Wollte der VfB Stuttgart zu viel in München?

Werners Kritik: "Wir haben das gespielt, was die wollten"

Timo Werner

Fand deutliche Worte nach dem 0:4 in München: VfB-Stürmer Timo Werner. imago

Das muss man auch erst einmal schaffen: Der VfB Stuttgart kassierte am Samstag in München vier Gegentore, von denen zwei - das 0:2 und das 0:4 - wegen Abseits nicht hätten zählen dürfen, und schoss selbst einen Treffer - das vermeintliche 1:4 -, das fälschlicherweise nicht anerkannt wurde; doch hinterher sprach dennoch niemand über Schiedsrichterassistent René Rohde, der dreimal schwer patzte. Vielmehr ging es einzig um den Spielansatz von Alexander Zorniger. Patzte auch er schwer?

Wie angekündigt ( "Wir werden nicht 90 Minuten verteidigen, weil wir das nicht können" ) entschied sich der VfB-Trainer auch gegen die Bayern für eine offensive Herangehensweise. Seine Spieler sollten die Münchner schon früh aggressiv stören, die Abwehr sich entsprechend hoch positionieren. Doch wirklich gestört fühlten sich Pep Guardiolas Schützlinge nicht. Immer wieder liefen sie mit Vergnügen in die Räume, die die weit aufgerückten Stuttgarter boten. Fehlpässe und naiv geführte Zweikämpfe machten es den Bayern zusätzlich leicht. Das erste Tor fiel nach einer VfB-Ecke.

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Nach einer solchen Partie gilt es einiges aufzuarbeiten.

Timo Werner

"Wir wollten viel direkter, viel aggressiver anlaufen", erklärte Zorniger nach dem Schlusspfiff und kritisierte: "Entweder du spielst es ganz oder eben gar nicht." Als mit dem 0:4-Pausenrückstand sämtliche Hoffnungen auf einen Punktgewinn begraben waren, lenkte er ein, stellte von 4-3-3 auf 4-4-2 um und stabilisierte seine Mannschaft so weit, dass sie kein totales Debakel erleiden musste. "Dass wir in der zweiten Halbzeit kein Tor bekommen haben, ist Auszeichnung für die Arbeit in der zweiten Halbzeit."

Man müsse nun mal "alle Dinge richtig machen, wenn man hier was reißen will", betonte er, was alle Bayern-Gegner zu betonen pflegen. Doch galt das womöglich auch für sein Spielkonzept? "Wir haben vielleicht zu viel gewollt", übte Kapitän Christian Gentner leise Kritik, bei Timo Werner klang sie schon etwas lauter: "Wir haben genau das gespielt, was die wollten. Wir standen einfach zu hoch und sind denen ins offene Messer gelaufen." Man habe "den Bayern das gegeben, was man ihnen nicht geben darf: viel, viel Platz", ärgerte er sich und befand: "Nach einer solchen Partie gilt es einiges aufzuarbeiten."

Erstmals seit 1984 0:4 nach 45 Minuten - doch Guardiola lobt den VfB

Zum ersten Mal seit fast genau 31 Jahren - am 10. November 1984 lag er gegen Schalke nach 32 Minuten mit 0:4 zurück (Endstand: 3:4) - beendete der VfB so eine erste Halbzeit mit einem 0:4-Rückstand, 27 Gegentore nach zwölf Spielen bedeuten zudem Vereinsminusrekord. Zwar kamen Werner & Co. in der ersten Hälfte selbst zu zwei guten Chancen, unter anderem traf Filip Kostic die Latte. Doch ernstzunehmende Argumente für seine mutige Taktik lieferten Zornigers Profis nicht. "Natürlich hat der Matchplan nicht funktioniert bei einem 0:4", sagte der VfB-Coach ernüchtert.

Sein Ansatz mag, selbst bei einem Auswärtsspiel in München, nicht grundsätzlich falsch sein. An diesem Samstag aber war er es offensichtlich - dem VfB-Kader fehlen momentan einfach die dafür nötige Qualität und das dafür nötige Selbstbewusstsein. Und so boten auch Guardiolas warme Worte ("Ich mag das Auftreten des VfB und bin mir sicher, dass Stuttgart in der Bundesliga bleibt") das, was schon die Benachteiligungen durch das Schiedsrichtergespann waren: kein Quantum Trost.

jpe