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Ärger um EM-Tickets: Wie der DFB die Fans zur Kasse bittet

Wirbel um Verkauf der EURO-Eintrittskarten

Ärger um EM-Tickets: Wie der DFB die Fans zur Kasse bittet

Fans schwenken Fahnen des "Fan Club Nationalmannschaft"

Mitglied im "Fan Club Nationalmannschaft" werden? Das hat bei der EM 2016 große Vorteile. imago

Die billigste Eintrittskarte bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) kostet 25 Euro (plus Bearbeitungsgebühr/Versandkosten). Doch für diesen Preis wird kein Fan der deutschen Nationalmannschaft an ein Ticket kommen. Deshalb herrscht schon einen Monat vor der Auslosung der Gruppenphase in Paris (12. Dezember) und dem Start der nächsten Ticket-Verkaufsphase (14. Dezember) Empörung unter den Fußballanhängern. Die Generaldirektion der Europäischen Kommission wurde von verärgerten Fans schon informiert.

"Um Tickets aus dem Kontingent des DFB können sich - analog der Regelung für Auswärtsspiele - ausschließlich Mitglieder im Fan Club Nationalmannschaft bewerben", heißt es im Ticket- Portal des DFB. Und unter "wichtige Informationen" wird festgehalten: "Ein 'freier Verkauf' ist eher unwahrscheinlich." Was bedeutet das für die Interessierten an Tickets für die EURO 2016?

Ticketbewerber müssen 70 Euro zahlen - und brauchen dann noch Glück

Interessenten können im Ticketportal der UEFA (www.uefa.com/tickets) ihre Bewerbung um Eintrittskarten generell nur abgeben, wenn sie zu den gut 50.000 Mitgliedern des Fan Club Nationalmannschaft zählen. Um dem Fan Club beizutreten, ist eine einmalige Aufnahmegebühr von 10 Euro und ein Jahresbeitrag in Höhe von 30 Euro fällig. Da erst Anfang 2016 die EM-Karten vergeben werden, muss der Bewerber auch den Beitrag in Höhe von 30 Euro für das Jahr 2016 zahlen.

Über dieses Koppelgeschäft kassiert der DFB folglich 70 Euro. Doch der Bewerber um die begehrten Karten hat noch nicht einmal eine Garantie dafür, dass er bei der Verlosung der EM-Tickets zu den glücklichen Gewinnern gehört. Selbst die günstigste Eintrittskarte für ein Halbfinalspiel des Turniers ist mit 65 Euro übrigens billiger als die Mitgliedschaft im Fan Club Nationalmannschaft für die Jahre 2015 und 2016.

Nicht nur der DFB praktiziert dieses Koppelgeschäft

Screenshot www.EURO2016.com

Ohne Zugangscode geht nichts auf der UEFA-Seite für die EM-Tickets (Zum Vergrößern klicken). Screenshot www.EURO2016.com

Nicht nur der DFB praktiziert dieses Koppelgeschäft. Auch die Verbände des Gastgeberlandes Frankreich sowie Belgien, England und Wales verfahren nach diesem System, machen die Mitgliedschaft in den Fan Clubs ihrer Nationalmannschaft zur Voraussetzung für die Bewerbung um EM-Tickets. Ohne den Nachweis dieser Mitgliedschaft lässt sich das Bestellformular im Ticketportal der UEFA überhaupt nicht öffnen.

20 der 24 Endrundenteilnehmer haben in diesem Portal bisher ihre Voraussetzungen für den Kartenerwerb aufgeführt. Jeder Staatsbürger in Österreich, Polen und Rumänien kann ohne besondere Konditionen Karten aus dem Kontingent des jeweiligen Landesverbandes bestellen. In Albanien, Italien, Island, Kroatien, Nordirland, Portugal, Russland, Schweiz, Slowakei, Spanien, Türkei und Tschechien werden den Interessenten zwei Optionen geboten. Jeder Staatsbürger dieser Länder kann Eintrittskarten ebenso bestellen wie auch ausländische Einwohner in diesen Ländern.

Rainer Franzke