Hamburg: Flügelspieler unter Labbadia wiedererstarkt

Ilicevic - nur nach dem Spiel lief es nicht

Labbadia und Ilicevic

"Gut gemacht, Ivo!" Bruno Labbadia gratuliert seinem Führungstorschützen Ivo Ilicevic. imago

Der Mannschaftsbus des Hamburger SV hatte das Weserstadion längst verlassen, ehe auch Ivo Ilicevic rund zweieinhalb Stunden nach Abpfiff die Katakomben der Bremer Heimspielstätte verlassen durfte, um nach einiger Verzögerung mit dem verbliebenem HSV-Tross in Richtung Hamburg aufzubrechen. Nach seinem Gala-Auftritt im Nordderby (kicker-Note 1,5) war Ilicevic zur Dopingprobe ausgelost worden, "doch es lief einfach nicht, dabei habe ich wirklich viel Wasser getrunken", wie der Kroate nach abgegebener Probe schmunzelnd erzählte.

Das war bisher mein schönstes Tor für den HSV!

Ivo Ilicevic über seinen Führungstreffer in Bremen
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Labbadia Bruno

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Besser, viel besser, lief es hingegen zuvor im Spiel gegen Werder: Den vorentscheidenden Konter zum 3:1 von Nicolai Müller (68.) bereitete Ilicevic mustergültig mit einem langen Pass vor, die Weichen auf Derbysieg hatte er ohnehin bereits in der 3. Minute selbst gestellt, als er mit einem gefühlvollen Schlenzer Felix Wiedwald im Werder-Tor keine Chance ließ und den HSV in Führung brachte. Der Derbyheld sicher: "Das war bisher mein schönstes Tor für den HSV!" Schönes Tor, schöne Zeiten - für den Bundesliga-Dino, der zumindest für eine Nacht auf den sechsten Tabellenplatz rutschte, als auch für Ilicevic, dessen Abschied aus Hamburg im vergangenen Sommer bereits beschlossene Sache zu sein schien.

Von Zinnbauer aussortiert, von Labbadia gestärkt

Der 2011 aus Kaiserslautern gekommene Offensivspieler war unter Joe Zinnbauer zeitweise gar aussortiert worden und kämpfte in den letzten Jahren immer wieder mit Verletzungsproblemen. "Mein Problembereich ist die untere Rückenregion, aber das haben wir derzeit sehr gut im Griff", erklärt der 29-jährige, weshalb er in dieser Saison bisher jedes Pflichtspiel für die Hamburger absolvieren konnte. Ein Szenario, das er sich letzte Saison selbst nicht vorstellen konnte: "Ehrlich gesagt hatte ich da nicht gedacht, dass ich noch ein Jahr beim HSV bleibe" - doch dann kam Bruno Labbadia, auf den der achtmalige Nationalspieler große Stücke hält: "Am jetzigen Erfolg hat der Trainer einen großen Anteil, unsere Mannschaft ist gefestigt und geht mit breiter Brust in jedes Spiel. Spielerisch waren wir nur gegen die Bayern die schlechtere Mannschaft."

Bereits im Abstiegskampf der vergangenen Saison setzte der HSV-Coach auf Ilicevic, der ihm spätestens mit seinem wichtigen Ausgleichstreffer zum 1:1 im Relegations-Hinspiel gegen den Karlsruher SC das Vertrauen zurückzahlte. Nach gepacktem Klassenerhalt überzeugte Labbadia ihn dann, seinen Vertrag noch einmal um ein Jahr zu verlängern. Für Ilicevic die absolut richtige Entscheidung: "Ich wollte diesen neuen Weg mitgehen und möchte gerne noch einige Jahre in Hamburg bleiben."

Führt der Weg zurück ins Nationalteam?

Statt eines Umzugs dürfte dem gebürtigen Aschaffenburger im kommenden Sommer eine Teilnahme an der Europameisterschaft in Frankreich ohnehin deutlich lieber sein. Das letzte Mal lief er für die "Kockasti" vor rund zwei Jahren im WM-Qualifikations-Playoff-Spiel gegen Island auf. Noch übt Ilicevic sich in Zurückhaltung ("Ich muss erst einmal meine Leistung im Verein bestätigen"), doch bei weiteren Gala-Auftritten wie im Nordderby dürfte er in den Gedankenspielen von Kroatiens Nationaltrainer Ante Cacic gewiss eine Rolle spielen.

Karsten Lübben

Bilder zur Partie Werder Bremen - Hamburger SV