Bundesliga

Wie Kuranyi Klopp beim BVB rettete

Liverpool-Trainer gibt Derby-Anekdoten zum Besten

Wie Kuranyi Klopp beim BVB rettete

Jürgen Klopp nach dem 3:3 gegen Schalke 2008

"Es war ein wichtiger Moment in der ganzen Dortmund-Story": Jürgen Klopp am 13. September 2008. picture alliance

Das Merseyside-Derby wird auch "Friendly Derby" genannt, die Fans des FC Liverpool und des FC Everton gehen meist anständig miteinander um. Im Ruhrgebiet ist das nicht immer so. "Seit ich hier bin, habe ich das Gefühl, dass die Rivalität zwischen Dortmund und Schalke aggressiver ist", berichtet Jürgen Klopp im "Liverpool Echo" - und nennt Beispiele.

"Du würdest beispielsweise nicht für Dortmund arbeiten, wenn du Schalke-Fan bist, keine Chance!", erklärt er. "Wenn du sagen würdest: 'Okay, ich kann dies und das, kann ich für euch arbeiten?', würden sie fragen: 'Welcher Verein?' Sagst du dann 'Schalke', sagen sie: 'Danke und tschüss!'"

Von 2008 bis 2014 trainierte Klopp den BVB, Derbys erlebte er in dieser Zeit reichlich. Doch vielleicht, unkt er, wäre es nie zu einer solchen Ära gekommen, hätte sich Kevin Kuranyi nicht gnädig gezeigt an jenem 13. September 2008. Es ist bis heute Klopps denkwürdigstes Derby-Erlebnis.

In dem Moment habe ich an meine Frau gedacht. Ich dachte: 'Ich hoffe, sie weiß noch, wo die Koffer sind, denn vielleicht müssen wir sie gleich wieder packen!'

Jürgen Klopp

"In meiner ersten Saison haben wir am vierten Spieltag gegen Schalke gespielt", erinnert er sich. "Unsere ersten drei Spiele waren gegen Leverkusen, Bayern und Cottbus, aber niemand hat über diese Spiele gesprochen. Gegen Leverkusen, eine sehr gute Mannschaft, hätten wir 0:6 verlieren können, und keinen hätte es interessiert (Der BVB gewann 3:2, d.Red.). So erfolglos, wie der Klub damals war, war das einzige wirklich interessante Spiel in jedem Jahr das Derby. In Dortmund sagen sie, dass das Derby wichtiger ist als die Meisterschaft. Du kannst es rund um das Spiel spüren. Und mein erstes hat nicht so gut angefangen..."

In der Tat, Schalke führte nach 54 Minuten in Dortmund mit 3:0, Klopp drohte ein Debakel. "Schalke hätte noch ein weiteres Tor schießen müssen, sie hatten in der zweiten Halbzeit eine der größten Torchancen, die ich je in meinem Leben gesehen habe: Kevin Kuranyi steht zehn oder 15 Zentimeter vor dem Tor - und verfehlt den Ball! Es hätte 4:0 stehen können! In dem Moment", lacht Klopp, "habe ich an meine Frau Ulla gedacht. Ich dachte: 'Ich hoffe, sie weiß noch, wo die Koffer sind, denn vielleicht müssen wir sie gleich wieder packen!'"

"Das hat sich besser als ein Sieg angefühlt, um ehrlich zu sein"

Kuranyis Großchance war zwar eher ein Kopfball aus fünf Metern denn ein Luftloch Zentimeter vor dem Tor - doch Klopp hat die Bedeutung dieses Moments nicht vergessen. "Wenn sie das 4:0 machen, hätte das alles verändert. Doch so kamen wir zurück." Neven Subotic traf mit dem Kopf (67.), der zur Pause eingewechselte Alexander Frei, der laut Klopp nach langer Verletzungspause eigentlich nur in den letzten Minuten hätte spielen sollen, aus gut 20 Metern in den Winkel - allerdings aus Abseitsposition (70.). Und nach zwei Platzverweisen für Schalke (Pander, Ernst) behielt Frei auch beim Handelfmeter in der 89. Minute die Nerven: 3:3.

"Das hat sich besser als ein Sieg angefühlt, um ehrlich zu sein", verrät Klopp. "Es war der Beginn von etwas. Es war ein wichtiger Moment in der ganzen Dortmund-Story." Und er hatte offenbar auch Auswirkungen auf Klopps direkte Nachbarschaft. "Meine beiden Nachbarn in meiner Straße waren Schalke-Fans. Sie haben das jeden Tag mit Fahnen gezeigt. Wenn wir gegen sie verloren hatten und sie mich am nächsten Tag gesehen haben, riefen sie: 'Guten Morgen!' Wenn aber wir gewonnen hatten, sagten sie nicht mal 'Hallo'."

Die Everton-Fans findet Klopp "ziemlich freundlich"

In Liverpool, betont Klopp, sei das "ein bisschen anders". Die Everton-Fans, denen er bisher begegnete, seien "ziemlich freundlich" gewesen. Ob sich das bei einem Heimsieg im Premier-League-Nachholspiel am Mittwoch (21 Uhr) ändert? Oder hat jene Freundlichkeit womöglich ganz andere Gründe? "Am Anfang", scherzt Klopp, "habe ich gedacht: Vielleicht freuen sie sich nur, dass ich hier bin, weil das bedeutet, dass Liverpool in den nächsten 20 Jahren keinen Erfolg mehr haben wird."

jpe

Ja, es ist Liebe: Klopps erstes Liverpool-Jahr in Sprüchen