VfB-Neuzugang mit Beckham-Nummer lernt deutsch auf YouTube

Kravets: "Wir können Deutschland schlagen"

Artem Kravets

Schuftet im Trainingslager für den perfekten Start im VfB-Dress: Artem Kravets. imago

Aus dem Trainingslager des VfB Stuttgart in Belek berichtet George Moissidis

In der Bundesliga will Kravets sportlich Weiterkommen und vor allem die Basis legen, um bei der EURO in Frankreich im Sommer mit der Ukraine Weltmeister Deutschland Paroli zu bieten. "Wir können Deutschland schlagen."

Der Angreifer, der für rund 500.000 Euro von Dynamo Kiew bis zum Sommer ausgeliehen (plus Kaufoption) ist, sieht in seinem Wechsel zu den Schwaben eine große Chance für einen Karriereschub. Anderen Interessenten außerhalb Deutschlands sagte er dafür ab. "Die Bundesliga ist die beste Liga der Welt, hat den besten Wettbewerb. Ich wollte nirgends anders hin", erklärt Kravets, der als Teenager seine Heimatstadt Dnjepropetrowsk verließ und in die Jugend-Akademie in Kiew einzog. 400 Kilometer weg von der Familie, den Eltern und den beiden Brüdern.

Bei der EM gegen "die beste Mannschaft der Welt"

Alle Mannschaften hat der Nationalspieler bei Dynamo durchlaufen, der beim VfB für die Position im Sturmzentrum vorgesehen ist, wo sich die Rückkehr von Daniel Ginczek (Bandscheiben-Operation im Nackenbereich) weiterhin verzögert. In den vergangenen Monaten hatte er sich allerdings harter Konkurrenz erwehren und dieser oft, zu oft, wenn es nach seinen internationalen Ambitionen geht, beugen müssen.

Die EURO steht vor der Tür, Frankreich ruft, für eine Nominierung ist Spielpraxis dringend nötig. Sofern Kravets dabei ist, wird er in der Vorrunde auch auf die DFB-Mannschaft treffen, die ihm allerdings keinerlei Angst macht. "Jeder weiß, dass Deutschland die beste Mannschaft der Welt hat. Wir freuen uns auf die Partie und glauben, dass wir sie auch schlagen können."

Bis es überhaupt soweit kommen kann, muss er sich erst einmal beim VfB durchsetzen. Bislang machen ihm die Trainingseinheiten in Belek, wo er bisher nur im Urlaub weilte, ziemlich zu schaffen. "Das Training ist härter als in der Ukraine", meint Kravets, der sich vor seinem Wechsel zu den Schwaben bei seinem Landsmann und jetzigen Kollegen Boris Tashchy und bei Toni Sunjic, die er vorher schon kannte, über den Klub informierte. "Außerdem habe ich viele VfB-Spiele im TV angeschaut. Ich wusste, was mich erwartet. Die Liga und der Verein haben mich gereizt."

"Das Niveau in der Ukraine ist nicht so hoch"

Für eine schnelle Integration, die ihm im Moment noch etwas schwerfällt, weil "das Niveau in der Ukraine nicht so hoch ist", lernt der Stürmer bereits deutsch. Allerdings nicht mit einem Lehrer und im Trainingslager, wo die Zeit dazu sowieso knapp bemessen ist. Die wenige freie Zeit, die ihm bleibt, "brauche ich zum Ausruhen", so Kravets mit einem schüchternen Lächeln.

Bis zehn kann er bereits zählen, die Worte links und rechts oder Druck gehören ebenso zum Repertoire wie der Satz "Ich will die deutsche Sprache lernen". Alltagsdeutsch, das er sich größtenteils unkonventionell bei YouTube beibringt. "Das funktioniert wirklich", sagt der Stürmer, dessen Vorbild einst der brasilianische Zauberfuß Kaka war. Der hatte in seiner Anfangszeit in der Selecao ebenfalls die 23 und in den Folgejahren sehr häufig die Nummer 22.

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