Bundesliga

Nach Derbypleite: Gespenstische Szenen in Frankfurt

Bruchhagen: "In jeglicher Hinsicht sehr enttäuschend"

Nach Derbypleite: Gespenstische Szenen in Frankfurt

Bilder, die man nicht sehen will: Frankfurts Profis müssen sich vor wütenden Anhängern rechtfertigen. imago

Heribert Bruchhagen war sichtlich niedergeschlagen - nicht nur wegen der sportlichen Vorstellung des Frankfurter Teams. "Ich bedauere das sehr, das ist sicher nicht im Sinne von Eintracht Frankfurt. Man kann den Unmut auch anders äußern als auf diese Art und Weise. Der heutige Tag war in jeglicher Hinsicht sehr, sehr enttäuschend", sagte der Vorstandsvorsitzende bei "Sky" zu den Vorkommnissen im Frankfurter Fanblock, wo kurz vor Schluss Fahnen und Banner des Gegners aus Darmstadt verbrannt wurden. Die Atmosphäre war aufgeheizt, feindselig.

Nach dem Schlusspfiff wurden die Tore zu den Fanblöcken vom Ordnungsdienst geöffnet - aus Sicherheitsgründen, wie SGE-Vorstandsmitglied Axel Hellmann erklärte -, Frankfurter Profis mussten sich in der Kurve vor teilweise komplett vermummten Gestalten rechtfertigen, diskutierten mitunter hitzig. Eine unschöne Situation, die zum Glück glimpflich ausging. "Die Mannschaft hat das hervorragend gemacht. Sie hat sich den Fans gestellt und damit die Situation entschärft", sagte Hellmann. Eine Hundertschaft der Polizei sicherte indes den Platz auf Höhe der Mittellinie, um zu verhindern, dass Frankfurter Anhänger Richtung Gästefans hätten laufen können.

Man habe am Samstag noch einmal "mit den meisten Ultras gesprochen, uns nochmal eingeschworen", berichtete Bastian Oczipka bei "Sky": "Wir haben versucht, heute alles reinzuwerfen, aber es hat sehr wenig funktioniert. Die Fans sind natürlich verärgert darüber, völlig zu Recht." Eine Rechtfertigung für die Vorkommnisse, das betonte Bruchhagen, dürfe das aber nicht sein. Die Partie war von der Polizei im Vorfeld, auch wegen eines geschmacklosen Aufrufes von Frankfurter Anhängern , als Hochsicherheitsspiel eingestuft worden. Die Beamten hatten die Lage nach eigenen Angaben im Griff. Vonseiten des DFB müssen beide Klubs mit Strafen rechnen.

Wer den Fußball liebt, der verzichtet auf solche Aktionen. Wir müssen an die Mehrheit appellieren, dass sich die Vernunft durchsetzt.

Heribert Bruchhagen

"Wir haben im Vorfeld um Vernunft gebeten. Viele Dinge, die man als Problematik kennt, versucht man zu verhindern, aber es ist nicht immer ganz einfach", sagte Bruchhagen ein wenig resignierend: "Wir müssen im Fußball insgesamt darüber nachdenken, wie wir dieser Dinge Herr werden." Klar ist für den Eintracht-Boss auf jeden Fall, dass der ohnehin schon verunsicherten Mannschaft mit solchen Aktionen "in keinster Weise" helfen würden. "Wenn Eintracht Frankfurt aus der Krise kommen will, dann brauchen wir natürlich auch vernünftige Fans", so Bruchhagen, der den Dialog mit den Fans weiterhin für unverzichtbar hält: "Wir müssen immer wieder an diejenigen appellieren, die Vernunft zeigen. Darauf hinwirken, dass die Fans ihre Enttäuschung anders kanalisieren."

Die Polizei sichert den Platz, während die Profis in der Kurve sind. imago

Trainer Armin Veh zeigte ein Stückweit Verständnis dafür, dass "die Fans, die uns immer begleiten, nach so einem Derby dann enttäuscht sind. Es sollte aber sicher nicht so sein, dass man dann Fahnen abbrennt und sonstige Dinge tut. Aber teilweise kann ich auch nachvollziehen, wenn auch nicht gutheißen, wenn man weiß, mit was für einer Leidenschaft die Jungs dabei sind."

Trainer-Rücktritt? Für Veh und Bruchhagen kein Thema

Angesichts der sportlichen Situation demonstrierte die Eintracht-Führung Geschlossenheit. "Gerade im Misserfolg zeigt sich im Umfeld die Größe des Vereins. Wir müssen die richtigen Schlüsse ziehen", sagte Bruchhagen, der in ungewohnt deutlicher Form Nachkäufe im Winter-Transferfenster ankündigte. Von einem möglichen Rücktritt des Trainers wollte er genauso wenig wissen, wie Veh selbst: "Das steckt schon tief. Wenn mich das nicht berühren würde, wäre ich fehl am Platze", sagte er nach der ersten Derby-Niederlage gegen Darmstadt seit 36 Jahren zwar, schob aber umgehend nach: "Wenn ich eine Konsequenz ziehe, ist es die, dass ich natürlich weitermache."

Es wird allerdings nicht leichter. Nächste Woche geht es zu Borussia Dortmund - ohne die gesperrten Zambrano, Russ und Stendera, die gegen Darmstadt ihre fünfte Gelbe Karte sahen.

ski