0 und 1:1) und im vergangenen Jahr mit dem HSV gegen den KSC (1:1 und 2:1 n.V.) die Aufstiegsendspiele bestritt, wird zumindest in Frankfurt seinen Relegations-Hattrick verpassen. Aus nachvollziehbaren Gründen: Sebastian Kerk, der eigentliche gesetzt und zuletzt pausierende offensive Außenbahnspieler, hat seine Achillessehnen-Probleme rechtzeitig auskuriert und grünes Licht gegeben. Damit ist es klar, dass der 22-Jährige eine Offensivstelle im 18er Aufgebot erhält, er dürfte gar von Beginn an spielen. Dies wiederum lässt Stiebers Einwechselchance gegen null tendieren.

Wenn es darum geht, für frischen Offensivwind zu sorgen, haben sich zuletzt andere deutlich mehr aufgedrängt. Ein Danny Blum zum Beispiel – seine unorthodoxe Spielweise prädestiniert ihn für die Rolle des Jokers. "Er macht verrückte Dinge und kann einem Spiel eine Wende geben" – so lautete unlängst des Trainers Einschätzung. Auch ein Youngster wie Cederic Teuchert hat Stieber in den vergangenen Wochen überholt. Das 19-jährige Offensivtalent hat hart an seiner Physis gearbeitet und einen großen Sprung gemacht. Dass er zuletzt nach seinen Einwechslungen gegen Union (6:2) das fünfte Tor fein vorbereitet und im Ligafinale in Paderborn für den 1:0-Siegtreffer gesorgt hatte, sollte ihm einen weiteren Schub geben. Seine jugendliche Unbekümmertheit könnte in der Relegation für den FCN zum Trumpf werden, zudem ist seine Nominierung auch ein Fingerzeig für die Zukunft.

Ungar hat die Erwartungen nicht erfüllt

Letzteres hat Stieber in Nürnberg nicht mehr, auch wenn Sportvorstand Andreas Bornemann es in seiner Causa wie bei allen anderen auslaufenden Verträgen (Schäfer, Polak, Mössmer und Blum) hält: "Eine endgültige Entscheidung fällt erst nach der Relegation." Für den ungarischen Nationalspieler, der im erweiterten EM-Aufgebot steht, dürfte das Kapitel 1.FCN nur dann noch nicht beendet sein, wenn sich in oder nach dem ersten Relegationsspiel ein Offensivakteur verletzt.

Zoltan Stieber

Er ist in Frankfurt nicht dabei: Nürnbergs Zoltan Stieber. imago

Dabei schien in der Winterpause eigentlich alles noch verheißungsvoll. Der schnelle, wendige Außenbahnspieler wollte den HSV unbedingt verlassen, um die Rolle der Teilzeitaushilfe loszuwerden. Und der Club wiederum suchte händeringend jemanden, der den zum FC Schalke 04 abgewanderten Alessandro Schöpf beerbt. Schien zu passen, doch eins und eins ergab in diesem Fall nicht zwei. Bereits zwei Spiele nach der Winterpause war nach dürftigen Darbietungen der ihm angedachte Stammplatz weg. Und selbst als er als Joker für Furore sorgte, den umjubelten 2:1-Siegtreffer gegen den FCK erzielte, sollte dies nicht die Wende sein. Im Überschwang der Gefühle zog er das Trikot aus und sah Gelb-Rot. Bitter, denn im nächsten Spiel hätte er beste Chancen gehabt, wieder eine Startelfchance zu erhalten.

So stehen unterm Strich 252 höchst durchwachsene Pflichtspielminuten, was wiederum eine Null in puncto Weiterverpflichtung ergibt. Zumal der FCN eine Million Euro hinlegen müsste, auf diese Summe ist seine Kaufoption beziffert, um Stieber aus seinem bis 2017 laufenden Vertrag beim HSV auszulösen. Selbst ohne Ablöse würde der Club ihn wohl nicht verpflichten. Es sei denn, Stieber kommt im Rückspiel doch noch als Joker zum Zuge und schießt den Club in die Bundesliga zurück...

Christian Biechele