Bundesliga

Handball im Fußball? Stögers bemerkenswerte Reaktion

Frontzeck will von "schmutzigem Sieg" nichts wissen

Handball im Fußball? Stögers bemerkenswerte Reaktion

Irritation auf der Bank: Kölns Trainer Peter Stöger konnte so manche Entscheidung nicht verstehen.

Irritation auf der Bank: Kölns Trainer Peter Stöger konnte so manche Entscheidung nicht verstehen. Getty Images

Stein des Anstoßes war das am Ende alles entscheidende Tor von Leon Andreasen in der 38. Minute. Der Däne hatte den Ball ganz klar mit dem rechten Arm über die Linie befördert und dann auch nicht großartig darüber gejubelt, wohl in der Erwartung, dass Schiedsrichter Bastian Dankert den Treffer nicht anerkennt. Doch dem war nicht so: Der Unparteiische zeigte zur Verwunderung und zum Unmut der Kölner in Richtung Mittelkreis.

Andreasen war da schon an der Seitenlinie, um sich mit seinem Trainer Frontzeck zu beraten - "über taktische Dinge", wie beide nach Abpfiff beteuerten. Die Vermutung, der Däne hätte seinen Trainer gefragt, ob er das Handspiel gestehen solle oder nicht, negierten beide jedoch und betonten, dass sie sich "über taktische Dinge" unterhalten haben. Vermutung hin oder her, Fakt ist: Andreasen sagte nichts, der Treffer zählte, Hannover gewann das Spiel und Frontzeck wollte von einem "schmutzigen Sieg" nichts wissen, weil ihm der Ausdruck nicht gefällt. Er sprach lieber von einem "glücklichen Sieg" und verwies darauf, "dass es auch schon Entscheidungen gegeben hat, die gegen uns liefen."

Spielersteckbrief Andreasen
Andreasen

Andreasen Leon

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In der Situation, in der sich Hannover befindet, ist es noch nicht einmal sein Job, zu sagen, dass es Handspiel war, wenn er gefragt wird.

Kölns Trainer Peter Stöger

Auf Kölner Seite sah man die Dinge ein wenig anders. "Es ist - schönen Gruß an den DFB - ärgerlich, dass wir heute Handball-Schiedsrichter hier hatten und das Spiel durch einen Kempa-Trick entschieden wird", übte sich Kölns Geschäftsführer Jörg Schmadtke bei Sky in Sarkasmus, gab aber zu: "Ich weiß, wie schwer der Job der Schiedsrichter ist." Schmadtke monierte aber auch das Verhalten der Unparteiischen, da ihm "die Art und Weise, wie mit uns gesprochen wird" nicht gefallen hat. Auch fragte er, warum der vierte Offizielle nichts gesehen habe: "Der steht ja da, wo wir stehen. Wieso haben wir unterschiedliche Wahrnehmungen?"

Die Niederlage allein an der Fehlentscheidung von Dankert festmachen wollte Schmadtke dann aber doch nicht: "Wir haben das Spiel nicht ausschließlich wegen der Schiedsrichter verloren." Damit hat er Recht, denn Köln hatte schlicht zu wenig aus seiner Feldüberlegenheit gemacht und war obendrein immer wieder am starken Zieler im Gäste-Tor gescheitert. Ungeachtet davon blieb Andreasens Hand-Tor der Aufreger des Abends.

Andreasen gibt sich kleinlaut - Stöger bemerkenswert differenziert

Stein des Anstoßes: Andreasens Tor zum 1:0 in der 38. Minute.

Stein des Anstoßes: Andreasens Tor zum 1:0 in der 38. Minute. Getty Images

Andreasen selbst zeigte sich kleinlaut und gab nach Ansicht der TV-Bilder zu, dass es "eindeutig Hand" war. Der Däne fühlte sich sichtlich unwohl in seiner Haut, als er nach einer Erklärung rang. "Ich hatte nur gespürt, dass mich etwas am Arm trifft, aber es ging alles sehr schnell. Das ist für mich ein blödes Gefühl", sagte der 32-Jährige, um dann zu fragen: "Warum muss ich mich entschuldigen?"

Die Antwort darauf gab Kölns Trainer Peter Stöger, der während des Spiels noch für Furore gesorgt hat, als er dem Schiedsrichter medienwirksam seine Brille entgegenstreckte, nach Spielende aber bemerkenswert differenziert an die Sache herantrat. "Er braucht sich für nichts zu entschuldigen! Ich verlange von ihm zu null Prozent, dass er zu irgendjemandem geht und sagt, dass es Handspiel war", fand der Österreicher klare Worte und ging sogar noch weiter: "In der Situation, in der sich Hannover befindet, ist es noch nicht einmal sein Job, zu sagen, dass es Handspiel war, wenn er gefragt wird."

Für Stöger liegt die Verantwortung ganz klar an anderer Stelle: "Wir haben Torlinientechnologie, wir haben vier Schiedsrichter", stellte er fest und fragte: "Und da sollen die Spieler das Spiel bewerten?" Die Antwort darauf gab er selbst: "Dafür gibt es Schiedsrichter." Und mit diesen hatte der nicht gerade für aufbrausendes Temperament bekannte Stöger doch ein Problem. So beklagte er sich darüber, dass "man kaum einmal mit jemandem reden kann, wenn man ein Problem hat. Da sind sie unnahbar und lassen nicht mit sich sprechen. Auf der anderen Seite verlangen sie aber, dass wir uns komplett unter Kontrolle haben. Das ist sehr schwierig."

drm

Bilder zur Partie 1. FC Köln - Hannover 96