Der VfB Stuttgart verliert seinen Topscorer

"Wollte nicht zocken": Didavi wechselt nach Wolfsburg

Daniel Didavi

Traf gegen seinen zukünftigen Verein doppelt: Daniel Didavi jubelt Mitte Dezember für die Stuttgarter gegen Wolfsburg. imago

Zehn Tore, fünf Assists - ohne Daniel Didavi stünde der VfB Stuttgart wohl nicht sechs Punkte über den Abstiegsrängen. Entsprechend hart kämpften die Verantwortlichen um Sportvorstand Robin Dutt um einen Verbleib des Mittelfeldspielers, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft. Vergeblich: Didavi zieht es ablösefrei zum VfL Wolfsburg, er unterschrieb bis 2021. Ein Transfer, über dessen Tendenz der kicker bereits am 17. März berichtet hatte.

Im vergangenen Sommer noch hatte Dutt ein spätes Millionen-Angebot von Bayer Leverkusen für Didavi abgelehnt, diesmal waren ihm die Hände gebunden. "Es waren sehr viele intensive und offene Gespräche. Dida hat immer mit offenen Karten gespielt", sagte Dutt am Dienstag in Stuttgart, als er zusammen mit Didavi die Öffentlichkeit informierte. Er selbst war schon deutlich früher informiert.

"Dida hat uns in der Winterpause seine Entscheidung mitgeteilt", verriet Dutt. "Wir müssen diese schweren Herzens akzeptieren. Wir hätten ihn gerne gehalten, aber es ist auch Normalität, dass ein Spieler wie er wechselt." Weil der VfB im Januar "in einer schwierigen Situation" war, habe man sich damals entschieden, es nicht sofort bekanntzugeben.

"Die schwerste Entscheidung in meinem Leben"

Didavi sprach von der "schwersten Entscheidung in meinem ganzen Leben". Kein Wunder: "Ich habe bereits in der F-Jugend für den VfB gespielt." Lediglich die Saison 2011/12 verbrachte er "auswärts" beim 1. FC Nürnberg. Stuttgart hielt danach auch während der schweren Knieverletzung an ihm fest, sein Potential war schließlich bekannt.

"Es waren ehrliche Gespräche", erklärte Didavi. "Ich wollte nicht zocken. Wer mich kennt, der weiß, dass es eine sportliche Entscheidung war." Die Situation habe ihn "natürlich etwas belastet" - das habe man besonders in den letzten beiden Spielen gemerkt (kicker-Note 5 gegen Leverkusen; 4,5 in Darmstadt). Deswegen sei er "froh, dass wir meine Entscheidung jetzt kommuniziert haben".

"Ich kann mich mit dem VfL sehr gut identifizieren"

Das Ausland sei für ihn keine Option gewesen, dort habe man es schwer, "wenn man keinen großen Namen hat oder Nationalspieler ist". Auch deswegen passt Wolfsburg. Warum noch? "Ich kann mich mit den Zielen und dem VfL sehr gut identifizieren", erklärte Didavi. Und dann ist da noch Dieter Hecking, sein Förderer in Nürnberg, "der Trainer, der mich zum Bundesliga-Spieler gemacht hat". Zum gestandenen jedenfalls, debütiert hatte er schließlich schon vor seinem Franken-Intermezzo 2010 im VfB-Trikot.

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Jetzt träumt Didavi vom Europapokal - ob Wolfsburg ihm den sofort bieten kann, ist derzeit aber fraglich: Der VfL liegt als Tabellenachter sechs Punkte hinter Europa-League-Rang sechs. Über seinen Kommentar von Dezember ("Von der Champions League träumt jeder Fußballer") sagt er heute: "Vielleicht war das zu offensiv."

Offiziell denkt Didavi aber jetzt noch nicht an die neue Spielzeit: "Die Saison ist noch nicht vorbei. Ich möchte in den nächsten Spielen den Dida zeigen, den die Leute hier kennen."

jpe

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