Bundesliga

Schalker Merkwürdigkeiten: Kein Ersatz für Draxler

S04: Auf den Außenbahnen wird es eng

Schalker Merkwürdigkeiten: Kein Ersatz für Draxler

Julian Draxler (li.), Max Meyer

Im Wolfsburg-Spiel ersetzte Max Meyer (re.) Julian Draxler noch nach seiner Einwechslung. Diese Aufgabe könnte der Youngster bald dauerhaft übernehmen. imago

Zumindest hätte Horst Heldt darauf vorbereitet sein müssen, dass der VfL Wolfsburg ernst macht und ein Angebot unterbreitet, das man bei gesundem Menschenverstand nicht ablehnen kann. Dann muss man allerdings Ersatz in der Hinterhand haben und zwingend einen Plan B vorbereiten.

Das ist zwar passiert: Intern herrschte in Schalkes sportlicher Führung Übereinstimmung, dass Filip Kostic ein geeigneter Draxler-Nachfolger sein könnte. Dass Heldt nun verlauten lässt, der VfB Stuttgart sei in dieser Personalie nicht mal gesprächsbereit gewesen, wirft aber ein schräges Licht auf Schalkes Transferpolitik.

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Denn dass der VfB keine Anstalten machen würde, Kostic ziehen zu lassen, hätte sich frühzeitig klären lassen. Und natürlich ist es fahrlässig, dann nicht nach einem anderen Kandidaten zu fahnden, der geeignet wäre, die Lücke auf der linken Seite zu schließen, die durch Draxlers Weggang zweifellos entsteht. Auch im Zentrum fühlt sich Draxler ja wohl; hier könnte nun der überaus talentierte Max Meyer häufiger zum Zuge kommen. Aber links?

Schließlich ließ Schalke auch schon Jefferson Farfan ziehen, dessen Wechsel nach Abu Dhabi ein Jahr vor Vertragsende sieben Millionen in die Kasse brachte. Der Draxler-Transfer lässt stolze 36 Millionen fließen - und bringt womöglich Trainer André Breitenreiter in arge Bedrängnis, weil der ohnehin kleine Kader nun auf beiden Außenbahnen kaum noch Auswahl lässt.

So wird der zweifellos hoch begabte Leroy Sané zum Beispiel stark gefordert sein; er deutete in seiner Premierensaison schon großes Talent an, ist aber erst 19 Jahre alt. Sydney Sam steht ebenfalls bereit für die Außenbahn, fiel zuletzt aber häufig wegen Verletzungen aus und spielt äußerst schwankend.

Breitenreiter möchte offensiv spielen - mit wem?

Bleiben noch Eric-Maxim Choupo-Moting und eventuell Leon Goretzka, dessen Idealposition die Außenbahn freilich nicht ist. Breitenreiter möchte gern sehr offensiv spielen lassen, aggressiv, früh stören - hat er aber auch wirklich das Personal dazu?

Draxler, jung, aus den eigenen Reihen, eine Schalker Vorzeigefigur, wollte Breitenreiter unbedingt halten. Bei Benedikt Höwedes gelang es dem neuen Coach, einen womöglich wechselwilligen Spieler umzustimmen, bei Draxler war seine Mühe vergebens.

Dafür fand sich fast erwartungsgemäß kein Käufer für Kevin-Prince Boateng. Möglich wäre nun lediglich noch ein Wechsel in ein exotisches Land, das bis in den September Transfers erlaubt. Ansonsten kassiert Boateng zumindest bis zum Winter weiter sein stattliches Gehalt auf Schalke.

Oliver Bitter

Draxler: Treueschwur, Machtkampf, Flucht