Ex-Lautern-Coach zum 50. im großen kicker-Interview

Foda: "RB? Das kann man keinem übel nehmen"

"Fokus verschiebt sich bei Aufstieg nach Leipzig": Graz-Coach Franco Foda wird 50 Jahre alt.

"Fokus verschiebt sich bei Aufstieg nach Leipzig": Graz-Coach Franco Foda wird 50 Jahre alt. Getty Images

Großer Applaus in Brasilien - aber warum?

Im Interview mit dem kicker spricht Foda über seine Situation in Graz, die Österreichische Bundesliga im Schatten der erfolgreichen Nationalelf und seine Entlassung beim FCK. Zudem bezieht er zum Engagement von Red Bull im Fußball klar Stellung, spricht über die Chancen von Leipzig, das am Montag auf dem Betzenberg zu Gast ist, das Kuriose an seinem Namen und verrät ein ungewöhnliches Lebensziel.

1. FC Kaiserslautern - Die letzten Spiele
Duisburg (A)
3
:
1
Dudelange (H)
4
:
0
Sturm Graz - Die letzten Spiele
Salzburg (H)
1
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1
Austria Wien (A)
1
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0
RB Leipzig - Die letzten Spiele
Wolfsburg (H)
1
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Leverkusen (A)
1
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1
Spielersteckbrief Tadic

Tadic Josip

Spielersteckbrief Madl

Madl Michael

Spielersteckbrief Hadzic

Hadzic Anel

Österreich - 32. Spieltag
Österreich - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
RB Salzburg
64
2
Rapid Wien
58
3
Austria Wien
50
Trainersteckbrief Foda

Foda Franco

kicker: Herr Foda, wissen Sie eigentlich, welches Schlagwort als erstes erscheint, wenn man Ihren Namen bei Google eingibt?

Franco Foda: Wenn Sie mich so fragen, meinen Sie die Sache mit Brasilien, was es auf Portugiesisch heißt?

kicker: Genau. Es erscheint "Franco Foda Übersetzung", weil Ihr Name auf Vulgär-Portugiesisch so viel bedeutet wie "kostenloser Beischlaf".

Foda (lacht): Ja, die Geschichte war damals so: Als ich 1987 mein erstes Länderspiel in Brasilien gemacht habe und bei der Einwechslung mein Name durchgerufen wurde, wunderte ich mich, warum alle so laut applaudiert haben, obwohl ich ja ein junger, eher unbekannter Spieler war. Im Nachhinein habe ich dann erfahren, was mein Name auf Portugiesisch bedeutet. Das war natürlich zum Schmunzeln. Deshalb darf ich kein Trainer in Brasilien und Portugal werden (lacht laut).

kicker: Wie oft werden Sie heute noch darauf angesprochen und nervt es manchmal?

Foda: Nein, das kann man ja mit Humor nehmen. Damals war es etwas unangenehm, aber ich war jung und habe mir nicht so viele Gedanken darüber gemacht. Heute bekomme ich ab und zu die eine oder andere Nachricht, weil die Frage bei einigen Quizsendungen im Fernsehen auftaucht.

Sportliche Lage in Graz

Hat in Graz viel Freude: Franco Foda.

Hat in Graz viel Freude: Franco Foda. imago

kicker: Zum Sportlichen: Sie sind mittlerweile seit eineinhalb Jahren wieder zurück als Trainer bei Sturm Graz und aktuell Vierter in der Bundesliga Österreichs. Wie sehen Sie die Chancen, über Platz drei sicher die Europa-League-Qualifikation zu schaffen, beziehungsweise den 4. Platz zu halten, der im vorigen Jahr noch regulär reichte und diesmal ebenso, falls der Pokalsieger ohnehin international spielt, was wahrscheinlich ist?

