Entlassener Trainer von 1860 München im Interview

Möhlmann: "Ich verstehe die Verantwortlichen"

Benno Möhlmann

"Man fühlte sich so unter Druck, nun etwas machen zu müssen": Benno Möhlmann, Ex-Trainer von 1860 München. Getty Images

Am Nachmittag verabschiedete sich Benno Möhlmann von seiner Mannschaft, nachdem ihn 1860 München nach fünfeinhalb Monaten beurlaubt hatte . Am morgigen Mittwoch will der 61-Jährige dann per Auto nach Bremen fahren, wo seine Familie wohnt. Dem kicker gab er vorher ein Interview.

kicker: Herr Möhlmann, wie überraschend kam die Entlassung für Sie?

Benno Möhlmann: Ich muss sagen, dass ich nach dem Spiel in Duisburg nicht unbedingt damit gerechnet habe. Das ist richtig. Aber nach den Medienberichten gestern habe ich mir schon gedacht, dass es schwer wird, da noch heil rauzukommen.

kicker: Was wurde Ihnen denn konkret vorgeworfen?

Möhlmann: Wenig. Es ging eher darum, dass es für die Verantwortlichen im Verein eine unheimliche Drucksituation ist und dass sie irgendwo nochmal einen Reiz setzen wollten. Ich habe ja auch selber gesagt, dass man die Jungs mehr in die Verantwortung nehmen muss. Mit diesem Schritt ist das nun passiert. Man kann nun nochmal mehr fordern. Mit Biero kann man nun jemanden vorneweg laufen lassen, der zudem bei den Fans sehr beliebt ist.

Das ist auch meine Geschichte.

kicker: Fühlen Sie sich ein Stück weit auch befreit?

Möhlmann: So weit bin ich noch nicht. Natürlich muss ich aber sagen, dass wir nach den drei Siegen in den Spielen danach die Führungen nie ins Ziel retteten. Das ist für mich auch nicht absolut erklärlich. Das muss ich sagen. Insofern ist das auch mit meine Geschichte.

kicker: Hört sich so an, als hätten Sie Verständnis für den Verein.

Möhlmann: Ja, dass die Verantwortlichen überlegen, wie man da rauskommt, ist legitim. Das verstehe ich.

kicker: Wurde Ihnen gegenüber denn gesagt, dass Ihr Verhältnis zur Mannschaft ein Grund für die Entlassung gewesen sei?

Möhlmann: Nein, nein, überhaupt nicht. Da gab es von niemandem Andeutungen zu.

kicker: Sie sind also ein Opfer Ihrer Erfolglosigkeit.

Möhlmann: Das ist im Grunde so. Wir hatten zwei erfolgreiche Phasen, aber leider konnten wir die nie mit einer stabilen Mannschaftsleistung fortführen. Das ist ja Fakt, da führt kein Weg dran vorbei. Und damit entstand ein Druck auf die, die Verantwortung haben. Ich weiß nicht, wer den genau ausübt, ob nun Präsidium, Investor, Beirat oder Fangruppen. Das kann ich nicht genau sagen. Aber man fühlte sich so unter Druck, nun etwas machen zu müssen.

Hätte er den Abstieg verhindert? "Ich glaube schon"

kicker: Haben Sie versucht, Oliver Kreuzer von einer Weiterbeschäftigung zu überzeugen?

Möhlmann: Darum ging es eigentlich nicht in dem Gespräch. Ich habe ja auch zum kicker vorher gesagt, dass man ein eindeutiges Bekenntnis braucht, sonst macht es keinen Sinn. Wenn es dann mal so weit ist, wie es jetzt war, dann nützt auch kein Lippenbekenntnis mehr. Insofern habe ich heute Morgen die Entscheidung akzeptiert.

kicker: Glauben Sie, Sie hätten die Mannschaft noch vor dem Abstieg bewahren können?

Möhlmann: Ich glaube schon. Gerade nach dem Gespräch nach dem Duisburg-Spiel mit der Mannschaft hatte ich das Gefühl, dass das Team auch so mehr Verantwortung übernommen hätte und dass wir für die letzten vier Spiele einen gemeinsamen erfolgreichen Weg gefunden hätten. Ich muss aber auch akzeptieren, dass Oliver das nicht so sieht und dem anderen Weg mehr vertraut.

kicker: Wie bitter ist das jetzt für Sie?

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Möhlmann: Die Wintervorbereitung war ja eine positive Zeit. Danach sind wir ja alle sehr optimistisch in die restlichen Spiele gegangen. Da wurde einiges besser, aber der sofortige Erfolg blieb erst mal aus. Das hat mächtig gestört. Dass wir dann nach unserer Siegesserie nicht mehr gewinnen konnten, das ist auch für mich nicht nachvollziehbar gewesen. Ich gestehe dann schon auch den Verantwortlichen zu, dass sie dann auch Zweifel bekommen.

kicker: Haben Sie Fehler gemacht?

Möhlmann: Ich habe sicher auch Fehler gemacht, aber die werde ich jetzt nicht aufzählen.

kicker: Werden Sie sich mit Daniel Bierofka austauschen?

Möhlmann: Sicher werde ich heute mit ihm noch sprechen, entweder auf dem Trainingsgelände, wo ich mich von der Mannschaft verabschiede, oder ich rufe ihn an. Ich habe keine negativen Gedanken oder Gefühle ihm gegenüber, im Gegenteil.

Interview: Mounir Zitouni