Bundesliga

Niemeyer - der zweite Leader

Darmstadt: Mittelfeldmann neben Sulu die Führungsfigur

Niemeyer - der zweite Leader

Peter Niemeyer, Darmstadt

Ist im zentralen Mittelfeld zu einem Schlüsselspieler geworden: Peter Niemeyer. imago

Bislang war Kapitän Aytac Sulu der unumstrittene Leader beim SV 98. Am grundlegenden Stellenwert des Innenverteidigers, dessen Anweisungen an die Mitspieler auch deshalb unproblematisch sind, weil Sulu auch im Oberhaus meist überzeugt und mit vier Treffern fast nebenbei der torgefährlichste Innenverteidiger der 1. Bundesliga ist, hat auch Niemeyers Verpflichtung nichts geändert. Im zentralen Mittelfeld ist er aber rasch zu einem weiteren Schlüsselspieler geworden, der gerade im Spiel gegen den Ball aktuell kaum ersetzbar scheint und seine Nebenleute mitreißt.

Schuster: "Er setzt auch mal ein Zeichen"

"Peter Niemeyer hat schon in der Hinrunde eine überragende Rolle bei uns gespielt", sagt Trainer Dirk Schuster, der zugleich ein feines Gespür dafür hat, wie der Mix aus "Sechser" und "Achter" jüngst die Partie bei Hannover 96 mit beeinflusste. "Er ist nicht nur verbal anwesend, sondern setzt auch mal ein Zeichen." So wie beim "Lilien"-Spiel gegen die Niedersachsen, als sich Niemeyer nach verkorkster Anfangsphase und 0:1-Rückstand auch nicht zu schade dafür war, mit einigen Fouls und auf Kosten einer Gelben Karte zu signalisieren, dass sich die Darmstädter nicht wehrlos ergeben würden. Notfalls fliege bei ihm auch mal ein Gegner über die Außenlinie, meint Schuster mit Blick auf Niemeyers Gangart, die auch mal robuster ausfallen kann, ohne dass er überzogene Härte oder gar gröbere Unsportlichkeiten ins Spiel bringen würde.

Zumal Niemeyer (bisher 17 Ligaspiele und drei Pokalpartien für den SV 98, ein Tor) auch einstecken kann, wie er etwa beim 2:2 in Dortmund bewies: Damals spielte er auch mit einem völlig geschwollenen Auge noch weiter und scheute kein Kopfball-Duell. Was an Sulu-Aktionen wie das blutverschmierte Weitermachen samt Turban und das eigenhändige Ziehen eines wackelnden Zahns (Zweitliga-Spiel auf St. Pauli) erinnert und bei der "Lilien"-Fans bestens ankommt.

Er hat zusammen mit Aytac Sulu die Rolle übernommen, die Mannschaft gemeinsam zu führen.

Dirk Schuster über Peter Niemeyer

Nicht nur sie verzeihen Niemeyer deswegen Schwächen im Spielaufbau und bei der Präzision seiner Kopfbälle, wo der Routinier noch Luft nach oben hat. Torgefährlicher ist er bereits geworden, erzielte beim 2:0 in Augsburg seinen ersten Treffer für die Südhessen und scheiterte in Hannover mit einem Heber nur am Innenpfosten. "Er hat zusammen mit Aytac Sulu die Rolle übernommen, die Mannschaft gemeinsam zu führen", lobt auch Schuster. "Deshalb haben wir auch so viele Anstrengungen unternommen, ihn aus Berlin wegzulotsen." Wie bei der Verpflichtung des zumindest in der 2. Bundesliga überzeugenden Fabian Holland und nun auch Sandro Wagner (sechs Treffer) haben die 98er mit Peter Niemeyer in der Hauptstadt einmal mehr einen guten Fang gemacht.

Jens Dörr

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