Foda: Durch drei Siege in Serie sind wir wieder in Reichweite von Platz 3. Das Ziel sind immer die Top 4. Im Winter haben wir mit Kapitän und Nationalspieler Michael Madl, dem bosnischen Nationalspieler Anel Hadzic und Josip Tadic drei wichtige Spieler abgeben müssen. Hinzu kamen Verletzungsprobleme. Insofern haben wir teilweise trotz schwacher Chancenverwertung ganz gut gespielt. Gegen den Zweiten Rapid Wien wird es am Sonntag interessant. Generell ist die Liga ab Platz 3 sehr eng beieinander.

Drei Abgänge im Winter sind kein Problem

kicker: Spieler im Winter abgeben zu müssen, ist ungewöhnlich. Was war der Grund?

Foda: Von Vereinsseite mussten wir einen gewissen Betrag einsparen, um finanziell auf Klarstand zu kommen. Das ist mit den drei Transfers gelungen. Madl ging nach Fulham, die beiden anderen, deren Verträge im Sommer ausgelaufen wären, wechselten in die Türkei. Die Abgänge konnten wir bisher sportlich gut kompensieren.

Ich bin damals nur nach Lautern, weil es ein Traditionsverein ist und die Aufgabe, direkt wieder aufzusteigen, sehr reizvoll war.

Franco Foda zu seiner Zeit in der Pfalz

kicker: Warum sind Sie ein Jahr nach Ihrer Entlassung in Kaiserslautern - Ihrer bisher einzigen Trainerstation außerhalb Österreichs - wieder in die zweite Heimat Graz zurückgekehrt, wo Sie als Spieler und Trainer seit 1997 schon 15 Jahre am Stück gewirkt hatten?

Foda: Ich hatte einige Angebote, aus dem Ausland und auch ein, zwei Anfragen aus der deutschen 2. Liga. Aber alles hat nicht so gepasst, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich bin damals aus der Bundesliga Österreichs nur nach Kaiserslautern in die 2. Liga, weil es ein Traditionsverein ist und die Aufgabe durch die Ambitionen, direkt wieder aufzusteigen, sehr reizvoll war.

kicker: Haben Sie das Jahr danach auch bewusst als Sabbatical genutzt?

Foda: Nicht direkt. Es ist bei mir noch nicht so, dass ich ein Jahr Pause benötige nach einem Trainerjob. So alt bin ich noch nicht, auch wenn ich jetzt 50 bin (lacht). Aber da die Anfragen nicht passten, habe ich mir auch bewusst Zeit gelassen, um Revue passieren zu lassen, was in Lautern gut und was schlecht lief. Diese Selbstreflexion war sehr wichtig. Zudem habe ich viel hospitiert, bis die erneute Anfrage von Graz kam. Das ist auch ein Traditionsklub mit vielen Zuschauern, wo ich bereits eine gute Zeit hatte und immer noch meinen Wohnsitz habe. Daher hat es wieder gepasst.

Lautern: Damals und heute

kicker: Lassen Sie uns an Ihrer Reflexion teilhaben. Wie denken Sie heute über Ihr Engagement auf dem Betzenberg, wo Sie nach dem verpassten Aufstieg in der Relegation 2013 nach einem 0:4 in Aalen bereits nach dem 5. Spieltag der Folgesaison entlassen wurden?

Foda: Ich habe den Schritt nie bereut, würde es wieder so machen, weil Kaiserslautern nach wie vor ein guter Verein mit tollen Fans ist. Man sieht, dass es nicht so einfach ist, aufzusteigen. Heute wären dort alle froh, wenn man wieder Dritter würde. Insofern war es damals schon eine erfolgreiche Saison. Die Erwartungshaltung ist aber immer extrem hoch. Letztlich haben wir den Wiederaufstieg nicht gepackt. Wenn du dann schon nach einer hohen Niederlage beurlaubt wirst, obwohl wir mit neun Zählern punktgleich mit dem Zweiten waren, ist das schon sehr bedenklich. Damals bekam Mo Idrissou eine Rote Karte, wir haben durch den Ausfall von Jan Simunek mit den zwei jungen Innenverteidigern Willi Orban und Dominique Heintz gespielt, waren insgesamt auf einem guten Weg. Man sieht ja, welche Entwicklung gerade die beiden genommen haben. Trotz allem würde ich den Schritt immer wieder gehen, mich in der einen oder anderen Situation aber besser verhalten. Gerade in der Aussprache mit Stefan Kuntz, die letztlich zur Beurlaubung geführt hat, würde ich einige Dinge anders machen. Zudem wurden manche Sachen in der Öffentlichkeit falsch dargestellt. Aber es ist nicht meine Art, da nachzukarten.

