Int. Fußball

Die ausgedienten Stars: Totti, Toni und di Natale

Serie A, 32. Spieltag: Ist die Spannung oben raus?

Die ausgedienten Stars: Totti, Toni und di Natale

Francesco Totti, Luca Toni, Antonio di Natale

39, 38, 38: Francesco Totti, Luca Toni, Antonio di Natale befinden sich definitiv am Ende ihrer Karriere. Wie lange geht es noch? Getty Images

Tottis leiser Abschied?

Zu anderen Zeiten hätte der Capitano ein 4:1 über den Stadtrivalen Lazio Rom aktiv auf dem Feld erlebt, vor den Fans ein Selfie mit dem Handy geschossen, die Fahne geschwenkt, eine freche Parole gegen den Erzrivalen auf einem T-Shirt in die Kamera gehalten oder eine TV-Kamera in die Hände genommen. Doch am vergangenen Sonntag verschwand Francesco Totti nach den 90 Minuten Fußball schnurstracks in die Kabine, ohne ein Lächeln im Gesicht und einmal mehr enttäuscht. Der Grund: Die sportliche Heiligenfigur der Giallorossi saß 90 Minuten auf der Bank. Das unrühmliche Ende der Ikone steht bevor, mit 39 Jahren, knapp 23 Jahre nach seinem Debüt 1993, nach über 700 Einsätzen, nach 300 Toren.

Spielersteckbrief Totti
Totti

Totti Francesco

Spielersteckbrief Toni
Toni

Toni Luca

Spielersteckbrief Barzagli
Barzagli

Barzagli Andrea

Spielersteckbrief di Natale
di Natale

di Natale Antonio

Spielersteckbrief Candreva
Candreva

Candreva Antonio

Spielersteckbrief Higuain
Higuain

Higuain Gonzalo

Serie A - 32. Spieltag
Serie A - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Juventus Turin
76
2
SSC Neapel
70
3
AS Rom
64
Serie A - Torjäger 2015/16
Higuain Gonzalo
30
Bacca Carlos
14
Dybala Paulo
14

Es ist inzwischen still geworden um den Capitano, der anfangs noch gegen Trainer Luciano Spalletti öffentlich Kritik geäußert und mehr Einsatzzeit gefordert hatte : "Ich kann nicht so aufhören. Ich verlange Respekt für das, was ich in den vielen Jahren geleistet habe." Doch der neue Macher der Roma blieb und bleibt bislang knallhart - und hatte schon damals gesagt: "Ich trainiere die Roma, nicht Totti."

Die Argumente - das muss angeführt werden - sprechen in dieser Causa für Spalletti. Der 57-Jährige hievt das junge Römer Team um Stephan El Shaarawy (23), Mohamed Salah (23), Miralem Pjanic (26), Alessandro Florenzi (25) oder den Deutschen Antonio Rüdiger (23) derzeit auf ein neues Level, das zugleich Hoffnung für die neue Saison macht: Neun Siege aus den letzten zehn Ligaspielen (ein Remis) sind ein klares Statement, das die Roma (63 Punkte) auf Rang drei zurückgeführt und dort mit derzeit sieben Zählern Vorsprung gefestigt hat. Gelingt sogar noch ein Angriff auf den sicheren Champions-League-Rang zwei, den Neapel mit 67 Punkten innehat? Im Heimspiel am Montag (20.45 Uhr) gegen Bologna werden neue Erkenntnisse folgen. Dass Totti hierbei abermals auf der Bank sitzen wird, steht wohl außer Frage.

Totti, Toni, di Natale - Absprung verpasst?

Weiter nördlich der Hauptstadt Italiens zogen sich Antonio di Natale und Luca Toni (beide 38) im Gegensatz zu Totti nicht einmal den Trainingsanzug über. Die beiden hocherfahrenen Athleten gehörten erst gar nicht dem Kader von Udine und Hellas Verona an. Kein Land mehr für altverdiente Männer, dieses Italien? Es wäre freilich eine notwendige Tendenz. Ende 2015 positionierte sich die heimische Beletage in puncto Altersdurchschnitt (27,1 Jahre) auf Europa-Rang zwei hinter der Türkei (27,3).

