Bundesliga

Kohler wird 50: "Ich brauche die Bundesliga nicht"

Der Weltmeister von 1990 feiert Geburtstag

Kohler wird 50: "Ich brauche die Bundesliga nicht"

Jürgen Kohler

Mit Spaß als Trainer in der Oberliga aktiv: Jürgen Kohler. imago

kicker: Herr Kohler, Sie feiern an diesem Dienstag Ihren 50. Geburtstag. Im Mai unterzogen Sie sich einer lange geplanten Herz-Operation. Wie geht es Ihnen?

Jürgen Kohler: Sehr gut! Der 5. Mai 2015 ist so etwas wie mein zweiter Geburtstag. Es war klar, dass diese Operation einmal kommt, weil es sonst irgendwann hätte kritisch werden können. Jetzt lief alles so, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich hatte von Geburt an einen Herzfehler, eine Vergrößerung der Aorta, das wurde während meiner ganzen Karriere überwacht. Professor Christian Schlensack, der den Eingriff in der Uniklinik Tübingen durchführte, hat mir gesagt, ich sei jetzt sogar belastbarer als zu meiner Zeit als Spieler.

kicker: Also könnte Thomas Tuchel Sie anrufen, wenn er beim BVB Verstärkung braucht?

Kohler: Nein, ich habe keine Lust mehr (lacht). Meine Zeit als Spieler war toll, ich habe viele schöne Erinnerungen und viele interessante Menschen getroffen. Zum Beispiel Nelson Mandela bei einem Länderspiel in Südafrika oder Giovanni Agnelli bei Juventus Turin.

kicker: Was aus Ihrer Profizeit vermissen Sie am meisten?

Kohler: Die Frotzeleien in der Kabine, zum Beispiel mit Bodo Illgner beim 1. FC Köln. Beim Torschusstraining hat er die meisten Schüsse von mir gehalten, aber wenn mal einer rein ist, bin ich meistens gleich in die Kabine. Und da durfte sich Bodo dann was anhören. Solche Momente haben am meisten Spaß gemacht.

Ich bin ein Paradebeispiel dafür, wie man mit wenig Talent viel erreichen kann. Und jemand, der für Werte wie Respekt, Fleiß und Ehrgeiz steht.

Jürgen Kohler

kicker: Weltmeister, Europameister, Champions-League-Sieger, Meister mit Bayern, Dortmund und Juventus Turin – Sie haben in Ihrer Karriere fast alles gewonnen. Was bleibt hängen von diesen ganzen Titeln?

Kohler: Ich habe sie ja nicht alleine gewonnen, sondern immer in einem erfolgreichen Team mitgewirkt. Titel sind eine Bestätigung für die gesamte Mannschaft und die eigene Leistung. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich solche Momente erleben durfte. Während der Karriere geht das wahnsinnig schnell. Da gewinnst du heute die Champions League und morgen geht schon wieder die Vorbereitung los. Erst im Nachhinein kann man alles so richtig genießen.

kicker: Aktuell sind Sie als Trainer auf Erfolgskurs. Mit dem SC Hauenstein liegen Sie trotz der 0:1-Niederlage beim FC Karbach am Sonntag auf Platz eins der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar.

Kohler: Wir haben eine junge Mannschaft, trainieren drei-, viermal die Woche. Einige Konkurrenten trainieren unter professionellen Bedingungen. Insofern ist die Leistung der Jungs noch höher zu bewerten.

kicker: Kann man sich, wenn man als Profi fast alles erreicht hat, überhaupt noch für einen Job in der 5. Liga motivieren?

Kohler: Klar, weil ich es will und weil es mir Spaß macht.

kicker: Wollen Sie als Trainer irgendwann auf die große Bühne zurückkehren?

Kohler: Nein, ich brauche keine Bundesliga, um glücklich zu sein. Das habe ich 20 Jahre erlebt. Am meisten Spaß würde es mir machen, eine U 19 oder U 23 eines Profiklubs zu trainieren, junge Spieler auf ihrem Weg nach oben zu begleiten. Ich bin ein Paradebeispiel dafür, wie man mit wenig Talent viel erreichen kann. Und jemand, der für Werte wie Respekt, Fleiß und Ehrgeiz steht.

Interview: David Bernreuther

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