kicker: Wie schätzen Sie mit Abstand die aktuelle Lage beim FCK ein, wo nach dem Aus von Stefan Kuntz ein kompletter Umbruch ansteht?

Foda: Es wäre wichtig, die Erwartungshaltung runterzuschrauben, weil es in der 2. Liga einfach schwer ist aufzusteigen. Wenn man künftig die Ruhe bewahrt, mit Geduld arbeitet, den Spielern Zeit zur Entwicklung einräumt und der Druck dann eventuell geringer wird, kann der FCK in den kommenden Jahren wieder den Sprung nach oben schaffen. So ein Umbruch benötigt Zeit. Generell geht es darum, dass alle Räder wieder ineinander greifen, um erfolgreich zu sein. Dennoch haben die Verantwortlichen, die vorher da waren, auch nicht alles falsch gemacht.

Zurück in die Pfalz?

Denkt gerne an seine Zeit bei Lautern zurück: Franco Foda.

Denkt gerne an seine Zeit bei Lautern zurück: Franco Foda. imago

kicker: Könnten Sie sich irgendwann nochmal eine Rückkehr in die Pfalz vorstellen?

Foda: (lacht) Es war eine sehr intensive Zeit direkt nach dem Abstieg. Wir hatten hohe Ansprüche, der Wiederaufstieg ist uns aber leider nicht gelungen. Ich denke aber, dass mich die Leute dort nicht richtig kennen gelernt haben und vielleicht ein falsches Bild von mir haben. Insofern, im Fußball kann man sich alles vorstellen.

kicker: Sie spielten außer beim FCK noch in Bielefeld, Saarbrücken, Leverkusen und Stuttgart. Reizt Sie nicht generell der zweite Versuch als Trainer in Deutschland?

Foda: Als Trainer muss man sich immer hohe Ziele setzen. Ich bin aber nicht auf der Suche, sondern froh, dass ich aktuell einen guten Job in Graz habe, wo mein Vertrag noch ein Jahr läuft. Aus Deutschland kam zwischendurch dennoch die eine oder andere Anfrage und ich denke, dass wir als Trainerteam (mit seinem langjährigen Assistenten Thomas Christl, Amn.d.Red.) damals nicht schlecht gearbeitet haben. Seitdem hat Lautern keine 58 Punkte mehr in der 2. Liga geholt. Es kann also sein, dass ich noch zehn Jahre in Graz bin, aber auch eine Rückkehr nach Deutschland ist natürlich möglich.

Brause-Gigant: Salzburg und Leipzig

kicker: Wird es in der Zehner-Liga mit Brause-Gigant RB Salzburg, der wohl den dritten Meistertitel in Folge einfährt, nicht auf Dauer langweilig?

Foda: Es ist leider so, dass Salzburg das höchste Budget und die besten Möglichkeiten hat. Trotzdem ist die Liga diese Saison enger zusammengerückt, weil RB zuletzt einige gute Spieler wie Mané, Kampl oder Ramalho abgeben musste. Ich gehe davon aus, dass sich bei einem Leipziger Aufstieg der Fokus mehr dorthin verlagert und es dann wieder leichter wird, Salzburg zu überholen. 2011 ist es uns mit Graz ja einmal gelungen, vielleicht schafft es dann bald wieder ein anders Team.

kicker: Wie stehen Sie generell zum in der Branche heiß diskutierten Engagement von Red Bull im Fußball?