Francesco Totti

Meilenstein: Mit seinem Tor gegen Manchester City 2014/15 stieg Francesco Totti mit 38 Jahren und drei Tagen zum ältesten Torschützen der CL-Geschichte auf. Getty Images

Eine Frage stellt sich hierbei: Haben die drei Herren nach insgesamt 1378 Serie-A-Spielen und 608 Toren den Absprung verpasst? Weltmeister Toni krönte sich 2014/15 mit 22 Treffern zum ältesten Torschützenkönig aller Zeiten, Vize-Europameister di Natale brachte es auf 18 Tore in 34 Pflichtspielen und Weltmeister Totti gelang neben 36 (!) Einsätzen 2014/15 der Rekord als ältester Schützer der Champions League (38 Jahre und drei Tage). Dass die drei Spieler Aushängeschilder waren und auch im hohen Alter noch sein können, steht außer Frage. Das hat auch Roma-Coach Spalletti angedeutet: "Wenn es nur um die Füße ginge, würde ich Totti noch fünf Jahre an den Klub binden." Er ergänzte aber mit Hinblick auf etwaige Alterserscheinungen: "Es ist aber der Rest des Körpers ..."

Ist die Spannung raus?

Zurück zum aktuellen Geschehen auf den Plätzen der Serie A, wo seit dem letzten Spieltag im Kampf an der Spitze und ums internationale Geschäft ein wenig die Luft raus ist. Warum?

Weil Napoli überraschend mit 1:3 in Udine verlor, Stürmer-Ass Gonzalo Higuain vom Platz flog sowie für die vier kommenden Spiele gesperrt ist und Tabellenführer Juventus Turin stabil wie eh und je ist. 20 von den letzten 21 Ligaspielen konnte das Team von Trainer Massimiliano Allegri gewinnen (ein Remis). Die Alte Dame macht keinerlei Anstände, die fünfte (!) Meisterschaft in Serie noch aus der Hand geben zu wollen. Juve-Verteidiger Andrea Barzagli bringt es vor dem Duell am Samstag (20.45 Uhr) bei Milan, bei dem Khedira fehlen wird, weil das Berufungsgericht des italienischen Verbandes trotz Einspruch keine Reduzierung seiner Zwei-Spiele-Sperre vornahm, selbstbewusst auf den Punkt: "Sollten wir gewinnen, wäre das ein großer Schritt Richtung Scudetto."

Antonio Candreva

Ist mit dem Saisonverlauf von Lazio Rom absolut nicht zufrieden: Antonio Candreva. Getty Images

Weil das mit 49 Punkten auf Rang sieben stehende Milan selbst seit vier Spielen nicht mehr gewonnen hat (zwei Pleiten, zwei Remis) und deswegen den Kontakt zu Inter (55 Zähler) und Florenz (56) abreißen hat lassen. "Ich verstehe nicht, wie unsere negative Form passieren konnte", äußerte sich jüngst AC-Geschäftsführer Adriano Galliani nach einem Besuch am Milanello, dem Trainingszentrum der Rossoneri. "Wir hatten zuvor unter anderem Spiele gegen vier Teams vor uns. Wir haben Florenz und Inter besiegt, gegen die Roma und Napoli remis gespielt. Aber gegen Teams, die unter uns stehen, haben wir nun viermal keinen Sieg erzielen können. Das verstehe ich nicht." Neuerliche Kritik an Trainer Sinisa Mihajlovic wollte Galliani aber nicht aufkommen lassen: "Wir stehen hinter Mihajlovic. Wir haben uns für ihn entschieden, er ist hier und hat noch zwei Jahre Vertrag. Das Team steht ebenfalls hinter ihm. Nach 30 Jahren in diesem Geschäft weiß ich, ob eine Mannschaft für oder gegen einen Trainer ist."

Wir spielen eine lächerliche Saison.

Antonio Candreva

Weil Lazio Rom, das mit Weltmeister Miroslav Klose am Sonntag (20.45 Uhr) in Palermo gastiert, längst abgemeldet ist. Ein Platz im oberen Mittelfeld - mehr wird nicht drin sein. Dementsprechend enttäuscht ist man im Lager der Biancocelesti. Das brachte der italienische Nationalspieler Antonio Candreva nach dem deutlichen 1:4 im Derby della Capitale gegen die Roma und der direkt anschließenden Trainerentlassung von Stefano Pioli sichtlich frustriert auf den Punkt: "Wir spielen eine lächerliche Saison." Neuer Mann an Bord, der das römische Schiff auf Kurs bringen soll: Simone Inzaghi (40), der jüngere Bruder von Milan-Legende Filippo Inzaghi.

mag/Oliver Birkner