Bundesliga

Junuzovic und Fritz: Geldstrafe statt Sperre

Bremer nach absichtlichen Gelbsperren bestraft

Junuzovic und Fritz: Geldstrafe statt Sperre

Zlatko Junuzovic

Hatte letzten Samstag öffentlich erklärt, sich gegen Hannover bewusst Gelb abgeholt zu haben: Zlatko Junuzovic. Getty Images

Bremen muss lediglich einmal auf seine Profis Clemens Fritz und Zlatko Junuzovic verzichten, die am Samstag beim FC Bayern (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de) ihre Gelbsperren absitzen. Weil beide Werder-Profis zugaben, die zehnte beziehungsweise fünfte Gelbe Karte absichtlich provoziert zu haben, sah das DFB-Sportgericht von einer Sperre wegen Unsportlichkeit ab. Fritz und Junuzovic müssen je 20.000 Euro Geldstrafe bezahlen und können am 19. März gegen Mainz eingesetzt werden.

Werder-Anwalt Christoph Schickhardt überraschte zu Beginn der Beweisaufnahme mit der Nachricht, dass beide Angeklagten eine persönliche Erklärung abgeben wollten. Darin beschrieben Fritz und Junuzovic, dass sie sich die Gelben Karten am vergangenen Wochenende bewusst abgeholt hatten. "Gegen Bayern auszufallen, tut Bremen nicht so sehr weh wie gegen einen unmittelbaren Konkurrenten", sagte Fritz. Junuzovic, der den Fall mit TV-Interviews direkt nach dem Spiel ins Rollen gebracht hatte, entschuldigte sich explizit: "Es tut mir leid, wenn ich unsportlich agiert habe, das wollte ich auf keinen Fall."

Vorbild UEFA: Der DFB soll einen konkreten Strafrahmen festlegen

"Ich will nicht verschweigen, dass wir wie alle Gerichte für Ehrliche Sympathie haben", betont Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des Sportgerichts. Er machte deutlich, dass die beiden Profis nur durch die Geständnisse um eine Sperre herumgekommen sind, und regte an, dass der Verband seine Rechts- und Verfahrensordnung dahingehen überarbeitet, dass ein konkreter Strafrahmen festgelegt wird. Bei der UEFA existiert dieser bereits, er beträgt zwei Spiele Sperre.

Es kann nicht sein, dass sich Bundesligamannschaften generell vor dem Bayern-Spiel Geldsperren abholen. Wir sind auch dazu da, einen fairen Wettbewerb zu garantieren.

Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des Sportgerichts

"Dieser Fall hat nicht die Wertigkeit eines Falles Ordenewitz", argumentierte Anton Nachreiner, der Kontrollausschussvorsitzende. 1991 hatte die DFB-Sportgerichtsbarkeit den Kölner Frank Ordenewitz gesperrt, der im Pokal-Halbfinale durch das Provozieren einer Roten Karte, die er in der Liga verbüßen konnte, eine Gelbsperre für das Endspiel vermeiden wollte.

Wir wollen es wissen

"Es kann aber nicht sein, dass sich Bundesligamannschaften generell vor dem Bayern-Spiel Geldsperren abholen, was dann dazu führt, dass München regelmäßig gegen schwächere Gegner spielt als der Rest der Liga. Wir sind auch dazu da, einen fairen Wettbewerb zu garantieren", betonte Lorenz. Er verspricht sich von dem Urteil gegen Fritz und Junuzovic deshalb auch eine "abschreckende Wirkung und ein Signal".

Gegen Darmstadt ermittelte der DFB vergeblich

Die DFB-Sportgerichtsbarkeit will nun genauer hinschauen, ob Gelbe Karten absichtlich abgeholt werden, und gegebenenfalls tätig werden. Ohne ein Interview wie das von Junuzovic sind ihr allerdings die Hände gebunden. So hatte der Kontrollausschuss bereits vor wenigen Wochen den Fall Darmstadt 98 unter die Lupe genommen, wo gleich fünf Spieler gegen Bayern gelbgesperrt waren, dann aber auf die Eröffnung eines Verfahrens verzichten müssen, weil sich der Vorwurf der Absicht nicht beweisen ließ.

Michael Ebert

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