VfB-Fans applaudieren nach fünfter Niederlage

Zorniger: "Deswegen kommen die Leute ins Stadion"

Alexander Zorniger

"Die Zweifel kommen nicht": Alexander Zorniger nach der fünften Niederlage im fünften Spiel. Getty Images

André Breitenreiter hatte es schon in der Halbzeit gewusst: "Heute", sagte der Schalke-Trainer laut Ralf Fährmann zur Pause, "heute wird den Stuttgartern nichts gelingen." Und tatsächlich durfte Breitenreiter nach Schlusspfiff bei "Sky" einen "völlig unverdienten Sieg" kommentieren. Der VfB gewann nach Torschüssen 26:10, S04 nach Toren 1:0.

Nur so war es zu erklären, dass die Heim-Fans selbst nach der fünften Niederlage im fünften Saisonspiel noch klatschten: Sie munterten die niedergeschlagenen VfB-Profis auf, sie honorierten den großen Aufwand, den ihre Elf betrieben hatte, die Giftigkeit, die Spielfreude, ja sogar die weitgehend sattelfeste Abwehr.

"Es kann alles nicht so schlecht sein, wenn wir nach fünf Niederlagen noch Applaus bekommen", registrierte Kapitän Christian Gentner. Robin Dutt attestierte dem Anhang ein "erstaunliches Fingerspitzengefühl": Nach so einem Spiel nicht einfach nur notorisch ihre Wut über das Ergebnis rauszulassen, sondern eine Leistung anzuerkennen", lobte der Sportvorstand, "das ist nicht selbstverständlich."

Pech? Zorniger: "Tore erzielen ist eine Qualität"

Ist es nur eine Frage der Zeit bis zu den ersten Punkten? "Die Zweifel kommen nicht", ließ Trainer Alexander Zorniger wie gewohnt jede Kritik an seiner Spielweise abprallen - diesmal hatte er auch allen Grund dazu. "Wir müssen einfach die Tore reinmachen! Ich verstehe jeden Fan, der sagt: 'Herr Zorniger, jetzt lassen Sie uns doch mal gewinnen mit dieser Spielweise'. Aber für mich ist das ein Spektakel, was wir bieten. Deswegen kommen doch die Leute ins Stadion. Klar brauchen wir die Punkte, aber die Spielweise ist alternativlos." Und trotzdem: "Das", so Zorniger zu Breitenreiters "völlig unverdientem Sieg", "würde ich auch gerne mal sagen."

Sie hatten nicht die nötige Sicherheit und Ruhe.

Ralf Fährmann über die VfB-Profis

Es war wie schon gegen Köln (1:3) oder in Hamburg (2:3): "Dieses Spiel darfst du niemals verlieren", sagte der VfB-Coach. "Wir tun's in Regelmäßigkeit." Ist das nur Pech? "Tore erzielen ist eine Qualität", weiß Zorniger. Man könne das trainieren, erinnerte Dutt, "Aber selbst ohne Training sollte man in der Lage sein, eine von diesen Chancen zu machen". Schalke-Matchwinner Fährmann analysierte: "Sie hatten nicht die nötige Sicherheit und Ruhe."

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Weil das für Daniel Ginczek, Kapitän Gentner oder auch Innenverteidiger Timo Baumgartl, dem sich zwei glänzende Möglichkeiten boten, galt, fielen zwei der wenigen individuellen Abwehrfehler schwer ins Gewicht: Vorne verlor Didavi-Vertreter Alexandru Maxim den Ball, hinten ließ sich Florian Klein von Torschütze Leroy Sané schülerhaft düpieren - 0:1 (53.). "Da verteidigen wir zu hoch", ließ sich Zorniger diesmal nicht zu einer öffentlichen Kritik an einem seiner Schützlinge hinreißen.

Für die ist es auch so schon "brutal" (Gentner) genug, der Druck wird nicht kleiner. Der schlechteste Saisonstart der Vereinsgeschichte ist noch schlechter geworden. Und jetzt geht es binnen einer Woche gegen die Kellerkinder Hannover (A) und Mönchengladbach (H). "Wir werden ruhig bleiben", sagt Dutt und hofft, was auch die bislang geduldigen Fans hoffen: "Immer kann es ja nicht so laufen."

jpe

Bilder zur Partie VfB Stuttgart - FC Schalke 04