Handball

HSV: Lizenz weg, Spieler weg, Konkurrenz erbost

Hamburgern droht eine Klagewelle

HSV: Lizenz weg, Spieler weg, Konkurrenz erbost

HSV Hamburg

Fahnen auf Halbmast: Der HSV Hamburg hat in der Geschichte der Handball-Bundesliga für einen Tiefpunkt gesorgt. imago

Lizenz weg, Spieler weg, Millionenschulden und dann auch noch eine mögliche Klagewelle. Der HSV Hamburg hat in der Geschichte der Handball-Bundesliga für einen Tiefpunkt gesorgt. Einen Tag nach dem Lizenzentzug durch den Liga-Verband stand aber noch nicht fest, ob der insolvente Verein den Spielbetrieb einstellt oder seine 14. Saison im Oberhaus regulär beenden wird, was er nach den Statuten darf. Am 10. Februar steht das erste Spiel der Hamburger im neuen Jahr bei der SG Flensburg-Handewitt auf dem Plan. Die Flens-Arena ist ausverkauft.

Geht es weiter? Entscheidung am Dienstag

Insolvenzverwalter Gideon Böhm will voraussichtlich am kommenden Dienstag eine Entscheidung bekanntgeben. Er besitzt die alleinige Verfügungsgewalt beim Champions-League-Gewinner von 2013. Zunächst will der Rechtsanwalt die schriftliche Begründung des Lizenzentzugs prüfen und mit verbliebenen Spielern, Mitarbeitern, Sponsoren und Hallenbetreibern über Sinn und Unsinn eine Fortsetzung der Saison sprechen.

Böhm hatte das Loch zur Finanzierung der Restsaison auf zwei Millionen Euro beziffert. Die eigene U23-Mannschaft als Alternative in kleinerer und preiswerterer Halle wäre billiger, Geldgeber müsste er aber auch dann schnellstmöglich präsentieren. Langfristig wollen sich Unternehmer Alexander Otto und der ehemalige HSV-Fußball-Präsident Jürgen Hunke in das Handball-Projekt des HSV e.V. einbringen. Mit der insolventen Spielbetriebs-GmbH der Profis wollen sie aber nichts zu tun haben.

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Zieht sich der HSV zurück, werden seine Spiele der laufenden Bundesliga-Saison allesamt mit null Punkten und 0:0 Toren gewertet. Das Szenario würde den fünf Vereinen, die im laufenden Spieljahr gegen den HSV gewonnen haben, bitter aufstoßen.

"Der Ball liegt jetzt beim HSV", sagte Uwe Schwenker, Präsident der Handball-Bundesliga (HBL) am Donnerstag. Mit den erst jetzt bekannten Unterlagen "wäre die Lizenz nicht erteilt worden", sagte der HBL-Chef. Der Liga-Verband will juristisch den möglichen Schaden prüfen lassen, den die HSV-Lizenzerschleichung für das Spieljahr 2015/16 der HBL zugefügt hat. "Das ist kompliziert: Wie wollen wir den Schaden an unserer Marke feststellen und beziffern?", fragte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. Bei einer Klage muss der mögliche finanzielle Schaden angegeben werden.

Minden plant Klage - Löwen nehmen Tickets zurück

Vor Gericht ziehen will wahrscheinlich auch Zweitligist GWD Minden, der wegen des HSV-Täuschung bei der Lizenzierung zu Unrecht abgestiegen ist. Auf rund eine halbe Million Euro beziffert GWD-Geschäftsführer Horst Bredemeier laut "Hamburger Abendblatt" den Verlust der Ostwestfalen. Auch die Vereine, denen vermutlich Heimspiele gegen den HSV durch die Lappen gehen, prüfen Klagen.

Die Rhein-Neckar Löwen planen schon nicht mehr mit der für den 17. Mai angesetzten Bundesliga-Partie gegen den HSV. Alle Karteninhaber könnten die für das Spiel gekauften Tickets an den jeweiligen Vorverkaufsstellen zurückgeben, teilte der Tabellenführer der Bundesliga am Donnerstag mit. Der Kaufpreis werde dann erstattet. "Wir gehen, stand heute, nicht mehr von einem Spiel gegen den HSV Hamburg aus", sagte Löwen-Manager Lars Lamadé. Dauerkarteninhaber erhalten stattdessen freien Eintritt zum Pokalspiel gegen die MT Melsungen am 24. Februar.

Profis verlassen das sinkende Schiff - Schwenker sieht Chance für Neubeginn

Derweil verlassen die HSV-Profis peu à peu das sinkende Schiff. Am vergangenen Freitag waren sie allesamt freigestellt worden. Weg sind nach Adrian Pfahl (Frisch Auf Göppingen), Jens Vortmann (SC DHfK Leipzig), Ilija Brozovic (THW Kiel) und Johannes Bitter (TVB 1898 Stuttgart) seit Freitag auch Spielmacher Allan Damgaard (Bjerringbro-Silkeborg) und Alexander Feld (TSV Bayer Dormagen). Am Samstag gab der dänische Erstligist Skjern Handbold die Verpflichtung von Ex-Nationalspieler Matthias Flohr bekannt. Vor dem Absprung stehen Hans Lindberg (Füchse Berlin), Casper Mortensen, Piotr Grabarczyk und Toptalent Maciej Majdzinski (Bergischer HC).

Schwenker sieht nach dem Desaster aber keineswegs nur verbrannte Erde in Hamburg. Der Handball in der Hansestadt habe die Chance, sich "völlig neu aufzustellen, unabhängig von einem Sponsor" betonte der Präsident. Nach dem Lizenzentzug muss der HSV in der nächsten Saison in der 3. Liga antreten. Derzeit kämpft die U23 des Vereins als Tabellenerster in der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein um den Aufstieg in die 3. Liga. Schwenker: "Wenn man entsprechende Strukturen hat und durch dieses tiefe Tal durchkommt, habe ich die Hoffnung, dass man in einigen Jahren auch wieder ganz oben dabei sein kann."

dpa