Nach dem Eklat von Leverkusen

Schmidt räumt Fehler ein - DFB stützt Zwayer

Keine Lust auf Diskussionen: Schiedsrichter Felix Zwayer unterbricht das Spiel.

Keine Lust auf Diskussionen: Schiedsrichter Felix Zwayer unterbricht das Spiel. imago

Ausgangspunkt war das 0:1 durch Pierre-Emerick Aubameyang. Dem Dortmunder Siegtreffer war ein Foul von Stefan Kießling an Sven Bender vorausgegangen. Zwayer entschied auf Freistoß, den Matthias Ginter rasch ausführte und damit die BVB-Führung einleitete. Streitpunkt war, dass Ginter den Freistoß zu weit weg vom Ort des Fouls ausgeführt hatte - es ging um knapp sechs Meter.

Auf der Leverkusener Bank echauffierte man sich dermaßen, dass der Unparteiische Zwayer Schmidt auf die Tribüne schickte. Doch der 48-jährige Bayer-Coach weigerte sich, unter anderem auch weil ihm die Strafe nicht vom Schiedsrichter persönlich mitgeteilt worden war, sondern via Kapitän Kießling. Nach wenigen Minuten hatte Zwayer die Faxen dicke, unterbrach das Spiel und bat beide Mannschaften in den Kabinengang. "Ich habe versucht, mehrmals Einfluss zu nehmen, dass der Leverkusener Trainer Roger Schmidt den Innenraum verlässt. Da dem nicht Folge geleistet wurde, blieb mir keine andere Wahl, als das Spiel zu unterbrechen", begründete Zwayer seine Entscheidung und erklärt: "Ich sah es nicht für notwendig an, die Nähe zum Trainer zu suchen, da dies auch nicht erforderlich war."

DFB stärkt Zwayer den Rücken - Bayer benachteiligt

Unterstützung erhielt er von Herbert Fandel, dem Vorsitzenden der DFB-Schiedsrichterkommission. Zwayer habe "in der Situation nach dem Dortmunder Treffer regeltechnisch richtig entschieden. Wenn sich ein Spieler oder eben der Trainer nach einem Platzverweis weigert, den Innenraum zu verlassen, ist die Spielunterbrechung und die Androhung eines Abbruchs die richtige Entscheidung", so Fandel in einer Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes.

Dennoch erregte die Unterbrechung die Gemüter und heizte die Diskussion an. Gesprochen wurde nach der Unterbrechung übrigens auch viel - auf und neben dem Platz. Ein Spielabbruch stand offenbar nicht im Raum, wie Dortmunds Kapitän Mats Hummels bei Sky erklärte: "Uns wurde gesagt, dass wir erst weiterspielen können, wenn der Trainer von Leverkusen auf die Tribüne geht. Er hatte sich geweigert." Nach neun Minuten wurde die Partie wieder angepfiffen, auch weil Schmidt nachgegeben hatte.

Danach gab es eine weitere Szene, die die Gemüter erhitzte. Ein nicht geahndetes Handspiel von Sokratis und damit ein verweigerter Elfmeter für Bayer Leverkusen. Zwayer räumte diesbezüglich eine Fehlentscheidung seinerseits ein: "Das ist regeltechnisch ein Strafstoß. Sehr bedauerlich."

Ich habe zu lange gezögert. Es war ein Fehler von mir.

Roger Schmidt

Dieser nicht gegebene Elfmeter brachte auch Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler zur Weißglut, der sich bei Sky völlig in Rage redete. Schmidt andererseits zeigte sich einsichtiger. "Ich habe zu lange gezögert. Es war ein Fehler von mir", sagte der Coach und ergänzte: "Aus 45 Metern hat er mir signalisiert, dass ich auf die Tribüne gehen soll. Ich wollte eine Erklärung." Bayers Kießling wollte sich zu der ganzen Thematik nicht sonderlich äußern und kein weiteres Öl ins Feuer gießen. Der Routinier stellte allerdings fest, dass die ganze Aufregung "insgesamt unnötig war. Der Schiedsrichter hätte auch hingehen können, so musste ich es machen."

Tuchel hält sich zurück - Hummels hat kein Verständnis

Dortmunds Trainer Thomas Tuchel wollte das Verhalten seines Trainerkollegen indes nicht großartig kommentieren, "weil sich das nicht gehört". Dennoch suchte der 42-Jährige nach Erklärungen und fand diesen in der emotionalen Aufregung: "Gefühle können auch mal überkochen. Diesmal war es wohl etwas zu viel."

Hummels hatte indes weniger Verständnis für Schmidt. Der BVB-Kapitän ging zwar nicht direkt auf besagte Aktion ein, allerdings sprach er im Allgemeinen darüber, dass es seiner Meinung nach nichts bringt, wenn man Entscheidungen des Schiedsrichters kritisiert. "Das muss man akzeptieren. Er wird es nicht ändern." Am fraglichen Freistoß der Dortmunder hatte Hummels übrigens nichts auszusetzen. "Ich glaube, dass das richtig entschieden war", sagte der Weltmeister und betonte, dass es "viele Freistöße gibt, die teilweise zehn Meter weiter weg ausgeführt werden." Ähnlich bewertet auch Zwayer die Szene. "Es liegt im Ermessen des Schiedsrichters, drei, vier, fünf Meter weiter entfernt ausführen zu lassen, weil eine Konterchance unterbunden wurde", sagte der Referee dazu.

Welche Strafen drohen Schmidt?

Schmidt droht nun ein Ermittlungsverfahren des DFB-Kontrollausschusses. Kommt es zu selbigen und würde seine Schuld festgestellt werden, dann gibt es aktuell drei mögliche Optionen, auf die sich Schmidt einstellen müsste. Im mildesten Fall käme er mit einer Geldstrafe davon. Daneben könnte er auch gesperrt werden - das auf diverse Art und Weise: So wäre eine Innenraum-Sperre für eine gewisse Anzahl von Spielen eine Variante. In diesem Fall dürfte er bei Bundesliga-Spielen nicht auf der Trainerbank Platz nehmen. Die zweie Variante würde ein Verbot jeglichen Arbeitens mit der Mannschaft für eine gewisse Dauer beinhalten.

drm

Bilder zur Partie Bayer 04 Leverkusen - Borussia Dortmund