Stuttgart: Wahler tritt zurück

Kramny muss gehen - Dutt schließt Rücktritt nicht aus

Zurück zur zweiten Mannschaft: Jürgen Kramny ist nicht länger Trainer der Profis des VfB Stuttgart.

Zurück zur zweiten Mannschaft: Jürgen Kramny ist nicht länger Trainer der Profis des VfB Stuttgart. imago

Jürgen Kramny, der beim gestrigen 1:3 in Wolfsburg die jüngste Startelf seiner Amtszeit (24,9 Jahre) ins Rennen schickte, ist nicht länger Trainer der Profis des VfB Stuttgart. Der ehemalige Bundesliga-Profi besitzt einen Anschlussvertrag bis zum 30. Juni 2017 für die zweite Mannschaft des VfB, die eben aus der 3. Liga in die Regionalliga abgestiegen ist.

Die Chancen auf den Klassenerhalt am letzten Spieltag waren für Stuttgart schon vor dem Auftritt in Wolfsburg gering. 90 Minuten später aber war der erste Abstieg seit 41 Jahren besiegelt. Die letzten sechs Spiele der Saison hatten die Schwaben allesamt verloren, in den letzten neun Spielen reichte es gerade einmal zu einem Punkt, viel zu wenig für den Klassenerhalt.

Es ist noch immer unfassbar, wir sind abgestiegen. Dafür übernehme ich die Verantwortung. Als Konsequenz, und in Absprache mit dem Aufsichtsrat, lege ich mein Amt als Präsident des VfB Stuttgart nieder.

Bernd Wahler

Kramny war bereits bis November vergangenen Jahres Trainer der U 23 des VfB. Am 24. November wurde er aber befördert und trat die Nachfolge von Alexander Zorniger als Cheftrainer der Profis der Stuttgarter an. 21 Spiele später (sechs Siege, fünf Unentschieden, zehn Niederlagen) ist dieses Intermezzo beendet.

Auch die Präsidentschaft von Bernd Wahler. Der VfB-Boss hat nach Rücksprache mit dem Aufsichtsrat in gegenseitigem Einvernehmen sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt, wie der Verein am Sonntag mitteilte. "In der Geschichte unseres Vereins war gestern ein schwarzer Tag. Wir haben hart gearbeitet, vieles verändert und gekämpft - es hat nicht gereicht. Es ist noch immer unfassbar, wir sind abgestiegen", ließ Wahler wissen: "Dafür übernehme ich die Verantwortung. Als Konsequenz, und in Absprache mit dem Aufsichtsrat, lege ich mein Amt als Präsident des VfB Stuttgart nieder."

"Wir respektieren die Entscheidung von Bernd Wahler, der mit diesem Schritt Verantwortung übernimmt und damit persönliche Konsequenzen zieht. Bernd Wahler hat mit größtem persönlichem Engagement und Einsatz die notwendige Entwicklung des VfB in vielen Bereichen vorangetrieben", erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Martin Schäfer. Der VfB ist auch ohne Wahler mit Robin Dutt (Sport), Stefan Heim (Finanzen, Verwaltung und Operations), Jochen Röttgermann (Marketing und Vertrieb) handlungsfähig.

Dutt: "Welchen Teil der Verantwortung habe ich?"

Muss Fragen beantworten: VfB-Sportvorstand Robin Dutt.

Muss Fragen beantworten: VfB-Sportvorstand Robin Dutt. Getty Images

Nach dem bitteren Samstag und den Personalentscheidungen am Sonntag war Sportvorstand Robin Dutt am Sonntagabend zu Gast in der Sendung "Sport im Dritten" des SWR. Dabei schloss er einen Rücktritt nicht kategorisch aus. "Ich denke, dass wir in den nächsten Tagen schon einige Fragen beantworten müssen. Die erste Frage wird natürlich sein, welchen Teil der Verantwortung habe ich", so der 51-Jährige.

Dutt sieht sich dabei ein wenig als Sündenbock für eine Fehlentwicklung, die nicht erst in dieser Spielzeit an Fahrt aufgenommen hat. "Der VfB ist die letzten vier, fünf Jahre immer kontinuierlich weiter an den Abgrund gekommen, ich bin seit letztem Jahr da. Und natürlich fühlt es sich so an, als wenn alles an mir abgeladen wird", sagte Dutt.

Allerdings ist dem Sportvorstand der Schwaben klar, dass er sich in dieser Spielzeit selbstkritisch hinterfragen müsse. Was er sich auf jeden Fall auf die Fahne schreiben müsse, sei die Trainerfrage. "Wenn du so früh in der Vorrunde den Trainer wechseln musst, muss ich dafür komplett die Verantwortung übernehmen."

George Moissidis/bst

Aufbruch, Euphorie, Ernüchterung, Abstieg