Gladbacher lobt Ex-Klub Hertha

Zahlen zeigen: Raffael so gut wie nie

Raffael

Form top, Einsatz fraglich: Raffael. imago

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit - den Raffael (31), obwohl die Chancen nicht gerade günstig stehen, unbedingt gewinnen will. Für den Gladbacher ist das Top-Spiel am Sonntag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de) nicht nur ein Duell mit einem Konkurrenten um die Champions League. Es ist das Wiedersehen mit seiner alten Liebe Hertha BSC, mit dem Klub, der ihm zum Durchbruch in der deutschen Fußball-Bundesliga verholfen hat.

"Spiele gegen die Hertha sind für mich immer etwas ganz Besonderes", sagt Raffael, der häufig in der Hauptstadt zu Besuch ist, "weil ich dort noch viele Freunde habe". Also heißt es ranklotzen in der Reha, damit der Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel, den sich der Brasilianer gegen Schalke (1:2) vor der Länderspielpause zugezogen hat, rechtzeitig verheilt. Die Rest-Hoffnung auf ein Blitz-Comeback bleibt. Bei Raffael selbst. Und bei den Borussen-Fans.

Einen günstigen Zeitpunkt, sich eine Verletzung einzufangen, gibt es eigentlich nie. Raffael traf es allerdings genau in einer Phase, in der er sich nach eigener Aussage in der Form seines Lebens befand. "Das ist momentan der beste Raffa aller Zeiten", sagte der Torjäger im großen kicker-Interview vor dem Schalke-Spiel. Die Zahlen belegen die Einschätzung und machen deutlich, warum die Borussen so sehr die schnelle Rückkehr ihres Zauberfußes herbeisehnen.

Höchster Anteil an Teamtoren, alle 179 Minuten ein Treffer

Mit aktuell 13 Toren und zehn Assists beträgt Raffaels Anteil an den insgesamt 54 Gladbacher Teamtoren stolze 43 Prozent - eine höhere Quote erreichte der 31-Jährige in seiner Karriere noch nicht (siehe Grafik)! In der vergangenen Saison lag sein Anteil an den Teamtoren bei 26 Prozent, in der Spielzeit 2013/14 (der ersten im Gladbacher Trikot) waren es 37 Prozent. Damit toppt er auch jegliche Werte aus seinen viereinhalb Jahren bei Hertha BSC (Januar 2008 bis Sommer 2012). Dort lag sein Bestwert bei 39 Prozent, als er in der Spielzeit 2011/12 mit sechs Treffern und neun Vorlagen an den insgesamt 38 Berliner Toren beteiligt war.

Hertha (bis 2011/12, Schalke (2012/13), Gladbach (seit 2013/14): Raffaels Anteil an den Teamtoren in seinen bisherigen BL-Saisons.

Hertha (bis 2011/12, Schalke (2012/13), Gladbach (seit 2013/14): Raffaels Anteil an den Teamtoren in seinen bisherigen BL-Saisons. kicker

Raffael so gut wie nie - das zeigt auch eine andere Statistik. In dieser Saison erzielt der Torjäger im Schnitt alle 179 Minuten einen Treffer. Sein Top-Wert aus Berliner Zeit: Ein Tor alle 325 Minuten, erreicht in der Saison 2007/08.

Über die Entwicklung seines Ex-Klubs freut sich Raffael, auch wenn der Borussia dadurch ein neuer Konkurrent um einen Platz in der Bundesliga-Spitzengruppe erwachsen ist. "Die Hertha macht es richtig, richtig gut. Ich drücke der Hertha die Daumen, dass sie den Europapokal erreicht", sagt Raffael und hebt besonders die Arbeit seines früheren Mitspielers in Berlin hervor: "Pal Dardai macht einen tollen Job. Seit er Trainer geworden ist, führt der Weg eindeutig nach oben." Am Sonntag aber soll Herthas Höhenflug eingebremst werden. Denn in der Endabrechnung will Raffael die Berliner überflügelt haben. "Borussia Dritter, Berlin Vierter - das wäre doch ein schönes Saisonende", sagt er.

Das Bruder-Duell fällt diesmal aus

Ob Raffael mithelfen kann in dem Big-Point-Spiel am Sonntag oder sich mit der Zuschauerrolle zufrieden geben muss, das entscheidet sich vermutlich kurzfristig. Fest steht dagegen schon jetzt, dass das Bruderduell mit Ronny nicht zustande kommt. Seinen einzigen Saisoneinsatz feierte Ronny in der Hinrunde, bei Herthas 1:4-Schlappe gegen Raffael und die Borussen. Seitdem ist der 29-Jährige sportlich außen vor und spielt in Dardais Planungen auch für das Top-Duell keine Rolle.

Jan Lustig