EM

EM: 65.000 lassen Cristiano Ronaldo kalt - und seine Rekorde auch

Portugals Superstar und sein "Wunsch"

65.000 lassen Cristiano Ronaldo kalt - und seine Rekorde auch

Visiert mit Portugal den zweiten EM-Titel an: Cristiano Ronaldo von Juventus Turin.

Visiert mit Portugal den zweiten EM-Titel an: Cristiano Ronaldo von Juventus Turin. imago images

Aus Budapest berichtet Jörg Wolfrum

Wer das dramatische EM-Finale von 2016 noch vor Augen hat, der weiß: Cristiano Ronaldo ist auch ein absoluter Teamplayer. Verletzt und unter Tränen ausgewechselt, coachte der humpelnde Star damals an der Seite von Trainer Fernando Santos eifrig mit, trieb seine Mannen an, stieß den Coach mehrmals - und sah schließlich, wie "Meister Eder" in der Verlängerung in der 109. Minute gegen Frankreich das entscheidende 1:0 markierte.

Spielersteckbrief Cristiano Ronaldo
Cristiano Ronaldo

Dos Santos Aveiro Cristiano Ronaldo

Spielersteckbrief José Fonte
José Fonte

da Rocha Fonte José Miguel

Trainersteckbrief Santos
Santos

Santos Fernando

Europameisterschaft - Vorrunde, 1. Spieltag
mehr Infos
Europameisterschaft - Tabelle - Gruppe F
Pl. Verein Punkte
1
Portugal Portugal
3
2
Frankreich Frankreich
3
3
Deutschland Deutschland
0

Nun geht es für die Iberer nach dem ersten großen Titel der Landesgeschichte um die Wiederholung dieses Coups von vor fünf Jahren.

Und genau dieses Ziel, dieser große Titel, steht auch für CR7 höchstpersönlich wieder über allem - vor allem auch über seinen persönlichen Rekorden. Der Fakt, dass der Stürmer mit seiner fünften EM-Teilnahme in dieser Kategorie fortan ganz vorne liegen wird (Iker Casillas hat bei fünf Teilnahmen nur dreimal gespielt), beschäftigt ihn wenig: "Abgesehen von diesem Rekord, über den ich nicht ausgelassen rede, ist es ein guter Rekord. Ein besserer Rekord wäre es aber, zweimal hintereinander die Europameisterschaft zu gewinnen."

"Nichts erschüttert uns"

Und auch der Umstand, dass Cristiano Ronaldo mit einem weiteren EM-Tor - es wäre sein zehnter bei Europameisterschaften - alleiniger Rekordtorschütze vor dem Franzosen Michel Platini werden kann, lässt ihn eher kalt. Vielmehr interessiert den Serie-A-Torschützenkönig von Juventus (29 Treffer in 33 Partien), dass sein gesamtes Team um weitere Stars wie Bruno Fernandes von Manchester United zu 100 Prozent fokussiert ist - und allen voran das mit einem Sieg einkalkulierte Auftaktspiel in Ungarn gewinnt. Schließlich warten danach noch Kaliber wie Deutschland und Weltmeister Frankreich. "Wir sind bereit", versichert CR7 sichtlich selbstbewusst an diesem Montag auf der Pressekonferenz. "Ich hoffe, wir legen gut los und gewinnen." Am besten jedes Spiel inklusive Finale.

Dass genau beim ersten Spiel in Budapest direkt "eine volle Hütte" mit 65.000 Zuschauern auf die Portugiesen wartet, spornt CR7 diesbezüglich nur noch weiter an: "Die Zuschauer werden auf ihrer Seite sein, aber es ist gut, vor Publikum zu spielen." Und auch die corona-bedingte Abreise von Stammspieler Joao Cancelo lässt ihn und Portugals Team nicht einknicken: "Nichts erschüttert uns, was von außen kommt. Es beeinflusst uns nicht."

Genauso wenig wie Kritiker die Leistungen von CR7, der mit Juve "nur" Pokalsieger geworden ist und gerade so die Champions League erreicht hat, beeinflussen. "Er ist noch immer eine Bestie, deshalb sollte man nichts anderes als etwas Fantastisches von ihm erwarten", sagt der 37-jährige Abwehrkollege José Fonte über den 36-jährigen Anführer.

Das sind die elf Stadien der EM 2020

CR7 und die "guten Zeiten"

"Ich bin nicht mehr der Spieler, der ich mit 18 Jahren war. Auch nicht der von vor zehn Jahren oder fünf. Man passt sich an. Die Intelligenz eines Spielers zeugt auch davon, sich an Bedingungen anzupassen. Das Spiel selbst hat sich geändert. Langlebige Spieler sind die, die darauf reagieren konnten. Die Zahlen sprechen für sich: Ich habe mich als 18-Jähriger auf das Spiel eingestellt und tue es als 36-Jähriger. Ich arbeite immer darauf hin, die Ziele zu erreichen. Persönlich wie auch mit dem Team. Es waren gute Zeiten. Ich habe es geschafft, mich jeweils sehr gut zu akklimatisieren", erklärt der Dauerbrenner.

Und deshalb hat er es auch im Laufe seiner Seleçao-Karriere, die im August 2003 mit einem 1:0 über Kasachstan begonnen hat, geschafft, 104 Tore in 175 Länderspielen zu erzielen. Weltrekordhalter ist noch der Ex-Bundesliga-Spieler Ali Daei aus dem Iran mit 109 Treffern. Super-Goalgetter Cristiano Ronaldo sagt dazu nur wiederholend: "Rekorde sind nicht das Ziel. Sie kommen von alleine. Wenn ich gegen Ungarn treffe, bin ich glücklich. Weil es dann bedeutet, dass wir dem Sieg wohl näher sind. Und das Wichtigste ist eben gewinnen. Rekorde sind nur Beiwerk." Deshalb will er auch nicht das anstehende Spiel in der Puskas-Arena mit dem 3:3 in der Gruppenphase der EM 2016 in Frankreich vergleichen, als er in Lyon gegen Ungarn doppelt getroffen hat. "Wichtig sind Siege, der Rest ist Smalltalk." Also: "Wir", und da meint er mit Blick auf die Rekordjagd letztlich doch auch sich, "werden versuchen, beides zu erreichen. Das unterschreibe ich: Spielen und gewinnen."

mag/Jörg Wolfrum