Ersetzt der Portugiese Laurent Blanc in Paris?

Die Spur von Mourinho führt an die Seine

Polarisiert die Massen - bald auch in Frankreich? Der derzeit arbeitslose Trainer José Mourinho.

Polarisiert die Massen - bald auch in Frankreich? Der derzeit arbeitslose Trainer José Mourinho. Getty Images

Das krachende 6:0 über Caen, immerhin Tabellenneunter in Frankreich, zeigte am Wochenende einmal mehr, wie wenig Paris St. Germain in der heimischen Liga gefordert wird. Angesichts der extrem schwächelnden Konkurrenz kann PSG den Fokus anders legen, zum Beispiel auf die Jagd nach immer neuen Bestmarken: 86 Punkte nach 34 Spielen, das gab es in Frankreich noch nie. Bei 89 Zählern liegt der Höchstwert, der je von einer Mannschaft innerhalb einer Saison erreicht wurde. Bei noch vier ausstehenden Spielen ist es doch äußerst wahrscheinlich, dass der französische Hauptstadtklub den eigenen Rekord aus der Spielzeit 2013/14 knackt.

Europäischer Rekord? - Ibrahimovic auf der Jagd

Damit nicht genug: Paris jagt obendrein eine europäische Bestmarke, die Celtic Glasgow in der Saison 2013/14 aufstellte. Damals gewannen die Schotten die nationale Meisterschaft mit sagenhaften 29 Punkten Vorsprung, PSG hat aktuell derer 28 auf "Verfolger" Monaco. Großen Anteil daran, dass Paris einsam seine Kreise zieht, hat Zlatan Ibrahimovic. Der Schwede erzielte am Wochenende einen Doppelpack, schraubte sein Torekonto in der Liga auf 32 Treffer hoch. So viele gelangen "Ibra" binnen einer Spielzeit noch nie. Nicht nur, dass er damit der aktuell beste Torjäger in Europas Top-Ligen ist, Ibrahimovic ist auch der erste Spieler seit Carlos Bianchi (1977/78, 37 Treffer), der in der Ligue 1 in einer Saison mehr als 30-mal traf.

Ruht sich nicht auf seinen Bestmarken aus: Zlatan Ibrahimovic.

Ruht sich nicht auf seinen Bestmarken aus: Zlatan Ibrahimovic. Getty Images

Durch seine beiden Tore ist der 34-Jährige zudem der neue Rekordschütze im Parc des Princes. Bereits vor der Partie war er durch seine bislang 78 Treffer im Prinzenpark mit Pauleta (2003 bis 2008 bei PSG) gleichgezogen, nun steht er bei stolzen 80. Zahlen über Zahlen, eine wirklich herausragende Saison kann es trotz der bevorstehenden Meisterschaft und den guten Chancen in Pokal und Ligapokal aber nicht mehr werden. Zu tief sitzt der Stachel des Scheiterns in der Champions League .

Kein Wunder also, dass Stammkraft Blaise Matuidi nach dem 6:0 gegen Caen davon sprach, "die Saison gut zu beenden". Beenden ist dabei das Stichwort, das auch für die Arbeit von Trainer Laurent Blanc gelten könnte. Schließlich messen die katarischen Geldgeber um Präsident Nasser Al-Khelaifi den Weltmeister von 1998 an seinen Leistungen, speziell denen in der Königsklasse. Und da scheiterten Blancs Schützlinge nicht nur zum vierten Mal in Folge im Viertelfinale, der Fußballlehrer musste sich aus den eigenen Reihen auch noch harsche Kritik gefallen lassen .

Verwirft Mourinho das United-Projekt?

Darf nach seinem Pferdekuss pausieren: Kevin Trapp.

Darf nach seinem Pferdekuss pausieren: Kevin Trapp. Getty Images

Nicht die besten Voraussetzungen, um auch in Zukunft weiter das Zepter bei PSG zu schwingen. Gerade weil mehrere spanische Zeitungen in den vergangenen Tagen einen interessanten Namen für die Nachfolge nannten: José Mourinho. Der Portugiese wurde beim FC Chelsea Mitte Dezember des vergangenen Jahres geschasst, ist seitdem auf Vereinssuche. Bei Manchester United soll er lange hoch im Kurs gestanden haben, den wackeligen Trainer-Stuhl von Louis van Gaal solle aber im Fall der Fälle Assistent Ryan Giggs übernehmen.

Was Mourinho neben des Mitwirkens an einem größeren Projekt reizen könnte, ist der Fakt, dass PSG in der kommenden Spielzeit (und wohl auch in den nächsten Jahren) eine Garantie auf die Champions League besitzt. In der konkurrenzstarken Premier League ist das mit Manchester United nicht einmal für die kommende Spielzeit gewährleistet. Was finanzielle Mittel anginge, wäre Mourinho in Paris zumindest nicht viel schlechter dran.

Von der möglichen Zukunft zurück in die Gegenwart: Am Dienstagabend gewann Paris im Pokal-Halbfinale beim FC Lorient mit 1:0 - es war der sechste Pflichtspielsieg in Folge gegen das Team aus der Bretagne. Zlatan Ibrahimovic traf in der 75. Minute und sorgte damit für den Finaleinzug und die Chance auf den zehnten Pokal-Triumph. Bei einem erneuten Pokalsieg würde der französische Krösus zu Rekordhalter Marseille (zehn Titel) aufschließen.

msc