Kommentar von Rainer Franzke (Mitglied der Chefredaktion)

Schatten auf "Lichtgestalt" Beckenbauer

Franz Beckenbauer

Rückte am Freitag weiter ins Zentrum der WM-Affäre: Franz Beckenbauer. imago

Sind die 6,7 Millionen Euro aus dem Darlehen des verstorbenen früheren Adidas-Bosses Robert Louis-Dreyfus als "Dankeschön" des OK der WM 2006 für einen Stimmenverkauf bei der Vergabe der Titelkämpfe in Deutschland, als Bestechungsgeld für die Wiederwahl des früheren FIFA-Präsidenten Sepp Blatter oder für einen ganz anderen Zweck gezahlt worden? Vielleicht werden die Schweizer Bundesanwaltschaft oder die Frankfurter Staatsanwaltschaft am Ende ihrer Ermittlungsverfahren die Antwort geben können.

Doch allein das, was die Anwälte der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer in den vergangenen vier Monaten zu Tage gefördert haben, wirft ein düsteres Licht auf die einstige "Lichtgestalt" Franz Beckenbauer und seine Mitstreiter im WM-OK 2006.

Fakt ist jetzt, dass die Millionen auf ein Konto in Katar geflossen sind. An ein Unternehmen, das zu dem Imperium von Mohamed bin Hammam gehört, der einst FIFA-Präsident werden wollte, einst mit Beckenbauer der FIFA-Exekutive angehört hat und längst von allen Ämtern bei der FIFA ausgeschlossen worden ist.

Fakt ist auch, dass alle Zahlungsströme verschleiert worden sind.

Rainer Franzke (Mitglied der Chefredaktion)

Rainer Franzke (Mitglied der Chefredaktion) kicker

Fakt ist ferner, dass der abgetretene DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der abgetretene DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock und der entlassene DFB-Vizegeneralsekretär Stefan Hans über Monate hinweg das DFB-Präsidium nicht informiert hatten, nachdem am Rande des FIFA-Kongresses im Mai 2015 die Affäre Fahrt aufgenommen hatte.

Ticker

Über die von ihm beauftragte Kanzlei Freshfields hat der DFB ziemlich alles getan, um im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten für Aufklärung zu sorgen. Ohne die Möglichkeiten rechtsstaatlicher Organe, die beispielsweise Hausdurchsuchungen und Kontoabfragen durchführen können, ist dabei schon viel an den Tag gekommen. Ein Ende des Skandals ist aber noch längst nicht in Sicht. Die Akten werden erst geschlossen, wenn die Staatsanwälte in Deutschland und in der Schweiz ihre Ermittlungsergebnisse präsentieren.

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Der Weg der 6,7 Millionen - Beckenbauers Rolle

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