Foda: Jeder muss seine Möglichkeiten nutzen und die erhöht natürlich ein Investor wie Herr Mateschitz. Über ihn kann ich nur Positives berichten. Er investiert nicht nur in den Sport und den Fußball, sondern etwa auch in die Infrastruktur hier in der Steiermark. Er hat viele gute Seiten und ist ein toller Mensch, der eben sportbegeistert ist und dort sein Geld reinsteckt. Das kann man keinem Verein übel nehmen.

"Gute Leute am Werk": Franco Foda lobt RB-Coach Ralf Rangnick.

"Gute Leute am Werk": Franco Foda lobt RB-Coach Ralf Rangnick. imago

kicker: Am Montag ist Leipzig auf dem Betzenberg zu Gast. Wem drücken Sie die Daumen und welche Rolle trauen sie dem RB-Klub in Deutschland künftig zu?

Foda: Da ich erstens früher Spieler beim FCK war und als Trainer in den letzten Monaten auch noch mit dem jetzigen Coach Konni Fünfstück in Kontakt stand, drücke ich Lautern die Daumen. Es wird aber sehr schwer, da Leipzig ein starkes Team hat. Wenn sie jetzt aufsteigen, haben sie auf jeden Fall die Möglichkeiten, sich in der 1. Liga zu etablieren. Sie werden sicher nicht so schnell an Bayern und Dortmund herankommen, aber über kurz oder lang oben mitspielen. Mit Ralf Rangnick an der Spitze sind gute Leute am Werk, insofern darf man Leipzig nicht unterschätzen. Aber jetzt müssen sie erstmal den Aufstieg schaffen.

ÖFB-Auswahl: Fodas Lobrede

kicker: Zurück nach Österreich: Anders als die Liga macht die Nationalelf europaweit von sich reden, qualifizierte sich erstmals sportlich für eine EM-Endrunde. Was trauen Sie dem Team von Marcel Koller in Frankreich zu?

Foda: Die Nationalelf hat eine sehr gute Qualifikation gespielt, blieb sogar ungeschlagen. Man merkt, dass die vor Jahren etablierten Fußball-Akademien im Land nun Früchte tragen. David Alaba wurde etwa vor seiner Zeit in München bei Austria Wien ausgebildet, Sebastian Prödl bei Sturm Graz. Man sieht, dass einige Österreicher im Ausland Fuß gefasst haben, dort zu Führungsspielern gereift sind. Davon profitiert natürlich das Nationalteam. Die Gruppe mit Portugal, Ungarn und Island bezeichnen viele auf den ersten Blick als einfach, durch die Ausgeglichenheit hat sie aber auch ihre Tücken. Wenn sie jedoch die Form aus der Quali abrufen, können sie weiterkommen. Sollte es nicht gelingen, darf man aber auch nicht enttäuscht sein. Sich auf diese Weise qualifiziert zu haben, ist á la bonheur.

Wir müssen schauen, dass wir noch mehr Akteure aus der Liga ins Nationalteam bringen.

Franco Foda über die ÖFB-Auswahl

kicker: Kann die Liga trotz der vielen Legionäre von der Nationalelf profitieren?

Foda: Es ist leider mittlerweile so, dass die Topspieler aber auch viele Talente schon früh den Schritt ins Ausland gehen. Darunter leidet die Liga schon. Auf der anderen Seite profitiert sie auch von dem Hype. Wir müssen schauen, dass wir noch mehr Akteure aus der Liga ins Nationalteam bringen. Es macht ja den Fußball aus, dass sich die Fans auch ein Stück weit mit guten Spielern aus der Heimat in ihren Klubs identifizieren wollen.

kicker: Zum Abschluss: Was würden Sie sich alternativ als erstes Google-Schlagwort mit Ihrem Namen wünschen?

Foda: Franco Foda Mondlandung. Da würde ich gerne mal hin (lacht).

Interview: Carsten Schröter