Bundesliga

Hummels droht ein heißer Empfang

Ein Kommentar von kicker-Reporter Thomas Hennecke

Hummels droht ein heißer Empfang

Er sorgt bei Dortmunder Fans für erhitzte Gemüter: Mats Hummels.

Er sorgt bei Dortmunder Fans für erhitzte Gemüter: Mats Hummels. Getty Images

Ein Kommentar von kicker-Reporter Thomas Hennecke

Eine Woche hatte man in Dortmund Zeit, mit dem Gedanken Bekanntschaft zu schließen, dass der Kapitän nach achteinhalb Jahren abmustern möchte. Der Überraschungsfaktor jener Ad-hoc-Mitteilung, mit der am Donnerstag kurz vor 17 Uhr der bloße Wechselwunsch - nicht der Vollzug des Transfers - publik wurde, hielt sich dann auch in überschaubaren Grenzen. Und doch kochten die Emotionen in den ersten Stunden kaum weniger hoch als vor drei Jahren bei Mario Götze, dem die Übersiedlung in die bayerische Landeshauptstadt als Tabubruch und Verrat an den schwarz-gelben Idealen verübelt wurde.

Einen Wechsel nach Barcelona hätte man Hummels verziehen. Aber zu den Bayern, gegen die er immer angekämpft hatte? Die ihn vor Jahren für untauglich hielten? Die er dem Spaß in Dortmund, dem Zusammenhalt, der romantischen Außenseiter-Idee nie vorziehen wollte? Das natürliche Recht, eine Meinung im Laufe eines Lebens zu ändern, gestehen ihm die Dortmunder Anhänger in der Mehrzahl nicht zu. Hummels, der nie wie ein Publikumsliebling à la Dede die Seele der Menschen streichelte, aber hohe Achtung als exzellenter Fußballer genoss, droht nun ein unerfreulicher Abschied.

Man kann seine Entscheidung enttäuschend oder unlogisch nennen, man kann auch das Ende der Romantik im Fußball beweinen, man kann seinen Entschluss aber einfach auch respektieren: Ihm jetzt die letzten Wochen zur Hölle zu machen, würde den großen Verdiensten nicht gerecht, die sich Hummels bei der sportlichen Renaissance der Borussia erworben hat. Er war - und das ist er mindestens bis zum Pokalendspiel am 21. Mai noch - ein manchmal unbequemer und schwieriger, aber herausragender Repräsentant der Borussia.

Aus in der Europa League könnte den Ausschlag gegeben haben

Der Abwehrspieler habe sich "in der Sache absolut offen und korrekt verhalten", sagte Hans-Joachim Watzke dem kicker am Donnerstagabend. Der BVB-Boss hat weder mit einer spannenden Mannschaft, einem innovativen Trainer, dem wohl begeisterungsfähigsten Publikum der Liga oder einem üppigen Gehalt punkten können, von dem man annehmen darf, dass es mit den in München üblichen Vergütungen durchaus konkurrieren kann. Am Ende müssen familiäre Gründe und - natürlich - die hohe Titelwahrscheinlichkeit den Ausschlag gegeben haben, dass Hummels in seine Heimat zurückkehrt. Das jähe Ende aller Dortmunder Europa-League-Ambitionen - und die düstere Ahnung, dass die Borussia eben doch nicht reif für den ganz großen Wurf ist - könnten vor zwei Wochen in Liverpool seinen Entschluss beschleunigt haben.

Den leichten Weg, wie Watzke zu Wochenbeginn äußerte, schlägt der 27-Jährige damit nicht ein. Seinen Führungsanspruch wird er (vorerst) zurückstellen und den anerkannten Platzhirschen den Vortritt lassen müssen. In Dortmund herrschte Hummels als unumschränkter Chef, in München wird er als einer von vielen Stars wieder lernen müssen, sich ein- und unterzuordnen. Aber vorher werden sich Watzke und Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge noch auf eine Ablösesumme einigen müssen. Man braucht keine große prophetische Gabe, um lange und schwierige Gespräche vorherzusagen. An deren Ende muss nicht zwingend der Vollzug des Wechsels stehen.

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