Köln: Ex-Nationalspieler im kicker-Interview

Engels: "Es flogen Sitzschalen von den Rängen"

Stephan Engels

Blickt auf ein bewegendes Spiel 1980 in Barcelona zurück: Stephan Engels. imago

kicker: Herr Engels, können Sie sich noch an den Tag erinnern, an dem es im Camp Nou Sitzschalen regnete?

Stephan Engels: Ja, an den Tag erinnere ich mich noch gerne, das vergisst man nicht. Wir hatten das Hinspiel verloren und reisten als krasser Außenseiter an. Nach dem Spiel flogen Münzen, Sitzkissen und Feuerzeuge von den Rängen, später sogar ganze Sitzschalen. Da hatte ja keiner mit gerechnet von den Zuschauern.

kicker: Der FC siegte sensationell 4:0 beim großen FC Barcelona. Wie haben Sie das Spiel gegen diesen Gegner mit Legenden wie Migueli, Juan Manuel Asensi, José Ramón Alexanko oder Quini erlebt?

Engels: Wir hatten nichts zu verlieren, waren locker, aber hochkonzentriert. Unser Trainer Rinus Michels kannte die Umstände und wusste, was auf uns zukommt. Wir haben dann zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht und verdient gewonnen - wenn auch vielleicht ein bisschen zu hoch.

kicker: Welchen Anteil hatte Rinus Michels, der den FC Barcelona ja noch zwei Jahre vorher trainiert hatte, und erst zwei Wochen vorher seinen Dienst angetreten hatte?

Engels: Er war ein guter Taktiker und kannte die Spieler bei Barcelona noch sehr gut, hat sie vorgestellt und analysiert. Und er hat uns auf das Publikum vorbereitet. Dementsprechend wussten wir, was auf uns zukommt. Wir hatten aber auch eine erfahrene Mannschaft, Rainer Bonhof hatte ja auch in Spanien gespielt und uns jüngeren Spielern Tipps gegeben.

kicker: Die Partie gilt als Ihr großer Durchbruch bei den Profis. Sehen Sie es im Rückblick genau so?

Engels: Ja. Ich hatte unter Hennes Weisweiler schon Spiele gemacht, unter Karl-Heinz Heddergott dann aber nicht so viele. Unter Michels schaffte ich dann den Durchbruch und das war ein wichtiges Spiel dabei, zumal ich ja auch ein Tor gemacht habe. Am Wochenende darauf traf ich auch noch gegen Bayer Uerdingen, da lief es dann. Es war auf jeden Fall ein wichtiges Spiel in meiner Karriere, zumal man ja heute noch davon spricht.

Der Trainer hat etwas, was man in Köln lange vermisst hat: Er behält die Ruhe und ist ein absoluter Fachmann.

Stephan Engels über Peter Stöger

kicker: Die Anzeichen sprachen alle gegen Köln: Das Hinspiel ging verloren, in der Bundesliga hatte der FC vorher gegen Mönchengladbach verloren, im Pokal gegen Freiburg. Woher kam diese plötzliche Leistungssteigerung?

Engels: Wie kann man die aktuelle Situation bei Borussia Mönchengladbach erklären? Ich habe sie im letzten Spiel unter Favre in Köln verlieren sehen, wenige Tage später siegen sie unter Andre Schubert 4:2 gegen den FC Augsburg. Fußball ist manchmal nicht erklärbar. Wir haben damals nach dem Spiel gegen Barcelona auch einige Partien in der Bundesliga gewonnen. Man ruft alles ab, ist konzentrierter, läuft noch einen Schritt mehr, da kommen viele Sachen zusammen. Und wir hatten ja auch eine richtig gute Mannschaft mit vielen Nationalspielern, das darf man nicht vergessen.

kicker: Bei aller schnellen Euphorie im Kölner Umfeld angesichts der erfolgreichen letzten Jahre - wann sind solche Europokalabende beim FC wieder realistisch?

Engels: Im Fußball geht es manchmal schnell. Bestes Beispiel ist der FC Augsburg, der ja jetzt in der Europa League spielt. Da haben Trainer Markus Weinzierl und Manager Stefan Reuter gut gearbeitet. Beim FC ist das im Moment auch so, der Trainer ist gut und das Management auch. Man sollte Europa nicht so weit wegschieben. Hätte die Mannschaft das Spiel gegen Hannover 96 gewonnen wäre das als Sechster nicht so weit weg. Man sollte realistisch denken, manchmal geht das aber ganz schnell. Das Beispiel Augsburg kann einem Mut machen. Da sieht man, dass da gut gearbeitet wird.

kicker: Der nächste Schritt in diese Richtung ist das Rheinderby am Samstag bei Bayer Leverkusen. Ist das bei zwei Punkten Abstand schon ein Spiel auf Augenhöhe?

Köln ist gut aufgestellt.

Stephan Engels

Engels: Köln ist gut aufgestellt, im Management mit den Geschäftsführen Alexander Wehrle und Jörg Schmadtke sowie mit Peter Stöger. Der Trainer hat etwas, was man in Köln lange vermisst hat: Er behält die Ruhe und ist ein absoluter Fachmann.

kicker: Sie sind im Sommer als Trainer der U21 des FC zurückgetreten – konzentrieren Sie sich jetzt auf die Arbeit als Spielerberater und als Vorsitzender des TuS Mondorf?

Engels: Ich kümmere mich als Berater um meine Spieler, unter anderem um Kölns Mittelfeldspieler Yannick Gerhardt. Ich möchte da eine "Neue 11" aufstellen, auf jeder Position ein Spieler. Außerdem führe ich seit sechs, sieben Jahren das italienische Restaurant "Bacco" in Bonn. Und dank meines Freundes Wolfgang Overath bin ich auch ins Immobiliengeschäft eingestiegen, da bin ich ihm sehr dankbar. Ich habe also genug zu tun.

kicker: Aber die Trainerkarriere ist noch nicht beendet, oder?

Engels: Beim richtigen Angebot würde ich mir das überlegen, als Trainer oder Manager. Stand jetzt habe ich aber genug zu tun, mir wird sicher nicht langweilig.

Patrick Kleinmann