Handball

Insolvenzverfahren eröffnet: HSV vor dem Aus

Handballer stehen vor dem Aus - Lizenzbetrug steht im Raum

Insolvenzverfahren eröffnet: HSV vor dem Aus

Handball in Hamburg

Das wird es bald nicht mehr geben: Bundesliga-Handball in Hamburg. imago

Der laufende Spielbetrieb kann vom HSV finanziell nicht abgesichert werden. Im Saisonetat klafft eine Lücke von zwei Millionen Euro, zuletzt standen monatlichen Einnahmen von etwa 100.000 Euro Ausgaben von 340.000 Euro gegenüber. Die Hamburger Handballer lebten seit Jahren über ihre Verhältnisse - der Verein wird nun wohl zeitnah abgewickelt.

Die Mannschaft wollte am Freitag das Training nach der Winterpause aufnehmen, sagte es aber ab. Böhm stellte jedem Profi frei, den Verein zu verlassen. "Ich habe großes Verständnis dafür, wenn die Spieler jetzt wechseln wollen", sagte Böhm, der bemängelte, dass der Insolvenzantrag erst so spät (16. Dezember) gestellt worden sei. Den Hamburgern droht der totale Aderlass, mit Adrian Pfahl (Frisch Auf Göppingen), Ilija Brozovic (THW Kiel) und Torwart Jens Vortmann (SC DHfK Leipzig) sind schon drei Spieler weg.

Handball-Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Rhein-Neckar Löwen
34
2
THW Kiel
32
3
SG Flensburg-Handewitt
31
Handball Sport Verein Hamburg - Vereinsdaten

Gründungsdatum

01.01.1999

Vereinsfarben

blau, weiß, rot

HBL untersucht den Vorwurf des Lizenzbetrugs

Bis zuletzt hatten die Hanseaten auf eine erneute Finanzspritze des langjährigen Mäzens Andreas Rudolph gehofft. Der Millionär, der insgesamt bis zu 50 Millionen Euro in den Klub gepumpt haben soll, hatte für die laufende Spielzeit gegenüber der HBL eine Verpflichtungserklärung über rund 2,5 Millionen Euro zur Sicherung des Spielbetriebes abgegeben. Doch offenbar gab es dazu noch eine vertragliche Einschränkung, die der ehemalige Geschäftsführer Christian Fitzek der HBL nicht mitgeteilt hat.

Es gebe "berechtigte Zweifel daran", dass die gewährte Lizenz "makelbehaftet" sei, sagte Böhm - ein klarer Seitenhieb auf Fitzek, der die HBL getäuscht haben könnte. "Es gibt verschiedene Wahrnehmungen, wie mit dieser eingeschränkten Verpflichtungserklärung umzugehen ist", sagte Böhm. Der Streit wird nun juristisch geklärt.

Hanning: "Das wäre ein ganz, ganz schwerer Schlag"

"Wenn es diese besagte Nebenabrede zwischen einem Gesellschafter und dem Verein gibt, und der Lizensierungskommission liegt so etwas nicht vor, dann wäre das natürlich schon ein echter Hammer", sagte Bob Hanning, Manager der Füchse Berlin und DHB-Vizepräsident: "Wenn es tatsächlich Nebenabreden gegeben hat, wäre das ein ganz, ganz schwerer Schlag, und das wäre dann Lizenzbetrug." Das Präsidium der HBL werde den Vorgang "sehr sorgsam prüfen", sagte Hanning. Aber eines sei klar: "Gegen Lizenzbetrug, egal, welcher Verein so etwas macht, ist die Folge der Lizenzentzug. Das wäre dann ein absolutes Drama. Ich hoffe nicht, dass sich so etwas bewahrheitet."

Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens sei ein "Schock", sagte HBL-Boss Frank Bohmann dem SID: "Aber das kommt nicht völlig überraschend. Wir würden es bedauern, wenn der HSV ausscheiden müsste. Aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende." Zum Vorwurf der Lizenz-Mauschelei hielt sich Bohmann zurück: "Der Insolvenzverwalter wird mir aber noch Unterlagen zuschicken. Danach kann ich mich erst konkret äußern."

dpa/sid