Bundesliga

Auch Watzke ein "Schweinchen Schlau"?

BVB-Boss forderte schon 2010 weniger TV-Geld für die Werksklubs

Auch Watzke ein "Schweinchen Schlau"?

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Fordert schon 2010 eine Umverteilung der TV-Gelder: Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Getty Images

Die "Werksvereine" Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg, die von Investor Dietmar Hopp dominierte TSG Hoffenheim und Hannover 96, das ab 2017 von dieser Regel freigestellt werden kann, hielten St. Pauli vor, die Solidarität innerhalb des Profifußballs auf das Spiel zu setzen. Leverkusens Manager titulierte seinen Hamburger Kollegen Andreas Rettig sogar als "Schweinchen Schlau".

Ist auch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund ein "Schweinchen Schlau?" Der Boss der Borussia hat schon am 19. Oktober 2010 in einem FAZ-Interview genau das thematisiert, was fünf Jahre später in dem offiziellen Antrag des FC St. Pauli steht: "Ich will keine Neiddebatte. Aber es muss erlaubt sein, darauf hinzuweisen, dass wir in Deutschland ungleiche Wettbewerbsbedingungen haben. Die Liga hat einen kapitalen Fehler gemacht, als sie Wolfsburg und Leverkusen, zwei Klubs, die Töchter von Dax-Unternehmen sind, einen Sonderstatus eingeräumt hat, ohne dafür eine Gegenleistung zu bekommen."

Watzke forderte in diesem Interview: "Man hätte doch sagen können: Die kriegen nur die Hälfte des Fernsehgeldes, der Rest wird in einen Solidarfonds eingezahlt. Ich glaube, keiner der beiden Dax-Konzerne hätte sich daran gestört. Die wollen doch, dass auch die Fans der anderen Klubs Aspirin schlucken oder VW fahren. Dieser Fehler ist nicht mehr zu korrigieren."

Berücksichtigung von "weichen Faktoren"

Watzke empfahl bereits damals einen neuen Schlüssel bei der Verteilung der TV-Honorare aus der zentralen Vermarktung der DFL: "Natürlich muss der Erfolg ein Kriterium für die Ausschüttung der Fernsehgelder bleiben. Aber es gibt auch weiche Faktoren, die Erfolg ausmachen und statistisch längst zu erfassen sind: Wie viele Sympathisanten hat ein Klub, wie viele Fans fahren zu Auswärtsspielen, was sagt die Gesellschaft für Konsumforschung? Diese Dateien kann man in eine Matrix einfließen lassen und hinterher sagen, es gibt einen Verteilungsschlüssel: 50 Prozent oberhalb des Sockelbetrages werden nach dem Erfolgsprinzip verteilt und 50 Prozent nach einer Regel, die auf weichen Faktoren beruht."

Rainer Franzke