Kommentar von Frank Lußem

Schaaf wie ein König ohne Reich

Hannovers Trainer Thomas Schaaf kassierte mit 96 die dritte Pleite in Serie.

Hannovers Trainer Thomas Schaaf kassierte mit 96 die dritte Pleite in Serie. Getty Images

So ist er, der Fußball. Da kicken in der Liga - die einige für die beste Liga der Welt halten - an einem Tag hintereinander der Erste gegen den Vierten und der Zweite gegen den Dritten und die Ausbeute ist - na ja - eher mager. Die Faszination des Lieblingssports von so vielen sieht anders aus.

Tore? Fehlanzeige! Technische Leckerbissen? Eine Rarität! Leidenschaft, Kampf, Krampf, die Defensive dominiert an diesem Tag der Spitzenspiele den (ehemaligen?) Sinn des Sports - schwere Zeiten für Romantiker und außerdem verblüffend, dass selbst dem FC Bayern München so wenig einfällt gegen Teams, die pressen, anlaufen und ansonsten kämpfen wie die Kesselflicker.

Es gilt für die kommenden schweren Wochen, Souveränität zurückzuerobern. Und Leverkusen wiederum kann tatsächlich Großes (also Platz drei oder vier) erreichen, sobald man die rustikale Spielweise vom Samstag auch gegen starke Gegner um eine funktionierende Offensive ergänzt.

Wie das gehen kann, darf aktuell ausgerechnet beim VfB abgeschaut werden. Nennen wir das Kind beim Namen: Seit Jürgen Kramny dieser Mannschaft Fußball lehrt, spielt sie ihn wieder, zeigt sich nach hinten verbessert und vorne viel effektiver.

Was vorher als alternativlos verkauft worden war, hat sich endgültig als Blendwerk entpuppt. Nicht auszudenken, die Stuttgarter hätten ihr Potenzial früher entwickeln dürfen - sie würden in dieser Liga ziemlich sicher ziemlich weit oben stehen.

Schaafs Worte klingen wie eine Bankrotterklärung

Aus dem Abstiegssumpf haben sie sich verabschiedet, umso tiefer steckt Hannover 96 drin. Das Mittel Trainerwechsel, das den VfB wohl retten wird, zeitigt bei den Niedersachsen bisher keinen Effekt. Man muss also ernsthaft annehmen, dass es an der Qualität liegt. Ein erfahrener Trainer wie Thomas Schaaf wirkt in dieser Phase wie ein König ohne Reich, hat "totale Verunsicherung, totale Angst" ausgemacht und weiß nur eins sicher: "Wir kommen kein Stück weiter." Mahlzeit!

kicker-Redakteur Frank Lußem

kicker-Redakteur Frank Lußem

Und was wie eine Bankrotterklärung klingt, ist doch nur eine Zustandsbeschreibung. Kommende Woche geht's nach Dortmund, das rettende Ufer ist bereits sieben Zähler entfernt. Es wird nicht einfacher für Thomas Schaaf. Dabei ist es doch schon wahrlich schwer genug.