Dortmund ist das beste Rückrundenteam

BVB im Check: Eine ernsthafte Bedrohung für die Bayern

Roman Bürki

Mit Licht und Schatten: Roman Bürki. picture alliance

Bürkis Fehler-Konto ist zu üppig

Mit dem in Darmstadt pausierenden Roman Bürki (erkältet) verlässt sich Dortmund auf einen Torwart, der in der Bundesliga noch nicht zu den herausragenden Vertretern seiner Zunft gehört. Zuletzt gegen Hoffenheim (3:1) stand der Schweizer mit einer unglücklichen Abwehraktion bei der Gästeführung Pate, verhinderte aber später mit einem Blitzreflex das 0:2 und (möglicherweise) die Vorentscheidung.

Der erst im vergangenen Sommer verpflichtete Keeper hat für sich noch keine befriedigende Antwort darauf gefunden, dass er nach dem Dauerbeschuss in Freiburg bei seinem neuen Arbeitgeber nur in wenigen Szenen einer Partie gefordert ist. In der Summe aller Spiele fällt das Fehler-Konto des 25-Jährigen zu üppig aus. Sollte er seine leichte Erkrankung bis Samstag nicht überwunden haben, begleitet den BVB die beruhigende Gewissheit in dieses Gipfeltreffen, mit Roman Weidenfeller über unbedingt zuverlässigen Ersatz zu verfügen.

Hummels legt die Wackler ab

Thomas Tuchel und Mats Hummels

Bayern-Jäger: Thomas Tuchel und Mats Hummels freuen sich auf die Bayern. Getty Images

In der Viererkette vor Bürki sortiert Hummels die eigenen Reihen. Nach dem einen oder anderen Wackler in der Hinrunde befindet sich der Weltmeister von 2014 derzeit in bestechender Verfassung. Für seinen kongenialen Partner Sokratis (Faserriss) rückte Sven Bender nach, der sich in anderer Rolle (Mittelfeld) den Ruf unbedingter Zuverlässigkeit erworben hatte und seiner Arbeit auch in neuer Funktion mit aller Konsequenz nachgeht. Der ein wenig ins Abseits geratene Neven Subotic brachte sich beim 1:0 gegen Hannover positiv in Erinnerung, lieferte aber in Darmstadt kein gutes Spiel ab.

Von Dortmunds Außenverteidigern, die in Tuchels Systematik bei eigenem Ballbesitz besonders hoch stehen, erwischte zuletzt Lukasz Piszczek (setzte in Darmstadt aus) die bessere Formkurve. Marcel Schmelzer, sein ebenfalls geschonter Antipode auf der linken Seite, lässt mit maximalem Engagement keine Wünsche offen, müsste aber in Sachen Genauigkeiten bei seinen Flanken mal nachjustieren.

Pragmatismus statt Spektakel

Im zentralen Mittelfeld (defensiv) hat der zu Recht als "Passmaschine" gewürdigte Senkrechtstarter Julian Weigl die Bälle in Darmstadt nach ein paar schwächeren Auftritten wieder mit der Präzision wie im Herbst verteilt. Häufiger als in der Hinrunde stellt ihm Tuchel in diesen Wochen einen Partner zu Seite (Nuri Sahin, Ilkay Gündogan) oder installiert anstelle von ihm mit Matthias Ginter eine weniger elegante Lösung, wenn er je nach Gegner in der Kampfzone vor der Abwehr mehr physische Präsenz benötigt.

Geballte Offensivpower: Pierre-Emerick Aubameyang, Marco Reus und Henrikh Mkhitaryan.

Geballte Offensivpower: Pierre-Emerick Aubameyang, Marco Reus und Henrikh Mkhitaryan. imago

Dass dem Mittelfeld, besser: dem ganzen Dortmunder Spiel, die unwiderstehlichen Momente, die Leichtigkeit und das manchmal Rauschhafte mitunter abhanden gekommen sind, erklärt Tuchel mit der "Verschiebung von Abläufen". Er sagt: "Es ist sehr schwer, uns zu überspielen und in unseren 16-er zu kommen." Der pragmatischere Fußball anno 2016 muss mit weniger spektakulären Momenten als in der Hinrunde auskommen - außergewöhnlich erfolgreich und effektiv ist er geblieben. Schließlich animiert Pierre-Emerick Aubameyang (wettbewerbsübergreifend fünf Treffer und vier Assists in der Rückrunde), Henrikh Mkhitaryan (4/4) und Marco Reus (3/3) die Lust aufs Toreschießen weiterhin zu einer guten Ausbeute im zweiten Saisonabschnitt.

Tuchels Korrekturen funktionieren

Modifiziert hat Tuchel zuletzt häufiger den Dortmunder Spielaufbau, der gerne auch über eine Dreier-Reihe mit Piszczek, Bender und Hummels erfolgt. Schmelzer schiebt dann noch weiter nach vorn als vorher schon üblich und agiert fast im Stil eines Linksaußens. So wie seine taktischen Veränderungen gehen auch die personellen Korrekturen des Trainers auf: In Darmstadt brachte er acht (!) Neue – und die drei Punkte ungefährdet mit nach Hause.

Fazit: Vor dem Liga-Hit am Samstag hat sich Dortmunds Ausgangslage deutlich verbessert. Nichts muss, alles kann für die Borussia im letzten Drittel der Saison. So "seriös, aufmerksam und fokussiert" (Tuchel) die Westfalen ihre Aufgaben derzeit erledigen, stellen sie für den FC Bayern eine ernste Bedrohung dar. Erst einmal für den Samstag.

Thomas Hennecke

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