Stuttgart steigt nach 41 Jahren wieder in die 2. Liga ab

Harnik: "Das passt zu einem Absteiger"

Artem Kravets (o.l.), Christian Gentner (o.r.), Timo Baumgartl (u.l.) & Filip Kostic (u.r.).

Das Ende: Artem Kravets (o.l.), Christian Gentner (o.r.), Timo Baumgartl (u.l.) und Filip Kostic (u.r.). picture alliance

Junge Startelf, alte Fehler

Die "jungen Wilden" sollten bei Stuttgart für das Wunder sorgen. Trainer Jürgen Kramny schickte die jüngste Startelf seiner Amtszeit (24,9 Jahre) ins Rennen und musste bereits in der 32. Minute (Martin Harnik für Timo Werner) sowie in der Halbzeit (Borys Tashchy für Artem Kravets) korrigieren. Doch was war passiert? Statt um sein Leben zu laufen war beim VfB kaum Kampf zu erkennen. Nach vorne schafften es die Schwaben nicht, Gefahr zu entfachen. Der erste Schuss aufs Tor gelang in der 37. Minute. Hinten führten altbekannte Aussetzer für vermeidbare Gegentore: Beim 0:1 durfte Marcel Schäfer unbedrängt von links flanken, in der Mitte entwischte Torschütze Maximilian Arnold seinen Bewachern Emiliano Insua und Daniel Schwaab (11.). Dann ließ sich Stuttgart übel ausgekontern, Daniel Caligiuri startete 20 Meter vor dem eigenen Tor, sprintete bis 20 Meter vor das gegnerische Gehäuse, spielte André Schürrle frei, 0:2 (29.).

Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Bayern München
88
2
Borussia Dortmund
78
3
Bayer 04 Leverkusen
60
Trainersteckbrief Kramny

Kramny Jürgen

VfB Stuttgart - Vereinsdaten

Gründungsdatum

09.09.1893

Vereinsfarben

Weiß-Rot

VfB Stuttgart - Die letzten Spiele
Kiel (H)
0
:
1
St. Gallen (H)
4
:
1

Wie ein Freundschaftsspiel.

Guido Buchwald

"Manche Spieler wissen seit Wochen nicht, um was es geht", polterte VfB-Legende Guido Buchwald in der Halbzeitpause bei "Sky". "Keine Einstellung, kein Kampf, kein Aufbäumen, keine Mannschaft", hatte er gesehen. Statt sich für die Existenz zu zerreißen ging die Truppe mit dem Brustring die letzte Saisonpartie an "wie ein Freundschaftsspiel. Wenn man sich so ergibt, steigt man verdient ab", so Buchwald.

Harnik: "Wir sind nicht heute abgestiegen"

Spielbericht

Nach dem Seitenwechsel zeigten sich die Schwaben zwar etwas engagierter, doch nach vorne gelang weiterhin wenig. Erst ein direkt verwandelter Freistoß des scheidenden Daniel Didavi (wechselt zum VfL) ließ einen Hauch Hoffnung aufkeimen (78.). Es war der erste direkte Freistoßtreffer seit September 2010. Doch wie gewonnen, so zerronnen: Einmal mehr ließ sich der VfB auskontern, Schürrle besorgte den 1:3-Endstand (90.+2). "In Wolfsburg zu gewinnen ist nicht leicht, aber die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind, passt zu einem Absteiger", gestand Angreifer Harnik.

In der Tat war diese finale Pleite ein Mikrokosmos einer verkorksten Saison: Mit insgesamt 75 Gegentoren - darunter sieben Eigentore und 14 Gegentreffer nach Kontern - belegen das ganzjährig schwache Defensiv- und Umschaltverhalten. "Wir sind nicht heute abgestiegen, wir haben die ganze Saison viele Fehler gemacht und leider nur selten die Verantwortung dafür übernommen", so Harnik. "Es kann kein Zufall sein, drei Jahre lang dem sportlichen Tod von der Schippe zu springen."

Dutt: "Wir sind verdient abgestiegen"

Mitch Langerak & Martin Harnik

"Jetzt müssen wir die Suppe auslöffeln": Stuttgarts Martin Harnik (r., mit Mitch Langerak). picture alliance

In der Tat wurde die Lage für den VfB in den vergangenen Jahren immer bedrohlicher: 2013/2014 reichten fünf Punkte Vorsprung für Platz 15, 2014/15 betrug das Polster für die auf Rang 14 gelisteten Stuttgarter nur noch einen Zähler. Nun kassierte Stuttgart die Quittung: 17., drei Punkte Rückstand, 2. Liga. "Jetzt müssen wir die Suppe auslöffeln", weiß Harnik.

"Wir sind mental unten, das sind schlimme Erfahrungen", meinte auch VfB-Sportvorstand Robin Dutt. "Wir hatten einen katastrophalen Start in die Saison und im letzten Drittel komplett die Spannung verloren. Wir sind verdient abgestiegen."

Zum ersten Mal seit 1975 muss der deutsche Meister von 2007 den bitteren Gang in die 2. Liga antreten. Personelle Konsequenzen sollen bereits über Pfingsten intern diskutiert werden. Bei den Diskussionen wird es um die Zukunft der Verantwortlichen Bernd Wahler (Präsident), Robin Dutt (Sportvorstand) und Jürgen Kramny (Trainer) gehen. Angesichts der Körpersprache auf der Pressekonferenz nach dem Spiel dürfte der Coach ahnen, dass dies sein letztes Spiel als Cheftrainer war.

cru

Aufbruch, Euphorie, Ernüchterung, Abstieg