Stuttgart: Allgöwer will keine "Alibi-Funktion"

Dutt und Wahler beim VfB vor dem Aus

Stuttgarts Sportvorstand Robin Dutt

Tief geknickt und gut abgeschirmt: Stuttgarts Sportvorstand Robin Dutt nach der Pleite gegen Mainz. Getty Images

Nach 26 Spieltagen schien sich die schwierige Saison des VfB Stuttgart zum Besseren zu wenden, die Mannschaft von Trainer Jürgen Kramny hatte mit einem 3:3 in Ingolstadt den Abstiegskampf scheinbar hinter sich gelassen. 32 Zähler standen auf dem Konto, der erste direkte Abstiegsplatz war acht Zähler entfernt (damals Hoffenheim mit 24 Punkten).

Sieben Spiele später hat Stuttgart einen Zähler mehr (Hoffenheim 13) und kann sich nicht mehr aus eigener Kraft retten. Eine Entwicklung, die für Dutt und Wahler Konsequenzen haben dürfte. Nach kicker-Informationen steht das Duo, deren Verträge bis 2018 laufen, vor dem Aus.

Vor knapp einem Jahr bemängelte Dutt, der am 6. Januar 2015 das Amt des Managers in Stuttgart übernahm, in scharfen Worten, was beim VfB alles falsch läuft. Fehlende sportliche Kompetenz, missratene Kaderplanung, eine vernachlässigte Nachwuchsarbeit inklusive einer fehlenden einheitlichen Spielphilosophie inklusive eines schlechten Scoutings.

Auch wenn Dutt die Schärfe der Kritik später relativierte (und erfolglos eine Aussöhnung mit seinem Vorgänger Fredi Bobic versuchte) - unter dem Strich steht aktuell: Nichts ist besser geworden, dafür alles noch viel schlimmer. Dutt steht vor den Scherben seines Wirkens.

Bei allem Respekt vor den gutgemeinten Umstrukturierungsmaßnahmen des Sportvorstands im operativen Geschäft - sportlich ist die Saison ein Desaster. Die Verpflichtungen von Serey Dié, Insua, Rupp oder Großkreutz erwiesen sich als Volltreffer, die von Tyton, Heise, Kliment oder Kravets als Fehlgriffe. Der Versuch mit Alexander Zorniger auf der Bank ging ebenso schief wie der, mit Sunjic oder später Barba die Abwehr zu stärken. Auch aus dem hauseigenen und einst so hochgelobten Unterbau kam nichts nach. Der VfB II ist nicht grundlos aus der 3. Liga abgestiegen und setzt damit dem in Ungnade gefallenen Sportchef endgültig die Dornenkrone auf.

Jenner für Wahler? Allgöwer für Dutt?

Kein Wunder, dass der Aufsichtsrat ein mittlerweile arg unterkühltes Verhältnis zum Sportvorstand pflegt. Ähnliches gilt auch für Präsident Bernd Wahler, dem die Fans die Gefolgschaft schon länger verweigern. Was im Juli bei der nächsten Versammlung zu erwarten ist, dürfte nicht überraschen: Mit einem Misstrauensvotum und einer möglichen Abwahl ist zu rechnen.

Die möglichen, veränderten Szenarien werden auf der obersten Etage bereits durchgespielt, eine davon: Dutt geht nach der Saison, Wahlers Abschied folgt im Juli, und der macht den Weg frei für neue Leute. Als Präsident ist Aufsichtsratsmitglied Hartmut Jenner im Gespräch, als Sportvorstand Karl Allgöwer. Der Ex-Nationalspieler wurde zuletzt als externer Berater des Vorstands ins Boot geholt - auf Betreiben des Aufsichtsrats.

Allgöwer: "Eine Alibi-Funktion werde ich sicherlich nicht übernehmen"

Am Montag ließ Allgöwer vorsichtig seine Bereitschaft durchblicken, sein Engagement auszuweiten - es müsste dabei aber gewährleistet sein, dass "man was Vernünftiges zustande bringt. Eine Alibi-Funktion werde ich sicherlich nicht übernehmen", sagte er bei einem Golfturnier in St. Eurach. Er fordert eine kompromisslose Aufarbeitung der Saison. "Da wird es sicher nicht sehr freundschaftlich zugehen, da muss man professionell umgehen und dementsprechend handeln. Wir müssen die Gespräche abwarten. Ich gehe davon aus, dass ich bei den Gesprächen dabei bin. Da wird analysiert und dann werden hoffentlich die richtigen Entscheidungen getroffen. Ohne Wenn und Aber."

George Moissidis/bst

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