Bundesliga

Schmidt: "Tuchel wird mich mehr überraschen als ich ihn"

Mainzer Trainer fordert "Giftpfeile im Umschaltspiel"

Schmidt: "Tuchel wird mich mehr überraschen als ich ihn"

Martin Schmidt

Trifft auf seinen Förderer auf der Trainerbank: FSV-Coach Martin Schmidt. imago

Das hängt natürlich mit seinem Abgang nach dem 34. Spieltag der Saison 2013/14 zusammen. Tuchel und Heidel, so war der Plan, hätten am Tag nach der Partie gegen den HSV gemeinsam vor die Medien treten sollen, um das Pausenjahr trotz bestehenden Vertrags zu verkünden. Doch der Neu-Dortmunder gab in einem TV-Interview kurz vor Spielbeginn die bevorstehende Trennung recht verklausuliert, aber doch erkennbar, bekannt.

Was Heidel, so seine Sicht, dazu zwang, nach Schlusspfiff Klartext zu reden. "An meinem Standpunkt hat sich nichts geändert", erklärt der Manager nun einmal mehr. "Die Situation ist so gekommen, wie Thomas das wollte. Die einzige Dissonanz, die es gab, das war der letzte Spieltag gegen den HSV mit der Meinungsverschiedenheit: Wie gehen wir an die Öffentlichkeit. Ich konnte nach seinem Sky-Interview nicht anders. Denn der Verein steht im Vordergrund. Ich habe ihm auch anschließend gesagt: Wenn wieder so ein Fall käme, würde ich mich wieder so verhalten. Ich möchte dieses ganze Thema von vor einem Jahr nicht nochmal aufmachen." Kontakt gebe es seit dem nicht wirklich.

Intensiver ist das Verhältnis freilich zu Martin Schmidt gewesen, seinem Nach-Nachfolger, den er 2010 als U-23-Trainer empfahl. Beide sind befreundet. "Im Laufe des Frühlings ist der Kontakt zu Thomas etwas eingeschlafen. Seit er in Dortmund Trainer ist, hatten wir keinen Kontakt mehr. Ich freue mich riesig auf Thomas", erklärt Schmidt, der nur Lob für seinen Dortmunder Konterpart übrig hat: "Er hat unglaubliches Wissen. Er hat mir direkt das Vertrauen geschenkt und mich die Gegner-Beobachtung machen lassen. Taktik, Sicht auf ein Spiel - da habe ich viel gelernt und meinen Rucksack weiter füllen können. Aber wir haben uns gegenseitig auch gut unterstützt und geholfen, weil ich auch andere Ansätze hatte."

Duell zweier bestens bekannter Trainer

Insofern wird es eine spannende Partie. Beide Trainer kennen sich in- und auswendig, auch wenn sich beide in den vergangenen 18 Monaten freilich entwickelt haben. "Das wird ein seltsames Spiel, weil wir beide die Gedanken des anderen von früher kennen. Er hat jetzt einen anderen Kader, andere Waffen - deshalb wird er mich mehr überraschen als ich ihn", vermutet Schmidt, der zu Wochenbeginn seine Spieler darauf hingewiesen hatte, sich nicht groß zu äußern zum Ex-Coach. "Ich bin dem Thema Tuchel nicht ausgewichen. Es gab nichts zu sagen. Dem Team habe ich gesagt, dass wir den sportlichen Fokus auf das Spiel legen. Ich wusste, dass, wenn sich dann jeder Spieler äußert, haben wir jeden Tag Schlagzeilen. Und das wollte ich nicht."

Auch die Spekulationen um Heidel hätten nicht gestört: "Natürlich macht sich dann jeder seine Gedanken, aber das geht nicht so an die Mannschaft heran, weil es so viele Gerüchte in diesem Geschäft gibt. So eine Schlagzeile nimmt das Team auf und beschmunzelt das, aber es stört nicht den Fokus auf das Spiel."

In diesem erwartet der 48-Jährige eine enorme Herausforderung für sein Team: "Die Bayern und Dortmund sind souverän durch die Liga durchgerast. Ich glaube, dass die Niederlage der Dortmunder in München nicht viel daran ändert. Bayern ist übermächtig - dann kommt der BVB. So, wie es die Tabelle widerspiegelt." Dennoch hofft Schmidt auf eine Überraschung und spricht seinen Schützlingen Mut zu: "Wir stellen uns nicht mit Angst und Schrecken auf den Gegner ein. Dortmund wird das zu spüren kriegen." Wichtig sei stetiger Druck auf den ballführenden Gegenspieler – "und dann wollen wir unsere bekannten Giftpfeile im Umschaltspiel setzen".

Muto und Jara sind noch fraglich

Ob Yoshinori Muto dabei helfen kann, ist noch unklar. Der Japaner kehrte am Mittwoch in aller Herrgottsfrühe von der Nationalelf heim. Das donnerstägliche Abschlusstraining werde Aufschluss geben, ob ihm die Länderspielreise noch in den Knochen steckt. Gonzalo Jara kommt erst an diesem Donnerstag gegen 18 Uhr an. "Ich werde am Freitagmittag schauen, wie er aussieht", sagt Schmidt über den Chilenen, dessen Einsatz aber arg bezweifelt werden darf.

Benni Hofmann