Int. Fußball

Nach CAS-Urteil: Platini tritt als UEFA-Präsident zurück

Sperre lediglich um zwei Jahre reduziert

Nach CAS-Urteil: Platini tritt als UEFA-Präsident zurück

Michel Platini

Niederlage vor dem CAS: Michel Platini (hier nach der Anhörung Ende April) bleibt gesperrt. picture alliance

"Ich nehme die Entscheidung des CAS zur Kenntnis, erachte sie allerdings als große Ungerechtigkeit. Die Dauer der Sanktion verhindert es auch, bei der nächsten Wahl zum Präsidenten der FIFA zu kandidieren", teilte Platini über seinen Anwalt mit und kündigte den Gang vor die Zivilgerichte an: "Wie mit den nationalen Verbänden vereinbart, trete ich von meinem Amt zurück, um nun vor den Schweizer Gerichten den Kampf für Gerechtigkeit voranzutreiben."

Der Fußball-Weltverband FIFA hatte Platini ebenso wie ihren früheren Präsidenten Joseph Blatter für sechs Jahre gesperrt. Hintergrund ist eine dubiose Zahlung in Höhe von zwei Millionen Franken von Blatter an Platini im Jahr 2011.

Der CAS begründete sein Urteil mit der "fehlenden Legitimität der Millionenzahlung", die Platini 2011 vom Weltverband FIFA angeblich für zurückliegende Dienste erhalten hatte. Die von den FIFA-Ethikern verhängte Sperre von sechs Jahren aber ist laut CAS "zu hart" gewesen. Blatters Einspruch gegen die Sperre soll zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Monat vor dem CAS verhandelt werden.

UEFA führungslos - Krisensitzung am 18. Mai

Platini wird damit auch die EURO in seiner Heimat nicht als Funktionär von der Tribüne verfolgen können. Die seit Monaten de facto führungslose UEFA will daher knapp drei Wochen vor der EM in einer Krisensitzung im Rahmen des Europa-League-Finales am 18. Mai in Basel das weitere Vorgehen bei der Suche nach einem neuen Präsidenten beschließen. "Das Exekutivkomitee wird die weiteren Schritte diskutieren, darunter auch die Terminierung eines Wahl-Kongresses. In der Zwischenzeit wird es keinen Interimspräsidenten geben", teilte der Verband am Montag mit. Bei der Suche nach einem Nachfolger will der DFB eine tragende Rolle spielen. "Der DFB wird in den kommenden Tagen mit den europäischen Verbänden und Wolfgang Niersbach als deutschem Mitglied im UEFA-Exekutivkomitee darüber beraten, wer als neuer Präsident des europäischen Verbandes in Frage kommt", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel, der nun die Chance "für einen notwendigen Neuanfang" sieht.

Nachfolger bis zur EURO gefunden? Für Niersbach unwahrscheinlich.

Ähnlich äußerte sich der ehemalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der selbst im November im Rahmen der WM-Affäre 2006 zurückgetreten war: "Michel Platinis Rücktritt ist nach dem CAS-Urteil konsequent. Nun werden wir am nächsten Mittwoch bei einer Sondersitzung des Exekutivkomitees über das weitere Prozedere beraten." Dass ein neuer Präsident schon zur EM, die in einem Monat beginnt, im Amt ist, bezweifelt Niersbach: "Es ist theoretisch möglich, noch vor der EURO einen neuen Präsidenten zu wählen, aber nach meiner aktuellen Einschätzung eher unwahrscheinlich", sagte der 65-Jährige, gegen den die Ethiker der FIFA wegen der WM-Affäre übrigens auch ermitteln.

Bis auf Weiteres wird nun weiter der spanische UEFA-"Vize" Angel Maria Villar Llona (66), keinesfalls über jeden Zweifel erhaben, die Geschäfte führen.

ski/dpa/sid