Europa League

BVB-Krawallmacher haben "Grenze erreicht"

Dortmunder Fans sorgen abermals für Negativschlagzeilen

BVB-Krawallmacher haben "Grenze erreicht"

"Nicht alle über einen Kamm scheren": Die BVB-Profis gingen trotz der Krawalle nach dem Spiel zu ihren Fans.

"Nicht alle über einen Kamm scheren": Die BVB-Profis gingen trotz der Krawalle nach dem Spiel zu ihren Fans. Getty Images

Aus Saloniki berichtet Thomas Hennecke

Fünf Minuten dauerte das gespenstische Spektakel, das gewiss ein Nachspiel haben wird. Gewaltbereite Anhänger der Schwarz-Gelben bewarfen Ordner und Sanitäter zu Beginn der zweiten Hälfte mit brennenden Bengalos. Erst als wiederholte Lautsprecherdurchsagen keine Wirkung zeigten, stellte ein massiver Polizeieinsatz wieder Ordnung im Block der Dortmunder Fans her. Nur ein untauglicher Erklärungs- und Entschuldigungsversuch war, dass den BVB-Supportern zuvor von Ordnern Zaunfahnen gestohlen worden sein sollen. Zwei Fans wurden übrigens am Donnerstagabend noch im Stadion vorläufig festgenommen und inzwischen dem Haftrichter vorgeführt. Wie die Dortmunder Polizei am Freitag mitteilte, sei es zudem vor dem Spiel zu Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und BVB-Ultras gekommen. Hierbei seien Flaschen und Dosen auf die griechische Polizei geworfen worden.

"Man kann das in keiner Weise tolerieren", zürnte BVB-Chef Hans-Joachim Watzke. Für ihn ist jetzt "eine Grenze erreicht", nachdem als Fans getarnte Chaoten wiederholt aus der Rolle gefallen sind, zuletzt in der Europa-League-Qualifikation bei Odds BK (4:3). Ohnmächtig verfolgt Dortmunds Geschäftsführer, wie ein paar rücksichtslose Krawallmacher den BVB in Verruf bringen. "Mit Dialog und guten Worten kommt man nicht weiter", seufzte er. "Dieses Problem muss man nicht kleinreden."

Castro: "Nicht alle über einen Kamm scheren"

Bewusst entschied sich die Mannschaft trotz der Ausschreitungen nach dem Schlusspfiff zum Gang in die Fankurve – anstatt demonstrativ ein Zeichen zu setzen. "Man kann nicht alle Fans über einen Kamm scheren", sagte Mittelfeldspieler Gonzalo Castro. Vor ihm hatte schon Thomas Tuchel darauf hingewiesen, dass "nur ein paar wenige das Chaos anrichten". Auch Roman Weidenfeller hatte davon abgeraten, alle 1300 mitgereisten Fans kollektiv abzustrafen.

Spielbericht

Europas Fußballverband wird eine Untersuchung einleiten und Borussia Dortmund als Wiederholungstäter kaum mit einer freundlichen Ermahnung davonkommen lassen. Watzke rechnet mit einer empfindlichen Geldstrafe. Sollten die Täter ausfindig gemacht werden, wird der Klub einschneidende Maßnahmen ergreifen. Das deutete Watzke noch in der Nacht zum Freitag an. "Ich halte immer viel davon, alle Beteiligten noch einmal anzuhören", erklärte er, "aber dieses Mal war die Sache relativ eindeutig."

Acht-Mann-Rotation

Fast völlig in den Hintergrund trat in Thessaloniki, dass Tuchel mit seiner Acht-Mann-Rotation zumindest ein ordentliches Ergebnis einfuhr. Von einer "tollen Mannschaftsleistung", die der Trainer gesehen haben wollte, war die Borussia freilich ein ganzes Stück entfernt. Dazu fehlten zwingende Aktionen und Abschlusssituationen gegen einen Gegner, der sich tief staffelte und wenig Anstalten machte, aktiv am Spiel teilzunehmen. Große Dominanz flüssig in mehr Kreativität und Druck umzusetzen, war von dieser gründlich umgebauten BVB-Elf vielleicht auch nicht zu erwarten.

Castros Ausgleichstreffer fiel eher zufällig. Das sagt viel aus über den Charakter eines Spiels, das Dortmund bei allem Fleiß fußballerisch dann doch eher dezent und schmucklos gestaltete. Die beschämenden Ereignisse im Fanblock lenkten die Aufmerksamkeit ohnehin weg vom Geschehen auf dem grünen Rasen. "Das Spiel ist komplett gestört worden", sagte Watzke.

kicker.tv Hintergrund

Krawalle in Saloniki: Tuchel spricht von "einigen Wenigen"

alle Videos in der Übersicht